Direkt zum Inhalt

Menschenrechtsverfahren Ungarn Italiens Regierungschefin Meloni stellt sich nicht gegen Ungarns homophobes Gesetz

Von ms - 01.03.2023 - 14:00 Uhr
Menschenrechtsverfahren Ungarn
Foto: IMAGO / ZUMA Press
ANZEIGE
Loading audio player...

In der Europäischen Union trennt sich derzeit die Spreu vom Weizen – welche Länder unterstützen die EU-Klage gegen das Anti-Homosexuellen-Gesetz in Ungarn, welche nicht? Im Jahr 2021 hatten sich noch zwanzig EU-Staaten klar aber unverbindlich gegen das Gesetz von Ministerpräsident Victor Orbán ausgesprochen, das die Thematisierung von Homosexualität in Medien sowie in den Schulen weitestgehend verbietet. Noch gut dreieinhalb Wochen können sich die EU-Mitgliedsstaaten dazu erklären, einige Länder wie die Niederlande, Dänemark oder Belgien haben ihre Unterstützung bereits offiziell bekundet, Deutschland schweigt bisher. Italien indes bekräftigte jetzt, dass sie die EU-Klage nicht unterstützen werden.

Aufwachen, liebe EU!

Für die Klage engagieren sich drei internationale LGBTI*-Organisationen, darunter auch Forbidden Colours. Direktor Remy Bonny zeigt sich enttäuscht über die Entscheidung Italiens und der neuen rechtspopulistischen Ministerpräsidentin Georgia Meloni: „Italien hat beschlossen, sich nicht an der EU-Klage gegen Ungarns Anti-LGBTIQ+-Gesetz zu beteiligen. Dies macht es deutlich: Die Regierung Meloni steht auf der Seite der antidemokratischen pro-russischen Kräfte. Ungarns Orbán ist ein trojanisches Pferd der Ideologie des Kremls. Aufwachen, liebe EU!“, so Bonny.

Knickt die EU erneut ein?

Ziel ist es dabei für die LGBTI*-Aktivisten auch, das größte Menschenrechtsverfahren in der Geschichte der EU einzuleiten und so ein starkes Signal gegen jedwede Art von homophoben und queer-feindlichen Gesetzen auszusenden. Zuletzt war die EU-Kommission anderweitig diesbezüglich eingeknickt und hatte die Ermittlungen bezüglich der “LGBT-freien Zonen“ in Polen erst im Januar dieses Jahres eingestellt – ein fatales Signal, das vielen homophoben Hardlinern in der EU neuen Aufwind gegeben haben dürfte. Umso wichtiger wäre jetzt ein klares und eindeutiges Statement der EU-Mitgliedsstaaten gegen Hass-Gesetze, die sich gegen Homosexuelle und queere Menschen in der Europäischen Union richten.

Das ungarische Anti-Homosexuellen-Gesetz ist dabei in vielen Aspekten deckungsgleich mit jenem aus Russland, das bereits seit 2013 existiert und erst Ende 2022 noch einmal verschärft worden war. „Der von der ungarischen Regierung begonnene Kreuzzug gegen LGBTQI+ Menschen muss aufhören. Dies ist ein noch nie dagewesener Angriff auf die Rechte von LGBTQI+, und die Mitgliedstaaten können ihm ein Ende setzen, indem sie sich mit der Kommission zusammenschließen", so Eszter Polgári, Direktorin des Rechtsprogramms Háttér-Gesellschaft, eine der drei LGBTI*-Organisationen, die die EU-Klage vorantreiben.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDWegen lockerer Maskenpflicht: Wie eine Lesben-Bar in einen "woken Shitstorm" gerietBR24Wasserzeichen in ChatGPT-Texten: Das sollten Sie beachtenDER STANDARDMareike Fallwickl: "Ein Frauenleben ist auch ohne Männer sehr erfüllt"DER SPIEGELFitness: Queere Körperideale - »Jetzt werde ich auch einer von denen«Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Pionier Donald Webster Cory

Vom Vorkämpfer zur Reizfigur

Ein neuer Dokumentarfilm beleuchtet Donald Webster Cory, der die frühe US-Schwulenbewegung prägte und später mit seinen Ansichten empörte.
Flucht vor Todesdrohungen

Aktivisten erreichen Spanien

Zwei schwule LGBTIQ+-Aktivisten aus Sierra Leone sind nach ihrer Flucht in Spanien angekommen. Sie berichten von massiven Todesdrohungen.
Trump verspottet Aktivisten

„Gays for Palestine“ im Visier

Donald Trump verspottet „Gays for Palestine“ und deutet an, queere Aktivisten würden von einer Reise in die Region nicht zurückkehren.
Trauer um Hélène Hazera

Ein Leben voller Kämpfe

Die französische Journalistin, trans* Aktivistin und Vorkämpferin der Community Hélène Hazera ist am Montag mit 74 Jahren gestorben.
Basler warnt vor Coming-Out

Homosexualität bleibt Tabuthema

Mario Basler hält ein Coming-Out im Profifußball weiterhin für kaum möglich und warnt vor massiven Anfeindungen gegen schwule Spieler.
Trauer um Mad Sandhu

Influencer in Indien erschossen

Der schwule Influencer Mad Sandhu ist in Indien auf offener Straße erschossen worden. Ermittler prüfen jetzt, ob der Angriff gezielt geplant war.
Kritik an Russland

LGBTIQ+-Betroffene ohne Urteil

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat fast 900 Beschwerden gegen Russland gestrichen, viele davon von LGBTIQ+-Personen.
Forderung nach Sexkaufverbot

Streit um das Nordische Modell

Bayerns Sozialministerin Scharf will Freier bestrafen – Fachverbände warnen dagegen vor mehr Illegalität und Gefahren für Sexarbeiter.
Warnung vor CSD-Angriffen

Verfassungsschutz betont Gefahren

Queerfeindliche Gewalt von rechts und Russlands Vorgehen alarmieren die deutschen Nachrichtendienste, so Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen.