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Gen Z altert schneller Warum junge Körper älter wirken

Von ms - 12.10.2026 - 11:30 Uhr
Gen Z altert schneller
Foto: AI GENERATED - FASH Medien
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Menschen jüngerer Generationen weisen offenbar häufiger Anzeichen einer beschleunigten biologischen Alterung auf als ihre Eltern und Großeltern. Darauf deutet eine neue Studie der Washington University School of Medicine in den USA hin. Besonders auffällig sind die Ergebnisse für Menschen, die in den 1990er-Jahren geboren wurden, also der jungen Gen-Z, die sich zu 22 Prozent als LGBTIQ+ definiert. Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei später geborenen Jahrgängen das biologische Alter zunehmend vom tatsächlichen Lebensalter abweicht.

Das Wichtigste im Überblick

  • Jüngere Generationen altern biologisch schneller: Eine Untersuchung mit Daten aus Großbritannien und den USA zeigt, dass die Differenz zwischen biologischem und tatsächlichem Alter bei später geborenen Jahrgängen größer ausfällt. 22 Prozent der Gen-Z identifizieren sich als LGBTIQ+. 
  • Lebensstil als möglicher Einflussfaktor: Forscher diskutieren unter anderem Übergewicht, Bewegungsmangel, Schlafprobleme und lange Bildschirmzeiten als mögliche Ursachen.
  • Zusammenhang mit Krebserkrankungen: Beschleunigtes biologisches Altern könnte außerdem mit einem erhöhten Risiko für bestimmte früh auftretende Krebsarten verbunden sein. 

Unterschiede zwischen Generationen

Die Ergebnisse könnten das bisherige Verständnis des Alterns verändern. Denn bislang gilt das Alter vor allem als eine Frage der vergangenen Lebensjahre. Die neue Untersuchung zeigt jedoch, dass körperliche Alterungsprozesse bei verschiedenen Generationen unterschiedlich weit fortgeschritten sein können. Die Generation Z, zu der üblicherweise die zwischen 1997 und 2012 Geborenen gezählt werden, rückt damit stärker in den Fokus der Altersforschung. Allerdings umfasst die untersuchte Gruppe der in den 1990er-Jahren Geborenen auch Menschen, die noch den Millennials zugerechnet werden. Die Studie erlaubt deshalb keine pauschale Aussage über sämtliche Angehörige der Generation Z.

Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler Daten von mehr als 150.000 Menschen aus der britischen UK Biobank aus. Zusätzlich analysierten sie Informationen von gut 10.000 Personen aus dem US-amerikanischen Forschungsprogramm All of Us. Dabei verglichen sie verschiedene Geburtsjahrgänge und untersuchten, wie stark das gemessene biologische Alter vom chronologischen Alter abwich. Bei den zwischen 1965 und 1974 Geborenen zeigte sich eine deutlich größere Differenz als bei Menschen der Jahrgänge 1950 bis 1954. Noch ausgeprägter fiel der Unterschied in den US-Daten aus. Dort wiesen Menschen, die zwischen 1990 und 1999 geboren wurden, eine wesentlich größere biologische Altersabweichung auf als Personen der Jahrgänge 1965 bis 1969.

Queer-affine Gen-Z

Die in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlichte Studie liefert damit Hinweise auf eine Entwicklung, die sich über mehrere Generationen erstreckt: Jüngere Geburtsjahrgänge zeigen bei bestimmten Messverfahren stärkere Anzeichen biologischer Alterung. Ob die Entwicklung langfristig auch für die jüngsten Angehörigen der Generation Z gilt, muss allerdings noch untersucht werden. Die Generation Z unterscheidet sich von früheren Generationen nicht nur durch ihre Lebensbedingungen, sondern auch durch den offeneren Umgang mit sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität. Nach einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos identifizieren sich in Deutschland 22 Prozent der Generation Z als LGBTIQ+. Damit liegt der Anteil deutlich über dem älterer Generationen. Unter den Millennials und den Angehörigen der Generation X betrug der Anteil jeweils zehn Prozent. Bei den Babyboomern waren es fünf Prozent.

Was bedeutet biologisches Altern?

Das chronologische Alter bezeichnet die Zeit, die seit der Geburt eines Menschen vergangen ist. Das biologische Alter beschreibt dagegen, wie weit bestimmte Alterungsprozesse im Körper fortgeschritten sind. Beide Werte müssen nicht übereinstimmen. Ein Mensch kann beispielsweise 30 Jahre alt sein, während bestimmte biologische Merkmale auf einen körperlichen Zustand hindeuten, der eher bei älteren Menschen vorkommt. Dabei altern nicht alle Organe gleich schnell. Herz, Leber und Gehirn können bei derselben Person unterschiedliche biologische Altersmerkmale aufweisen. Wie schnell der Körper altert, hängt von verschiedenen genetischen, körperlichen und äußeren Einflüssen ab. Das biologische Alter lässt sich deshalb auch nicht mit einem einzigen zuverlässigen Test bestimmen.

Forscher verwenden unterschiedliche Verfahren, darunter epigenetische Untersuchungen, die chemische Veränderungen an der DNA erfassen. Hinzu kommen Blutanalysen, Messungen der Telomerlänge sowie Untersuchungen körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit. Telomere sind Schutzstrukturen an den Enden der Chromosomen, deren Eigenschaften sich im Verlauf des Lebens verändern können. Die amerikanischen Wissenschaftler kombinierten mehrere Messverfahren, um die biologischen Alterungsprozesse der untersuchten Personen möglichst umfassend abzubilden.

Gründe für schnelleres Altern

Eine abschließende Erklärung für die beobachteten Unterschiede zwischen den Generationen gibt es bislang nicht. Forscher vermuten jedoch, dass veränderte Lebensbedingungen eine wichtige Rolle spielen könnten. Die Epidemiologin Tanwei Yuan vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg verweist insbesondere auf die Entwicklung von Übergewicht. „Jüngere Menschen sind oft schon früher und damit längere Zeit ihres Lebens adipös“, sagt Yuan. Adipositas kann zahlreiche Stoffwechselprozesse beeinflussen und wird mit verschiedenen chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht.

Hinzu kommen Veränderungen des Alltags. Viele junge Menschen verbringen einen großen Teil ihrer Zeit im Sitzen, etwa während der Ausbildung, bei der Arbeit oder vor digitalen Bildschirmen. Nach Einschätzung Yuans könnten auch Schlafprobleme eine Rolle spielen. Lange Bildschirmzeiten können die Schlafdauer und Schlafqualität beeinträchtigen. Ob diese Faktoren tatsächlich für die in der Studie festgestellten Generationenunterschiede verantwortlich sind und welchen Anteil sie jeweils haben, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt. Trotz vieler offener Fragen gehen Altersforscher davon aus, dass sich biologische Alterungsprozesse zumindest teilweise beeinflussen lassen.

Beeinflussung der Prozesse

Ron Jachimowicz, Oberarzt und Hämatoonkologe am Universitätsklinikum Köln sowie Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns, verweist auf die Bedeutung des Lebensstils. Früher sei angenommen worden, dass sich 75 bis 90 Prozent des biologischen Alters durch das eigene Verhalten beeinflussen ließen. Diese Einschätzung hält Jachimowicz für überzogen. „50 Prozent können wir beeinflussen, die anderen 50 Prozent sind genetisch vorgegeben“, sagt er. Als besonders wichtige Einflussfaktoren nennt der Mediziner regelmäßige körperliche Bewegung, ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf sowie den Verzicht auf Drogen und Alkohol. Auch soziale Kontakte seien für die Gesundheit von Bedeutung und sollten nicht unterschätzt werden. 

Die Frage nach dem biologischen Alter ist nicht nur für die allgemeine Gesundheitsvorsorge von Bedeutung. Die Wissenschaftler untersuchten auch, ob eine größere Abweichung zwischen biologischem und chronologischem Alter mit bestimmten Erkrankungen zusammenhängt. Dabei fanden sie Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für einige Krebsarten, die bereits vor dem 50. beziehungsweise 55. Lebensjahr auftreten können.

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