Neue HIV- und Aids-Sammlung Humboldt-Universität Berlin archiviert tausende Dokumente
Die Humboldt-Universität zu Berlin erweitert ihre historischen Sammlungen um einen umfangreichen Bestand zur Geschichte von HIV und Aids. Tausende Dokumente mit unterschiedlichen Quellen zur Aids-Pandemie wurden für das Haeberle-Hirschfeld-Archiv für Sexualwissenschaft erworben. Nach Angaben der Universität sollen die Materialien damit langfristig für die Forschung erhalten bleiben.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) hat umfangreiche Dokumente zur Geschichte von HIV und Aids für ihr Haeberle-Hirschfeld-Archiv für Sexualwissenschaft erworben.
- Die Sammlung umfasst mehrere zehntausend Dokumente, darunter Briefe, Fotos, Broschüren, Flugblätter und Rundschreiben.
- Enthalten sind unter anderem persönliche Nachlässe von Menschen mit HIV, Aktivisten und Angehörigen an Aids erkrankter Personen.
- Die Geschichte des Projekts reicht bis zu Initiativen aus dem Jahr 2012 zurück.
Zehntausende Dokumente
Die Eröffnung des Archivs ist für den 29. Oktober vorgesehen. Im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der HU soll dazu eine Podiumsdiskussion mit den Initiatoren stattfinden. Die Dimension des neuen Bestands ist beträchtlich. Nach Angaben der Universität umfasst er mehrere zehntausend einzelne Dokumente. Dazu zählen unter anderem Briefe und Fotografien sowie Korrespondenzen, Broschüren, Flugblätter und Rundschreiben. Die Quellen geben dabei Einblick in ganz unterschiedliche Lebensbereiche und Erfahrungen während der HIV- und Aids-Krise.
Zum Bestand gehören persönliche Unterlagen von Menschen mit HIV ebenso wie Dokumente ehrenamtlicher Mitarbeiter von Hilfs-Organisationen. Auch Materialien von Aktivisten und von Angehörigen an Aids erkrankter Personen wurden gesichert. Darüber hinaus finden sich in der Sammlung Unterlagen von Selbsthilfegruppen und Pflegediensten. Ziel sei es, nicht allein die medizinische Geschichte der Pandemie zu dokumentieren, sondern auch deren gesellschaftliche und politische Dimension. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der sogenannten Oral History. Zeitzeugeninterviews sollen persönliche Erinnerungen festhalten und unterschiedliche Perspektiven auf den Umgang mit HIV und Aids sichtbar machen.
Von der Initiative zur dauerhaften Sammlung
Die Bemühungen, historische Quellen über HIV und Aids in Deutschland zu bewahren, begannen bereits vor mehr als einem Jahrzehnt. HIV-Aktivisten setzten sich gemeinsam mit Journalisten und Wissenschaftlern seit 2012 dafür ein, entsprechende Dokumente systematisch zu sichern. Zwei Jahre später nahm die Forschungsstelle Kulturgeschichte der Sexualität an der Humboldt-Universität gemeinsam mit der Universitätsbibliothek ein Modellprojekt zur Geschichte von Aids auf. Das Haeberle-Hirschfeld-Archiv, dessen Grundlage der Nachlass des Sexualwissenschaftlers Erwin J. Haeberle bildet, wurde dafür gezielt um Quellen zur HIV- und Aids-Geschichte erweitert.
Die Universität selbst erklärt: „Das European HIV/AIDS Archive eröffnet einen Raum, Erinnerungen an das Leben mit HIV/AIDS, das zivilgesellschaftliche Engagement und AIDS-Politiken in Europa zu bewahren, Geschichten zu teilen und aus der Vielstimmigkeit zu lernen (…) Oral Histories ermöglichen eine lebendige und multi-perspektivische Erinnerung. Das Archiv versteht sich als Ergänzung und Erweiterung bereits in einzelnen europäischen Ländern existierender Sammlungen zu HIV/AIDS.“ Das European HIV/AIDS Archive (EHAA) ist damit Teil des am Institut für Europäische Ethnologie angesiedelten Archivs für Alternativkultur und zugleich Bestandteil der Universitätssammlungen der Humboldt-Universität. „Mit dem nun gesicherten Bestand soll ein Teil der Geschichte der HIV- und Aids-Pandemie dauerhaft bewahrt werden. Dabei geht es neben politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Entwicklungen auch um persönliche Erfahrungen, zivilgesellschaftliches Engagement und die Perspektiven der Menschen, die von der Pandemie unmittelbar betroffen waren.“