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Mahnwache in Berlin Grüne bewachen 48 Stunden lang CSD-Gedenkort

Von ms - 09.10.2026 - 09:00 Uhr
Mahnwache in Berlin
Foto: IMAGO / Stefan Zeitz
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Mit einer mehrtägigen Mahnwache wollen Mitglieder der Grünen auf die wiederholten Beschädigungen des Gedenkorts für die Opfer des islamistischen Anschlags auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) reagieren. Von heute Abend um 18 Uhr bis einschließlich Sonntag soll die Regenbogenbank im Großen Tiergarten durchgehend von Menschen bewacht werden. Die Aktion soll zugleich ein öffentliches Signal gegen queerfeindliche Gewalt sein.

Das Wichtigste im Überblick

  • Dreitägige Mahnwache: Mitglieder der Grünen wollen von Freitagabend bis einschließlich Sonntag am CSD-Gedenkort im Berliner Tiergarten präsent sein.
  • Die Regenbogenbank und ein Gedenkbaum wurden seit Anfang September mehrfach beschädigt oder zerstört.
  • Ermittlungen laufen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen 18-Jährigen. Die Polizei geht derzeit von queerfeindlichen Tatmotiven aus.
  • Der Gedenkort erinnert an den islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD, bei dem eine Frau starb und 31 Menschen verletzt wurden.
  • Weitere Regenbogenbänke gefordert: Eine Online-Petition schlägt vor, nach jeder erneuten Beschädigung eine zusätzliche Bank im Tiergarten in Regenbogenfarben zu gestalten.

Zeichen gegen Hass

Hinter der Initiative stehen Parteimitglieder aus den Grünen-Kreisverbänden Pankow und Mitte sowie der Landesarbeitsgemeinschaft QueerGrün. Nach Angaben der Organisatoren soll die ständige Anwesenheit am Gedenkort dazu beitragen, weitere Angriffe zu verhindern. Die Beteiligten wollen damit nach eigenen Angaben „ein sichtbares Zeichen gegen den queerfeindlichen Hass zu setzen“. Der Terroranschlag habe „ganz Berlin und die gesamte queere Community erschüttert“, erklärten sie. Auch mehrere Politiker haben ihre Teilnahme an der Mahnwache angekündigt. Wie stark der Gedenkort in den vergangenen Wochen beschädigt wurde, lässt sich noch immer an der Regenbogenbank erkennen. Bei der jüngsten Attacke wurde das Sitzmöbel vollständig mit schwarzer Farbe besprüht. Mitarbeiter des Bezirks Mitte konnten einen großen Teil des Lacks inzwischen entfernen. Dennoch sind Rückstände geblieben. Zwischen den Holzbrettern befindet sich weiterhin schwarze Farbe, und auf den ursprünglich bunten Latten ist stellenweise ein dunkler Schleier sichtbar.

Zivilgesellschaft gefordert 

Für die Grünen zeigen die wiederholten Beschädigungen, dass die Feindseligkeit gegenüber queeren Menschen nicht mit dem ursprünglichen Terroranschlag endete. „Es ist erschreckend zu beobachten, dass der Hass auf queeres Leben offensichtlich aber weit über diesen einzelnen Anschlag hinausgeht“, heißt es weiter in der Mitteilung. Die Partei würdigte zugleich die Bemühungen des Bezirksamts Berlin-Mitte, die Schäden regelmäßig zu beseitigen. Dessen Einsatz sei „vorbildlich“. Allerdings werde deutlich, „dass es auch praktisches zivilgesellschaftliches Engagement braucht, um den Gedenkort zu schützen“.

Die Regenbogenbank wurde nach dem islamistischen Terroranschlag vom 25. Juli 2026 errichtet. Damals hatte der 21-jährige Attentäter Abdul Ballout einen Kleintransporter in den Großen Tiergarten gesteuert, wo sich zahlreiche Besucher des Christopher Street Days aufhielten. Der Mann fuhr mehrere Menschen an. Bei der Gewalttat wurde eine Frau getötet, 31 weitere Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Der Kleintransporter prallte schließlich mit großer Wucht gegen einen Baum. Anschließend setzte der Angreifer seine Attacke zu Fuß fort und griff weitere Passanten mit einer Machete an. Am folgenden Tag entdeckten Polizisten den 21-Jährigen in einer Gartenlaube in Berlin-Spandau. Beim Polizeieinsatz wurde der Attentäter erschossen.

Ahornbaum und Regenbogenbank 

Etwa zwei Wochen nach dem Anschlag ließ das Bezirksamt Mitte in der Nähe des Tatorts am Ahornsteig einen jungen Ahornbaum pflanzen. Daneben wurde eine Sitzbank in den Farben des Regenbogens aufgestellt. Mit dieser Gestaltung sollte ein Ort entstehen, an dem Menschen der Opfer gedenken und zugleich Hoffnung und Zusammenhalt ausdrücken können. Berlins Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne) erläuterte die Entscheidung gegenüber dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) mit den Worten: „Wir wollten keine offene Wunde klaffen lassen.“ Der neu gepflanzte Ahorn sollte nach ihren Worten „als Symbol des Lebens, der Stärke, der Beharrlichkeit“ stehen. Die Regenbogenbank ergänzte den Erinnerungsort um ein sichtbares Zeichen der LGBTIQ+-Community. Sie sollte Menschen zum Verweilen und Gedenken einladen und zugleich Selbstbewusstsein und gesellschaftlichen Zusammenhalt vermitteln.

Mehrere Angriffe seit Wochen

Doch seit Anfang September wurde der Gedenkort wiederholt zum Ziel von Sachbeschädigungen. Am 1. September zerstörten Unbekannte die Regenbogenbank nahezu vollständig. Bereits fünf Tage später wurde der eigens gepflanzte Gedenkbaum aus dem Boden gerissen. Weitere Angriffe folgten noch im selben Monat. Am 24. September wurden mehrere Holzlatten der Bank beschädigt. Vier Tage später stellten Mitarbeiter erneut Beschädigungen an einzelnen Brettern fest. Am 2. Oktober kam es schließlich zu der Farbattacke, deren Spuren bis heute sichtbar sind. Die Bank wurde dabei großflächig mit schwarzem Lack überzogen. Damit wurde die Bank seit Anfang September mehrfach beschädigt; hinzu kam die Zerstörung des Gedenkbaums. Nach jedem dieser Vorfälle kümmerte sich das Bezirksamt um die Wiederherstellung des Erinnerungsorts. Beschädigte Teile wurden repariert oder ersetzt, Verschmutzungen entfernt.

Queerfeindliche Hintergründe

Die wiederholten Sachbeschädigungen beschäftigen inzwischen auch die Ermittlungsbehörden. Wie die Berliner Polizei auf Anfrage des rbb bestätigte, ist der CSD-Gedenkort inzwischen Bestandteil der täglichen Streifenfahrten. Zu Einzelheiten der laufenden Ermittlungen äußern sich die Beamten aus einsatztaktischen Gründen nicht. Die Staatsanwaltschaft führt im Zusammenhang mit den Beschädigungen Ermittlungen gegen einen 18 Jahre alten Verdächtigen. Bislang wurden weder an der Regenbogenbank noch in ihrer unmittelbaren Umgebung Schriftzüge oder Bekennerschreiben entdeckt, die eindeutige Hinweise auf ein Tatmotiv liefern könnten. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand geht die Polizei jedoch davon aus, dass queerfeindliche Motive hinter den Sachbeschädigungen stehen.

Trotz der wiederholten Angriffe will das Bezirksamt an dem Erinnerungsort festhalten. „Unser Wille, die Bank immer wieder zu reparieren, ist ungebrochen“, sagte Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger. Die Vorfälle haben bei der Grünen-Politikerin allerdings auch grundsätzliche Fragen über den gesellschaftlichen Umgang miteinander ausgelöst. Sie schilderte, dass die Attacken ihr Verhältnis zu den Menschen in ihrem Bezirk belasteten. Besonders schwer wiege für sie, dass selbst ein Ort, der an den gewaltsamen Tod eines Menschen erinnert, nicht respektiert werde. „Was ist mit der Gesellschaft los, wenn nicht mal mehr ein Gedenkort, ein Ort, wo ein Mensch gestorben ist, heilig ist? Da habe ich das Gefühl, wir kämpfen wirklich eine Frage des gesellschaftlichen Grundkonsenses aus.“

Petition fordert mehr Regenbogenbänke

Neben den politischen Reaktionen gibt es inzwischen auch eine Initiative aus der Bevölkerung, die den wiederholten Zerstörungen etwas entgegensetzen will. Auf der Plattform Change.org wurde eine Petition für zusätzliche Regenbogenbänke im Berliner Tiergarten gestartet, bisher haben 120 Menschen unterschrieben. Der Vorschlag sieht vor, nach jeder erneuten Beschädigung des bestehenden Gedenkorts eine weitere Sitzbank im Park in den Farben des Regenbogens zu gestalten. Auf diese Weise soll die Zahl der Regenbogenbänke mit jedem Angriff wachsen. Dahinter steht die Botschaft, dass sich die queere Gemeinschaft durch Einschüchterung und Vandalismus nicht zurückdrängen lassen will. Jede zusätzliche Bank soll daran erinnern, dass Hass nicht das letzte Wort haben darf und am Ende die Liebe siegt.

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