Mehr Jobs für junge Queers?! Unattraktive Jobangebote stehen jungen LGBTI*-Berufseinsteigern gegenüber
Für junge LGBTI*-Menschen auf der Suche nach einem neuen Job oder einer Ausbildungsstelle ist die aktuelle Situation eigentlich eine Goldgrube – bedingt durch die Pandemie gibt es heute sehr viele offene Stellen und Ausbildungsangebote. Das einzige Problem dabei: Oftmals sind diese freien Plätze in jenen Berufszweigen vorzufinden, die mehrheitlich für junge queere Menschen uninteressant sind. So ist die Zahl der gemeldeten Bewerber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit abermals weiter zurückgegangen. Zwar sank auch die grundsätzliche Zahl der Angebote, wobei sich aber zeigte, dass in einzelnen Berufsbranchen über die Hälfte (52%) der betrieblichen Ausbildungsstellen unbesetzt ist. Dem gegenüber stehen 48 Prozent aller jungen Bewerber, die derzeit ohne Ausbildung dastehen.
Am meisten offene Stellen verzeichnen Berufe wie der Fleischer, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Fachkräfte für Postdienstleitungen sowie handwerkliche Dienstleistungsjobs im Bereich Restaurant und Hotel. Zudem fehlt es schlicht an ausreichend vielen Klempnern, Betonbauern, Bodenlegern und Gerüstbauern, so aktuelle Zahlen. Kritik gibt es dabei auch von Seiten der Jugendlichen – über 50 Prozent gibt an, dass der Staat in puncto Ausbildungsplatzsuche viel zu wenig mache. Dem stimmt auch jeder dritte junge Mensch auf der Suche nach einem Studienplatz zu.
Nebst den, gerade für queere Menschen oftmals als wenig attraktiv empfundenen freien Stellen im Handwerk und Dienstleistungsgewerbe, wird die Situation durch ein oftmals eher homophobes Verhalten in genau jenen Branchen noch erschwert, sodass ein offenes Leben als queerer Mensch in weite Ferne rückt. René Mertens vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) bestätigte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass zudem Berufseinsteiger beim Coming-out meist zögern: "Junge Menschen outen sich seltener. Sie haben Sorge vor Diskriminierung und davor, in ihrem Beruf schlechter gestellt zu werden." Im europäischen Gesamtdurchschnitt sind in Deutschland weniger Menschen im Job geoutet als in anderen Ländern Europas, im Schnitt verheimlichen rund 30 Prozent ihre Sexualität. Die Hälfte der Befragten einer Umfrage der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) zufolge hat auch bereits diskriminierende Erfahrungen im Job gemacht. Jeder fünfte LGBTI*-Mensch hat nach seinem Outing im Job zudem einen beruflichen Nachteil wahrgenommen.