Eine geplante Weihnachtsbeleuchtung im Stil von Harry Potter sorgt in der britischen Hauptstadt für Proteste. Mehr als 3.500 Menschen haben innerhalb eines Tages eine Petition unterzeichnet, die Londons Bürgermeister Sadiq Khan auffordert, die Installation auf der bekannten Einkaufsstraße Oxford Street zu verhindern. Hintergrund ist die anhaltende Kritik an der britischen Schriftstellerin J. K. Rowling und ihrem Engagement gegen bestimmte Rechte von trans* Menschen.
Das Wichtigste im Überblick
- Petition gegen Weihnachtsbeleuchtung: Mehr als 3.500 Menschen haben innerhalb von 24 Stunden einen Aufruf gegen die geplante Harry-Potter-Illumination auf Londons Oxford Street unterzeichnet.
- Kritik an J. K. Rowling: Aktivisten befürchten, dass die Werbung für die neue HBO-Serie der Autorin zusätzliche Einnahmen verschafft, die sie zur Unterstützung von Organisationen gegen trans* Rechte einsetzen könnte.
- Das Good Law Project fordert Sadiq Khan auf, seine öffentliche Unterstützung für trans* Menschen durch konkrete Maßnahmen zu bekräftigen.
- Laut Bürgermeisterbüro entscheiden nur die New West End Company und örtliche Unternehmen über die Weihnachtsbeleuchtung.
Forderungen von Aktivisten
Die Weihnachtsbeleuchtung soll für die kommende Harry-Potter-Fernsehserie des US-Senders HBO werben. Kritiker befürchten, dass die öffentliche Präsentation der erfolgreichen Buch- und Filmreihe der Autorin zusätzliche Einnahmen verschaffen könnte. Rowling hat angekündigt, ihr Vermögen zur Unterstützung von Initiativen einzusetzen, die sich gegen gewisse trans* Rechte engagieren. Unterstützt wird die Petition von der britischen Organisation Good Law Project, die sich mit juristischen Mitteln für gesellschaftliche und politische Anliegen einsetzt. Die Initiatoren verlangen, dass Khan die geplante Beleuchtung verhindert. Neben den möglichen finanziellen Auswirkungen kritisieren die Unterzeichner auch die gesellschaftliche Botschaft der geplanten Installation.
Eine groß angelegte Weihnachtsbeleuchtung, die Rowlings Werk feiert, könne dazu beitragen, dass sich trans* Menschen auf einer der bekanntesten Einkaufsstraßen Londons nicht willkommen fühlten, argumentieren die Initiatoren. Gerade während der Weihnachtszeit müsse die britische Hauptstadt ein Ort sein, an dem sich Menschen unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität sicher und akzeptiert fühlen könnten. Die Petition verweist dabei ausdrücklich auf frühere Aussagen von Bürgermeister Khan. Dieser hatte wiederholt betont, dass die Rechte von trans* Menschen Menschenrechte seien. Außerdem hatte er zugesichert, London zu einer sicheren und offenen Stadt für trans* Menschen zu machen. Ein Sprecher der Organisation kritisierte die geplante Weihnachtsbeleuchtung mit deutlichen Worten. „Wie kann Bürgermeister Khan trans* Londonern sagen, dass ‚diese Stadt auch euch gehört‘, während er gleichzeitig eine Weihnachtsbeleuchtung zulässt, die dazu beitragen wird, Organisationen gegen Transrechte zu finanzieren? Der Bürgermeister muss seinen Worten Taten folgen lassen.“
Reaktion des Bürgermeisterbüros
Die Forderung, die geplante Weihnachtsbeleuchtung zu verhindern, richtet sich unmittelbar an Londons Bürgermeister. Dessen Verwaltung betont allerdings, dass die Entscheidung über die Installation nicht in seiner direkten Zuständigkeit liegt. Ein Sprecher Khans erklärte: „Die Weihnachtsbeleuchtung auf der Oxford Street wird weder vom Bürgermeister noch von der Oxford Street Development Corporation organisiert. Die Angelegenheit liegt in der Verantwortung der New West End Company und der örtlichen Unternehmen.“ Die New West End Company vertritt wirtschaftliche Interessen von Unternehmen im Londoner West End, zu dem auch die Oxford Street gehört. Zugleich bekräftigte das Bürgermeisterbüro, dass Khan an seiner grundsätzlichen Unterstützung für transgeschlechtliche und nichtbinäre Menschen festhalte. Eine Zusage, sich für die Absage der Weihnachtsbeleuchtung einzusetzen, enthielt die Stellungnahme nicht.
Neue Harry-Potter-Serie
Die Auseinandersetzung um die Weihnachtsbeleuchtung ist Teil einer breiteren Debatte über die geplante Harry-Potter-Neuverfilmung von HBO. Queere Aktivisten fordern seit Monaten online, die Produktion zu boykottieren. Ungeachtet der Kontroversen um Rowling stößt die neue Harry-Potter-Serie allerdings bereits trotzdem vor ihrer Veröffentlichung im Dezember auf erhebliches Interesse. Der erste Trailer erreichte nach Angaben von Warner Bros. Discovery innerhalb von 48 Stunden mehr als 277 Millionen Aufrufe und wurde damit zum meistgesehenen Trailer in der Geschichte von HBO und HBO Max. Der bisherige Rekord wurde um mehr als das Doppelte übertroffen. Auch in den sozialen Medien existiert ein großes Interesse an der Neuauflage der Geschichte über den berühmten Zauberer.
Kritik an Rowling bleibt
Die britische Schriftstellerin J. K. Rowling, bekannt als Autorin der Harry-Potter-Reihe, setzt sich seit mehreren Jahren öffentlich für geschlechtsbezogene Frauenrechte ein. Sie vertritt die Auffassung, dass das biologische Geschlecht insbesondere bei Schutzräumen für Frauen, im Sport und bei rechtlichen Regelungen weiterhin eine entscheidende Rolle spielen müsse. Rowling kritisiert bestimmte Konzepte der Geschlechtsidentität und lehnt gesetzliche Regelungen ab, die ihrer Ansicht nach die Unterscheidung zwischen biologischem Geschlecht und Geschlechtsidentität aufheben. Zudem unterstützt sie finanziell und öffentlich Organisationen und juristische Initiativen, die entsprechende Positionen vertreten. Kritiker aus der LGBTIQ+-Bewegung werfen ihr vor, mit ihrem Engagement die Rechte und gesellschaftliche Anerkennung von trans* Menschen einzuschränken. Rowling selbst begründet ihre Haltung vor allem mit dem Schutz von Frauen und Mädchen und der Wahrung geschlechtsbezogener Rechte. Mit dem Start der neuen Serie dürfte die Kritik an der Britin erneut stark zunehmen und weitere Debatten auslösen.