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Neue Angst im Urlaub
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Neue Angst im Urlaub USA verlieren Vertrauen, Städte bieten Schutzräume

ms - 17.08.2026 - 10:00 Uhr
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Wo fühlen sich queere und homosexuelle Menschen auf Reisen sicher und willkommen? Eine neue Untersuchung von ITB Berlin und A3M Global Monitoring zeigt, dass sich das Sicherheitsempfinden bei LGBTIQ+-Reisenden teilweise deutlich verändert hat. Besonders ins Auge fällt die Entwicklung in den USA. Kanada, die Niederlande, Spanien und Österreich werden dagegen weiterhin überwiegend positiv wahrgenommen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Eine neue Untersuchung von ITB Berlin und A3M Global Monitoring vergleicht erstmals Daten aus zwei Erhebungsjahren.
  • Kanada und die Niederlande schneiden beim Sicherheitsempfinden homosexueller und queerer Reisender besonders positiv ab.
  • Auch Spanien und Österreich werden gut bewertet.
  • In den USA hat sich die Wahrnehmung deutlich verschlechtert: Bei mehreren Sicherheits- und Akzeptanzfragen gingen die Werte stark zurück.
  • Deutschland wird unterschiedlich wahrgenommen: Städte gelten vielfach als offen, zugleich sehen Befragte in bestimmten Regionen erhöhte Risiken.
  • Deutsche haben mehr Inlandsreisen und weniger Auslandsreisen im Jahr 2025 unternommen. 
  • Auch digitale Risiken durch Dating-Apps und soziale Netzwerke spielen für LGBTIQ+-Reisende eine zunehmend wichtige Rolle.
  • Die Ergebnisse sind auch für Kongresse relevant, weil Sicherheit und Akzeptanz die Destinationswahl beeinflussen.

Ausführliche Studienlage 

Die Untersuchung „LGBTIQ+-Reisesicherheit 2026“ wurde zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 durchgeführt. Neben den Ergebnissen einer ersten Erhebung aus dem Jahr 2025 flossen Interviews mit Fachleuten aus dem LGBTIQ+-Tourismus und erfahrenen Reisenden ein. Insgesamt gaben 69 Experten Einschätzungen zu 28 Ländern ab. Zusammen mit der ersten Erhebung liegen damit Bewertungen für insgesamt 46 Länder und Territorien vor. Die Studie ist ausdrücklich nicht als Rangliste der Länder angelegt. Vielmehr geht es um Erfahrungen und Wahrnehmungen queerer Reisender. Damit soll die Untersuchung bestehende Bewertungssysteme ergänzen, die vor allem gesetzliche Regelungen und rechtliche Rahmenbedingungen betrachten.

Sicherheit ist Teil der Reiseplanung

Für LGBTIQ+-Reisende spielt die Frage nach Sicherheit und Akzeptanz offenbar eine immer größere Rolle bei der Auswahl des Urlaubsziels. Neben Kosten, Infrastruktur und touristischem Angebot rücken demnach gesellschaftliche Akzeptanz, Sichtbarkeit und die persönliche Sicherheit stärker in den Vordergrund. Das betrifft nicht nur klassische Urlaubsreisen. Auch für die sogenannte MICE-Branche – also Kongresse, Incentives und Geschäftsreisen – können solche Faktoren entscheidend sein. Eine Destination muss aus Sicht der Veranstalter zunehmend auch daran gemessen werden, ob sich sämtliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer dort sicher und akzeptiert fühlen. Dabei unterscheiden sich die Erfahrungen innerhalb der LGBTIQ+-Community.

Kanada und Niederlande 

Bei der gesellschaftlichen Akzeptanz erreichen Kanada und die Niederlande die besten Bewertungen. Die Befragten berichten dort überwiegend von einem respektvollen Umgang mit LGBTIQ+-Menschen. Auch öffentliche Zuneigungsbekundungen werden vergleichsweise positiv eingeschätzt. Gleiches gilt für den Umgang mit Behörden. Spanien und Österreich schneiden ebenfalls gut ab. Beide Länder werden weiterhin als etablierte und LGBTIQ+-freundliche Reiseziele wahrgenommen. Die Untersuchung zeigt allerdings zugleich, dass selbst Länder mit einem hohen Grad an rechtlicher Gleichstellung nicht überall gleich wahrgenommen werden. Entscheidend kann demnach sein, in welcher Region oder an welchem konkreten Ort sich Urlauber aufhalten.

USA verlieren an Zustimmung

Die stärkste Veränderung gegenüber der Untersuchung von 2025 zeigt sich in den USA. Mehrere zentrale Werte zur wahrgenommenen Sicherheit und Akzeptanz gingen innerhalb eines Jahres deutlich zurück. So sank der Anteil der Befragten, die der Ansicht sind, dass LGBTIQ+-Personen in den USA respektvoll behandelt werden, von 35 auf 17 Prozent. Noch deutlicher fiel die Bewertung des respektvollen Umgangs durch die Polizei aus: Hier ging der Wert von 39 auf 17 Prozent zurück. Auch beim Vertrauen in die Möglichkeit, Diskriminierung oder Hasskriminalität sicher zu melden, zeigte sich eine Verschlechterung. Die Zustimmung fiel von 52 auf 33 Prozent.

Ein anderes Bild ergibt sich bei den LGBTIQ+-Safe-Spaces. Die Zustimmung zur Aussage, dass es eine aktive und zugängliche LGBTIQ+-Szene gibt, stieg von 61 auf 83 Prozent. Damit ergibt sich für die USA ein widersprüchliches Bild. Einerseits hat sich die allgemeine Wahrnehmung von Akzeptanz und Sicherheit verschlechtert. Andererseits werden urbane Zentren und etablierte queere Communitys weiterhin als wichtige Schutz- und Rückzugsräume wahrgenommen. 

Deutschlands Stadt-Land-Gefälle

Auch Deutschland wird nicht einheitlich bewertet. Vor allem Städte werden von den Befragten vielfach als offen und sicher beschrieben. Gleichzeitig verweisen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf konservativ geprägte Regionen, in denen LGBTIQ+-Menschen mit größeren Vorbehalten rechnen müssten. Der Anteil der Befragten, die in Deutschland Regionen mit erhöhtem Risiko sehen, ist gegenüber dem Vorjahr von 65 auf 71 Prozent gestiegen. Die Ergebnisse deuten damit auf ein Stadt-Land-Gefälle bei der wahrgenommenen Akzeptanz hin.

Die neusten Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) von heute zeigen dabei außerdem: Im Jahr 2025 stieg in Deutschland die Zahl der mehrtätigen Inlandsreisen 2025 um 3,9 Prozent gegenüber 2024 auf 169 Millionen an. Die Zahl der Auslandsreisen nahm hingegen ab: 105 Millionen Reisen im Jahr 2025 bedeuteten hier ein Minus von 8,3 Prozent binnen eines Jahres. Insgesamt haben Urlauber aus Deutschland letztes Jahr 274 Millionen Privat- und Geschäftsreisen mit mindestens einer Übernachtung unternommen. Die beliebtesten Ziele für Reisen ins Ausland im Jahr 2025 waren Italien (12,4% aller Auslandsreisen), Österreich (11,1%), Spanien (10,9%), Frankreich (8,3%) und die Niederlande (7,7%). 

Digitale Angebote im Urlaub 

Nicht nur im öffentlichen Raum sehen die Befragten Sicherheitsfragen. Die ergänzenden Interviews machen deutlich, dass auch der digitale Raum zunehmend eine Rolle spielt. Dating-Apps und soziale Netzwerke können demnach von Tätern gezielt genutzt werden, um vor allem schwule Männer zu täuschen oder anzugreifen. Solche Erfahrungen beschränken sich laut den Interviews nicht auf bestimmte Regionen außerhalb Europas, sondern können auch in europäischen Ländern auftreten. Für homosexuelle Reisende bedeutet das, dass Sicherheitsfragen nicht mit der Einschätzung eines Hotels, einer Stadt oder eines öffentlichen Ortes enden. Auch digitale Kontakte während einer Reise können Risiken bergen.

Globale Veränderungen

Parallel zur Studie hat A3M Global Monitoring die „LGBTQ+ Risk Map 2026“ veröffentlicht. Sie soll einen Überblick über die weltweite Entwicklung bei Sicherheit, Akzeptanz und Risiken für queere Reisende geben. Positive Entwicklungen werden unter anderem für Kanada, die Niederlande, Österreich, China und Kolumbien ausgewiesen. Verschärfte Einschränkungen verzeichnet die Risk Map dagegen in Niger, Senegal, Burkina Faso, Kasachstan und Belarus. Mit der jährlichen Untersuchung wollen ITB Berlin und A3M Global Monitoring eine kontinuierliche Datengrundlage schaffen. Sie soll sowohl Reisenden als auch Unternehmen der Tourismus- und Veranstaltungsbranche dabei helfen, Sicherheits- und Akzeptanzfragen bei der Auswahl von Destinationen stärker zu berücksichtigen.

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