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Mord an schwulem Dolmetscher

Mord an schwulem Dolmetscher Mögliche homophobe Motive bei jungem Tatverdächtigen

ms - 26.06.2026 - 10:30 Uhr
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Nach dem Tod eines 60-jährigen schwulen Mannes und bekannten Dolmetschers in Mailand ist jetzt ein 19-Jähriger Heranwachsender festgenommen worden. Der international sehr erfolgreiche Sprachexperte Roberto Pietro Guerrino wurde am 14. Juni tot in seiner Wohnung im Stadtteil NoLo aufgefunden. Sein Tod sorgte für viel Fassungslosigkeit in Italien sowie in der internationalen Politik. 

Das Wichtigste im Überblick

  • 60-jähriger Dolmetscher in Mailand tot in Wohnung aufgefunden.
  • 19-Jähriger wegen Mordverdachts festgenommen und inhaftiert.
  • Verdächtiger soll Tat gestanden, später teilweise relativiert haben.
  • Ermittler sprechen von schwerer Gewalt und Raub nach der Tat.
  • Auch mögliche homophobe Motive werden thematisiert.

Mord mit Buddha-Statue 

Der 19-Jährige mit Vorstrafen wegen Raub, Misshandlung und Körperverletzung wurde festgenommen und befindet sich in der Haftanstalt San Vittore. Er soll die Tat eingeräumt haben. Dabei sagte er laut Ermittlungsakten: „Ich brauchte Geld, deshalb habe ich auf seine Anzeige geantwortet. Ich habe ihn zuerst mit bloßen Händen und dann mit der Buddha-Statue geschlagen.“ Der Verdächtige habe seine Aussage später relativiert und erklärt, er habe nicht die Absicht gehabt, das Opfer zu töten. Zudem sagte er laut Vernehmung: „Ich bereue es jeden Tag.“ Er habe außerdem angegeben, dass das Opfer beim Verlassen der Wohnung noch am Leben gewesen sei.

Rekonstruktion der Tat

Nach Angaben der Ermittler ereignete sich die Tat zwischen 19.30 und 20.30 Uhr am Freitag, dem 13. Juni, nach einem über eine schwule Dating-App vereinbarten Treffen. Der 19-Jährige soll das Opfer mit mehr als zehn Schlägen auf Kopf und Gesicht attackiert haben. Dabei habe er Buddha-Statuen verwendet, die das Opfer sammelte. Diese seien blutverschmiert neben der Leiche gefunden worden. Im Anschluss habe der Täter persönliche Gegenstände entwendet, darunter Handy, Tablet, Computer, Geld und Dokumente. Er habe die Wohnung mit Blutspuren an Händen und Armen verlassen. Die Rekonstruktion der Polizei spricht somit eher gegen die Behauptung des jungen Mannes, sein Opfer sei nach der Tat noch am Leben beziehungsweise sichtbar bei Bewusstsein gewesen. Nachdem sich Guerrino nicht wie sonst üblich jeden Tag telefonisch bei seinem befreundeten Ex-Partner meldete, alarmierte dieser schließlich die Polizei, die den teilweise nackten Leichnam des 60-Jährigen in mehreren großen Blutlachen tot am Wohnzimmerboden seiner Wohnung vorfand.  

Ermittlungen und Fluchtversuch

Für die Ermittlungen waren Videoaufnahmen aus der Umgebung, aus benachbarten Gebäuden und aus öffentlichen Verkehrsmitteln entscheidend. Sie ermöglichten die Rekonstruktion der Bewegungen des 19-Jährigen nach der Tat. Bereits einen Tag nach der Tat sei er geflüchtet und habe sich in die Provinz Messina in einer Autoverwertung aufgehalten und versteckt. Dort sei er allerdings kurz darauf vom Betreiber entdeckt und von der Polizei verwiesen worden. Anschließend sei er nach Mailand zurückgekehrt.

In dieser Woche nun wurde er am Bahnhof Melzo festgenommen, als er laut Ermittlern erneut fliehen wollte. Auch die Sicherstellung eines gestohlenen Tablets spielte eine Rolle. Dieses war an die Freundin des Verdächtigen weitergegeben worden und wurde bei ihr gefunden. Zudem hat das forensische Institut (RIS) einen Handflächenabdruck des 19-Jährigen am Tatort festgestellt, im Bereich der verwendeten Statue. Die Auswertung des WLAN-Routers habe außerdem ergeben, dass sich alle Geräte des Opfers am 13. Juni um 20.30 Uhr vom Netz getrennt hätten.

Die Rolle eines 17-Jährigen wird vom Jugendgericht geprüft. Überwachungskameras zeigen ihn am Tag der Tat gemeinsam mit dem 19-Jährigen in der Nähe des Gebäudes in der Via Oxilia. Nach bisherigen Erkenntnissen sei er jedoch nicht in das Gebäude gegangen. Ob und inwieweit er möglicherweise in die Vorbereitung oder Planung der Tat involfiert war, wird von den Ermittlern derzeit geprüft, solange befindet sich der Minderjährige auf freiem Fuß. 

Homophobes Tatmotiv 

Die Aussage des Verdächtigen, er habe auf die Anzeige nur wegen Geldnot reagiert, ist ebenso Gegenstand weiterer Ermittlungen. Die Polizei geht von einem möglicherweise homophoben Tatmotiv aus. Der 19-Jährige hatte demnach abwertend in der Vernehmung angegeben, dass er sexuell nicht an Männern interessiert sei. Laut Darstellung des polizeilichen Berichts habe er daher beim Treffen mit dem Opfer wahrscheinlich überreagiert. Im Zusammenhang mit dem Fall wird auch auf die schwule Organisation Arcigay verwiesen. Demnach werden Dating-Apps zunehmend für kriminelle Zwecke genutzt. Dokumentiert seien mindestens 14 Fälle von Angriffen, Raub, Erpressung und Bedrohung gegen schwule Männer. Arcigay-Präsident Gabriele Piazzoni sagte: „Die Dating-App ist zu einem Jagdgebiet für Personen geworden, die Hass, Homophobie und kriminelle Opportunität verbinden.“ Und das mit teils tödlichen Folgen, wie der tragische Fall von Guerrino bestätigt. Der Dolmetscher lebte offen schwul. Als international anerkannter Simultan- und Konsekutivdolmetscher arbeitete er für zahlreiche führende Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft, darunter König Charles III., Ex-US-Präsident Bill Clinton oder Henry Kissinger. 

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