Direkt zum Inhalt
Neue Hass-Gesetze in Afrika

Neue Hass-Gesetze in Afrika Kommt die Todesstrafe für Homosexuelle bald in ganz Afrika?

ms - 27.06.2023 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Es ist ein düsterer Blick in Richtung Zukunft - afrikanische LGBTI*-Organisationen bekräftigen jetzt gegenüber Reuters ihre große Besorgnis darüber, dass nach dem Inkrafttreten des Anti-Homosexuellen-Gesetzes in Uganda jetzt auch weitere Länder in Afrika die Rechte für Schwule und Lesben einschränken oder ganz abschaffen könnten. In Uganda bestraft das neue Gesetz Homosexualität künftig mit hohen Haftstrafen und sogar der Todesstrafe – davon betroffen sind auch LGBTI*-Verbände, die Schwulen und Lesben vor Ort nur helfen wollen.

Kommt in Kenia das nächste „Kill the Gays“- Gesetz?

Als nächstes Land könnte nun Kenia folgen, auch hier drängen inzwischen mehrere Abgeordnete dazu, ebenso ein Verbotsgesetz für Homosexuelle zu erlassen. Ähnliche Bestrebungen zeichnen sich auch in Tansania und dem Südsudan ab. Besonders dramatisch wäre allerdings tatsächlich ein Anti-Homosexuellen-Gesetz in Kenia, bisher gilt das Land als einziger Rückzugsort für homosexuelle afrikanische Flüchtlinge, auch aus Uganda. In Kenia dürfen sie bisher frei leben und werden nicht verfolgt – das droht sich nun zu ändern.

Einer jener Politiker, die sich um eine Verschärfung bemühen, ist der Abgeordnete Mohamed Ali; er erklärte gegenüber Reuters, Homosexualität sei nur eine „westliche Erfindung, die dem Kontinent aufgezwungen wurde.“ Er glaube nicht an die Existenz schwuler Afrikaner, offen schwule Einheimische seien allesamt Lügnern, denen es nur darum ginge, ein Visa für den Westen und Geld von Bürgerrechtsgruppen zu bekommen. Man müsse Homosexuelle „komplett aus Kenia vertreiben!“ Derzeit sieht der kenianische Gesetzesentwurf Haftstrafen von zehn Jahren sowie ebenso die Einführung der Todesstrafe für „schwere Fälle“ von Homosexualität vor.

Homosexualität sei gleich schlimm wie Drogen

Ähnliche Stimmen kommen aus Tansania und dem Südsudan, als Erklärung wird immer wieder genannt, dass man mit den neuen Gesetzen die afrikanische Werte und die Souveränität des Landes retten wolle. Man dürfe keineswegs vor den Homosexuellenrechten kapitulieren. Die tansanische Abgeordnete Jacqueline Ngonyani erklärte so beispielsweise: „Wir müssen den anhaltenden moralischen Verfall kontrollieren. Wenn diese schwulen Menschen zunehmen, wird dies das Ende einer ganzen Generation sein. Das ist dasselbe, was Drogen mit unserer Jugend machen!“

Community befürchtet das Schlimmste

Die National Gay and Lesbian Human Rights Commission blickt mit großer Sorge auf die neusten Entwicklungen in Afrika und befürchtet einen Rollback, der nach und nach den ganzen Kontinent erfassen könnte, Kenia könnte dabei der Dammbruch für weitere Gesetzesvorhaben sein: „Es handelt sich um ein hasserfülltes Gesetz, das das Leben homosexueller Kenianer wirklich unerträglich machen wird, wenn es verabschiedet wird", so Annette Atieno von der Kampagnengruppe.

Das kenianische Anti-Homosexuellen-Gesetz wird derzeit von einem Parlamentsausschuss geprüft, der es dann zur Abstimmung an das Plenum weiterleiten kann. Von offizieller Seite wurden keine Angaben über den möglichen Zeitrahmen gemacht. Die LGBTI*-Community befürchtet allerdings das Schlimmste, wie drei weitere Bürgerrechtsgruppen gegenüber Reuters erklärten.

Kenias Präsident stellt sich bereits gegen Homosexuelle

Kenias Präsident William Ruto, ein evangelikaler Christ, hat seine Einstellung zu dem Thema bereits im Februar dieses Jahres deutlich klargemacht, nachdem das Oberste Gericht des Landes einer LGBTI*-Gruppe erlaubte, sich offiziell als NGO registrieren zu lassen. Ruto erklärte daraufhin: „Wir können nicht den Weg beschreiten, dass Frauen ihre Geschlechtsgenossinnen heiraten und Männer ihre Geschlechtsgenossen!“ Kenia wolle mit einem ähnlichen Anti-Homosexuellen-Gesetz dabei auch seine Solidarität gegenüber dem Nachbarland Uganda zeigen.

Sind die US-Sanktionen wirkungslos?

Die USA haben so inzwischen erste Sanktionen gegen Uganda umgesetzt, unter anderem Visa-Beschränkungen für Politiker aus Uganda. In einem nächsten Schritt soll auch die Entwicklungshilfe zurückgehalten werden. Inwieweit das Uganda am Ende tatsächlich tangiert, ist fraglich – im Land wurde im vergangenen Jahr eines der weltweit größten Goldvorkommen entdeckt. Der Verfasser des neuen kenianischen Gesetzentwurfs, der Abgeordnete Peter Kaluma, erklärte folgerichtig so auch: „Auf dem ganzen Kontinent wollen wir diese Gesetze haben. Wenn sie Uganda sanktionieren, sollten sie ganz Afrika sanktionieren!“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Erneuter Diebstahl

Polizei sucht nach Zeugen

Vor der Gemeindebibliothek „Bibliothek am Meer“ in Büsum (Kreis Dithmarschen) sind erneut Regenbogenflaggen entwendet - und wieder aufgehängt worden.
Kane Fox über Sex-Mythen

Klischees über Top und Bottom

Erotikdarsteller Kane Fox erklärt, warum Bottoming vor allem im Kopf beginnt – und widerspricht verbreiteten Klischees über schwule Intimität.
Exklusive Mode für OnlyFans

Designer kooperiert mit Plattform

OnlyFans und Designer Louis-Gabriel Nouchi bringen gemeinsam eine exklusive und sehr intime Modekollektion nur für Männer auf den Markt.
Heiße Kerle am Broadway

Rekord für HIV-Benefizshow

Rund 200 der heißesten Tänzer New Yorks zeigten bei der New Yorker HIV-Benefizshow „Broadway Bares“ vollen Körpereinsatz.
Heiratsantrag beim NYC-Pride

Buzz und Woody verloben sich

Ein schwuler Heiratsantrag beim New Yorker Pride Run sorgt in diesen Tagen weltweit für Begeisterung.
Rekord für „Michael“

Erfolgreichstes Biopic weltweit

Das Michael-Jackson-Biopic „Michael“ ist das erfolgreichste Biopic aller Zeiten – Schauspieler Colman Domingo feiert den weltweiten Rekord.
Todesfall Ed Cornes

Ermittlungen neu aufgenommen

Fast fünf Jahre nach dem Tod des schwulen Studenten Ed Cornes werden die Ermittlungen neu aufgerollt – zuvor entschuldigte sich die Londoner Polizei.
Regeln für Frauenbereich klarer

Kundgebung blieb friedlich

Im Berner Marzilibad wurde eine trans* Frau nach Beschwerden mehrerer Badegäste durch die Polizei aus dem Frauen-FKK-Bereich abgeführt.
Mordfall Sam Nordquist

Schuldbekenntnis vor Gericht

Im grausamen Mordfall des trans* Mannes Sam Nordquist gab es jetzt ein wichtiges Schuldeingeständnis der Hauptangeklagten vor einem New Yorker Gericht