Schuluniformen gehören in Großbritannien für Millionen Kinder und Jugendliche zum Alltag. In der Pornografie werden entsprechende Kleidungsstücke jedoch auch als Teil sexueller Rollenspiele verwendet – gerade auch in der schwulen Community ist der „Schuljunge“ eine beliebte Fantasie. Zwei 15-jährige Schülerinnen aus England wollen diese Darstellungen künftig gesetzlich verbieten lassen. Ihre Initiative richtet sich grundsätzlich gegen Schuluniformen in pornografischen Inhalten – unabhängig davon, ob männliche oder weibliche Darsteller zu sehen sind.
Das Wichtigste im Überblick
- Verbot gefordert: Zwei 15-jährige Schülerinnen aus Bicester in England verlangen ein gesetzliches Verbot der Darstellung von Schuluniformen in pornografischen Inhalten.
- Auch schwule Pornografie betroffen: Die Forderung würde grundsätzlich auch Pornofilme mit männlichen Darstellern in Schuluniformen erfassen.
- Die Initiative sammelte bereits rund 27.000 Unterschriften. Zwei Parlamentsabgeordnete haben ihre Unterstützung zugesagt.
- Die Initiatorinnen fordern außerdem, diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die Jugendliche sexualisieren.
Pornografie mit Schuluniformen
Ein entsprechendes Verbot würde so auch schwule Pornofilme betreffen, in denen erwachsene Männer Schuluniformen tragen oder entsprechende Rollen verkörpern. Im Mittelpunkt der Forderung steht die Sorge, dass pornografische Darstellungen von Schuluniformen zur Sexualisierung tatsächlicher Schülerinnen und Schüler beitragen könnten. Die beiden 15-Jährigen Mädchen Aylin und Mae besuchen eine Schule im englischen Bicester in der Grafschaft Oxfordshire. Dort gehören sie dem „Little Feminist Book Club“ an, einer feministischen Schülergruppe.
Während einer Diskussion erfuhren die Jugendlichen von einer anderen Initiative, die den Verkauf von Schuluniformen in Sexshops unterbinden wollte. Den Schülern und Schülerinnen ging diese Forderung nicht weit genug. Sie beschlossen, sich grundsätzlich gegen entsprechende Darstellungen in pornografischen Produktionen einzusetzen. „Wir waren uns alle einig: Wir wollten einen Schritt weiter gehen“, sagte Aylin der Deutschen Welle (DW). „Wir wollen Schuluniformen komplett aus der Pornografie verbannen.“ Um politischen Druck aufzubauen, starteten die Jugendlichen eine Onlinepetition. Sie wollen erreichen, dass Schuluniformen grundsätzlich nicht mehr in pornografischen Inhalten dargestellt werden dürfen.
Verbot auch für Gay-Pornofilme
Die Forderung betrifft nicht ausschließlich pornografische Darstellungen von Frauen in Schuluniformen. Ein umfassendes Verbot würde ebenso Produktionen erfassen, in denen erwachsene männliche Darsteller entsprechende Kleidung tragen. Die Initiative unterscheidet deswegen auch bewusst bei ihrer Forderung nicht zwischen heterosexuellen und homosexuellen Darstellungen. Entscheidend ist für die Jugendlichen die Verwendung von Kleidung, die im Alltag mit dem Schulbesuch von Minderjährigen verbunden ist. Eine konkrete gesetzliche Ausgestaltung des geforderten Verbots liegt bislang nicht vor. Offen bleibt deshalb unter anderem, wie Schuluniformen rechtlich definiert und welche Darstellungen von einer möglichen Regelung erfasst würden.
Schuluniformen weit verbreitet
Zur Begründung ihrer Forderung verweisen die Initiatorinnen auf eine Untersuchung der Kinderrechtsorganisation Plan International aus dem Jahr 2018. Für die Erhebung wurden Mädchen und junge Frauen im Alter von 14 bis 21 Jahren befragt. 35 Prozent gaben an, beim Tragen einer Schuluniform bereits unerwünschte sexuelle Aufmerksamkeit erfahren zu haben. Im Vereinigten Königreich gehören Schuluniformen an nahezu allen Schulen zum Alltag.
Uniformen sollen unter anderem soziale und finanzielle Unterschiede zwischen Familien weniger sichtbar machen. Außerdem sollen sie das Gemeinschaftsgefühl stärken und Mobbing entgegenwirken. Auch in zahlreichen anderen Ländern sind Schuluniformen verbreitet. Für die Initiatorinnen liegt darin ein wesentlicher Unterschied zu gewöhnlichen Kostümen: Kinder und Jugendliche können sich dem Tragen ihrer Schulkleidung häufig nicht entziehen. Nach Auffassung der Schülerinnen sollten sie deshalb auch außerhalb des Unterrichts nicht befürchten müssen, wegen ihrer Uniform sexualisiert zu werden. Ihr Ziel ist eine verbindliche gesetzliche Regelung.
Debatte in der Gesellschaft
Die Initiative hat bereits über die Schule hinaus Aufmerksamkeit erhalten. Bis Ende letzter Woche hatten rund 27.000 Menschen die Onlinepetition unterschrieben. Ein Bericht der britischen Zeitung Times sorgte zusätzlich für öffentliche Aufmerksamkeit. Die Hoffnung ist groß, dass sich das britische Parlament mit ihrer Forderung beschäftigt, zwei Abgeordnete sollen bereits ihre Unterstützung zugesagt haben. Ob sich ihre weitreichende Forderung politisch tatsächlich durchsetzen lässt, bleibt abzuwarten. Mit der Petition haben die beiden Schülerinnen jedoch eine öffentliche Debatte über die Darstellung von Schuluniformen in der Erwachsenenpornografie und den Schutz Minderjähriger angestoßen.