Direkt zum Inhalt

Lügenbaron und Drag-Queen? Shootingstar der homophoben US-Hardliner soll als Drag-Queen unterwegs gewesen sein

Von ms - 23.01.2023 - 13:00 Uhr
Lügenbaron und Drag-Queen?
Foto: IMAGO / UPI Photo
ANZEIGE
Loading audio player...

Der Fall des gewählten republikanischen Abgeordneten George Santos (34) aus New York wird immer obskurer – inzwischen machen Bilder von ihm als Drag-Queen die Runde. Der Vorzeige-Republikaner, offiziell der erste homosexuelle Kongressabgeordnete der Partei, bestreitet die eindeutigen Bilder.

Lügen und gefälschte Lebensläufe

Mitglieder seiner eigenen Partei fordern von Santos inzwischen seinen Rücktritt, zu sehr hat sich der junge Politiker und einstige Shootingstar der homophoben Hardliner immer wieder in Widersprüche und Lügen verstrickt. Bereit kurz nach den Zwischenwahlen veröffentlichte die New York Times Ende Dezember  letzten Jahres einen Enthüllungsbericht, der offenlegte, dass Santos, Sohn brasilianischer Einwanderer, bei seinem Lebenslauf massiv gelogen haben soll. Weder besuchte er offenbar die angegebenen Colleges, noch arbeitete er anscheinend für namhafte Banken wie Goldman Sachs.

Des Weiteren soll Santos wohl auch bei seinem familiären sowie beruflichen Hintergrund mehrfach gelogen haben, sofern es ihm politisch von Nutzen erschien. Auch hatte er erklärt, beim Amoklauf im Gay-Club Pulse, bei dem 49 LGBTI*-Menschen ums Leben gekommen waren, vier enge Mitarbeiter seiner Firma verloren zu haben. Die Recherche der New York Times zeigte indes auf, keines der Opfer hatte jemals für eine Firma von Santos gearbeitet. Kriegs-Veteranen werfen ihm zudem vor, er habe Spendengelder gedacht für den Tierschutz veruntreut.

Politikum um Mehrheitsverhältnisse

Kurzum, nach Angaben der New York Times scheinen so ziemlich alle Angaben des Republikaners erfunden zu sein – mehrere Parteimitglieder fordern deswegen seit einigen Tagen seinen Rücktritt, wenngleich sich die Mehrheit noch immer bedeckt hält. Sollte Santos zurücktreten, käme es in seinem New Yorker Wahlkreis zu Neuwahlen und der Sitz im Repräsentantenhaus könnte dann an die Demokraten gehen, was die hauchdünnen Mehrheitsverhältnisse der Republikaner massiv gefährden würde.  

Der homophobe Hardliner als Drag-Queen

Für die LGBTI*-Community dürfte der Fall indes besonders amüsant in den USA sein, denn Santos gilt politisch trotz seiner eigenen Homosexualität als Hardliner. Immer wieder hat er schwulenfeindliche Gesetze unterstützt und sprach sich beispielsweise auch für das LGBTI*-Verbot an Floridas Schulen aus. Nun lacht die Community über die neusten Enthüllungen: Santos soll vor 15 Jahren als Drag-Queen an brasilianischen Schönheitswettbewerben zur “Miss Gay Rio de Janeiro“ mitgemacht haben. Mehrere Zeugenaussagen und Bilder sollen dies nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters eindeutig belegen. Auch sein Künstlername ist bekannt: Kitara Ravache.

Wie lange macht die Partei noch mit?

Wie schon bei den ersten Vorwürfen zu seinem gefälschten Lebenslauf und seinen undurchsichtigen Finanzgeschäften erklärte Santos jetzt einmal mehr, alle Behauptungen seien “kategorisch falsch“. Er wolle sich davon weder ablenken noch beirren lassen. Santos hat offensichtlich viel von seinem erklärten Vorbild Donald Trump gelernt – Fakten sind keine Fakten, solange man sie nicht anerkennt. Die Frage ist nur, wie lange die Republikanische Partei diesem Treiben noch zusieht.  

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDHomophobe Hassdelikte: Fast jeden Tag ein FallBerliner MorgenpostNach Razzia gegen queeres Gesundheitsprojekt: Demo in Berlin angekündigtSWRGrüner Sozialminister BW sorgt sich um Minderheiten: Hildenbrand will "Anwalt" der queeren Community seinFalterBlauland: Zum Jubiläum ein Regenbogen-HirschgeweihAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung
„Glee“-Stars kehren zurück

Diese Stars sind wieder dabei

Die Musicalserie „Glee“ bekommt eine Neuauflage bei Disney+ und Hulu. Die ersten Stars der Originalbesetzung haben jetzt ihre Rückkehr bestätigt.
Warnung von Édouard Louis

Krawalle erschüttern Frankreich

Nach gewaltsamen Ausschreitungen in Frankreich kritisiert Schriftsteller Édouard Louis die Regierung und fordert ein Verbot rechtsextremer Parteien.
Pläne für ESC 2028

Vorentscheid mit mehreren Sendern

ARD, RTL und ProSiebenSat.1 denken über einen gemeinsamen deutschen ESC-Vorentscheid nach. Eine Umsetzung wäre ab 2028 denkbar.
Angriff auf queeres Zentrum

LGBTIQ+-Banner in Cottbus zerstört

Erneut sind Regenbogenbanner an einem queeren Kulturzentrum in Cottbus beschädigt worden. Die Betreiber sprechen von Einschüchterung.
Haftstrafen nach Angriff

Homophobe Attacken mit Folgen

Nach einem brutalen homophoben Überfall auf einen schwulen 31-Jährigen Syrer in Mainz müssen zwei Landsleute für mehrere Jahre ins Gefängnis.
Heated Rivalry Look-a-Like

Doppelgänger auf Liebesurlaub

Erst gewannen sie als „Heated Rivalry“-Doppelgänger einen Wettbewerb, jetzt genießen Felix Eller und Aram Matagi romantische Tage in Kanada.
Wege aus der Sexspirale

Chemsex-Therapie zeigt Erfolge

Eine britische neue Studie zeigt ermutigende Ergebnisse: Gruppentherapie kann Männern helfen, Chemsex und zwanghaftes Sexualverhalten zu verändern.