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Bekennervideo CSD Anschlag Attentäter Abdul Ballout hatte IS-Kontakt in Syrien

Von ms - 16.09.2026 - 08:00 Uhr
Bekennervideo CSD Anschlag
Foto: IMAGO / SOPA Images
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Ein Bekennervideo des Berliner CSD-Attentäters Abdul Ballout ist nach Recherchen von WDR und Süddeutscher Zeitung offenbar an eine Kontaktperson mit Verbindungen zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien geschickt worden. Das Video war auf dem Mobiltelefon gespeichert, das Ermittler nach dem Anschlag in dem Fahrzeug des Mannes fanden. Darin leistet eine vermummte Person auf Arabisch den „Treueschwur“ auf den IS. Nach bisherigen Erkenntnissen soll die Aufnahme am Tag des Anschlags entstanden sein.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Berliner CSD-Attentäter Abdul Ballout nahm offenbar am Tag des Anschlags ein Bekennervideo auf.
  • Darin schwört der Vermummte auf Arabisch der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) die Treue.
  • Nach Erkenntnissen von WDR und Süddeutscher Zeitung soll Ballout das Video an eine britische Islamistin in Syrien geschickt haben.
  • Die Frau soll nach bisherigem Ermittlungsstand nicht in konkrete Anschlagspläne eingeweiht gewesen sein und Ballout nicht angeleitet haben.
  • Das Video sollte möglicherweise über einen Kontakt zur IS-Propaganda weiterverbreitet werden. Dazu kam es offenbar nicht.
  • Ballout war den deutschen Sicherheitsbehörden bereits bekannt und als „Gefährder“ sowie „Hochrisikoperson“ eingestuft worden.
  • Bei dem Anschlag im Berliner Tiergarten wurde eine Frau getötet, 30 weitere Menschen wurden verletzt.  
  • Die Polizei stellte bislang nur eines von mindestens drei Handys des Attentäters sicher. Auch die mutmaßliche Tatwaffe wurde bislang nicht gefunden.

Tatpläne in der Aufnahme

Die neuen Informationen werfen zugleich ein weiteres Licht auf die Kontakte des Attentäters vor der Tat. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen stand der 21-jährige Abdul Ballout in den Tagen vor dem Anschlag über sein Mobiltelefon mit einer britischen Islamistin in Syrien in Verbindung. Ob und in welchem Umfang diese Kontakte mit dem späteren Angriff zusammenhingen, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Das Bekennervideo soll keine konkreten Angaben über den geplanten Angriff enthalten haben. Anders als bei anderen islamistisch motivierten Anschlägen wurde die Aufnahme zudem nicht über bekannte Propagandakanäle des IS verbreitet. Deshalb war zunächst unklar, ob Ballout das Video überhaupt an andere Personen weitergegeben hatte.

Nach den nun bekannt gewordenen Ermittlungsergebnissen soll er es tatsächlich verschickt haben. Empfängerin soll eine bekannte Islamistin aus Großbritannien gewesen sein, die sich bereits als Jugendliche dem IS in Syrien angeschlossen hatte. Sicherheitsbehörden werteten nach den Recherchen auch die Kommunikation zwischen ihr und Ballout aus. Hinweise darauf, dass die Frau von konkreten Einzelheiten des geplanten Anschlags wusste, liegen demnach bislang nicht vor. Sie soll Abdul Ballout weder angeleitet noch ihm konkrete Vorgaben für die Tat gemacht haben. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft äußerte sich gegenüber WDR und Süddeutscher Zeitung weder zum Bekennervideo noch zu den Kontakten des Attentäters nach Syrien. Sie verwies auf die laufenden Ermittlungen.

Aufnahme sollte verbreitet werden

Die Sicherheitsbehörden gehen nach den Recherchen davon aus, dass die britische Islamistin das Video an einen Vertreter der IS-Propaganda weitergeben sollte. Von dort aus hätte die Aufnahme offenbar über die üblichen Kanäle der Terrororganisation verbreitet werden sollen. Dazu kam es offenbar nicht. Der betreffende Kontakt soll inzwischen tot sein. Deutschen Sicherheitsbehörden liegen demnach Informationen vor, wonach der Islamist bei Kriegshandlungen im Gazastreifen ums Leben gekommen sein soll. Sein Tod könnte erklären, weshalb das Video nach dem Anschlag in Berlin nicht über IS-Kanäle veröffentlicht wurde. Die mutmaßliche Empfängerin des Videos wurde in London als Tochter von Einwanderern aus Bangladesch geboren. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden radikalisierte sie sich bereits als Jugendliche. Im Dezember 2014 verließ sie im Alter von 15 Jahren Großbritannien und reiste nach Syrien. Dort schloss sie sich dem IS an. Nach dem bislang bekannten Stand der Ermittlungen hatte sie keine aktive Funktion bei der Planung des Anschlags von Abdul Ballout.

Attentäter im Fokus 

Der Anschlag ereignete sich am 25. Juli im Berliner Tiergarten. Abdul Ballout fuhr mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge, anschließend griff er mehrere Menschen mit einer Machete an. Eine Frau wurde getötet, 30 weitere Menschen wurden verletzt, einige davon schwer.  Einen Tag später wurde Ballout bei einem Polizeieinsatz erschossen. Er hatte sich in der Gartenlaube eines Angehörigen in Berlin-Spandau versteckt.

Der Mann war den Sicherheitsbehörden bereits vor dem Anschlag bekannt. Er hatte mehrere Monate in Untersuchungshaft verbracht. Zudem soll er zweimal vergeblich versucht haben, sich IS-Terroristen im Ausland anzuschließen. Zunächst habe er nach Mauretanien reisen wollen, später nach Syrien. Die Sicherheitsbehörden führten Ballout als „Gefährder“. Ein Analysetool des Bundeskriminalamtes stufte ihn bereits Wochen vor dem Anschlag als „Hochrisikoperson“ ein. Auch nach seiner Haftentlassung blieb er im Fokus der Behörden. Auch die technische Auswertung der Geräte von Abdul Ballout ist noch nicht abgeschlossen. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand verfügte er zuletzt über mindestens drei Mobiltelefone. Sicherstellen konnten die Ermittler bislang jedoch nur das Handy, das nach dem Anschlag in seinem Fahrzeug zurückblieb. Auch die mutmaßliche Tatwaffe fehlt weiterhin. 

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