Bei der großen britischen LGBTIQ+-Preisverleihung in London sind gestern Abend zahlreiche Persönlichkeiten aus Mode, Musik, Film und Fernsehen für ihre künstlerischen Leistungen und ihr Engagement für die LGBTIQ+-Community geehrt worden. Zu den bekanntesten Preisträgern gehörten die italienische Modedesignerin Donatella Versace, das britische Popduo Pet Shop Boys und der kanadische Countrysänger Orville Peck.
Das Wichtigste im Überblick
- Zwölf Auszeichnungen vergeben: Bei der Gala im Londoner Roundhouse wurden gestern Persönlichkeiten und Organisationen aus Kultur, Unterhaltung und LGBTIQ+-Engagement geehrt.
- Donatella Versace erhielt den Icon Award für ihre Karriere und ihre langjährige Verbundenheit mit der LGBTIQ+-Community.
- Die Pet Shop Boys wurden für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, die Sugababes erhielten den Musikpreis.
- David Furnish wurde für seine Arbeit im Kampf gegen HIV und Aids geehrt, das Dru Project für die Unterstützung junger LGBTIQ+-Menschen.
- Zu den weiteren Preisträgern gehören Orville Peck, Michael Johnston, Juno Dawson, Suzi Ruffell, Jordan Stephens und Alison Hammond.
- Die britische Dramaserie „Tip Toe“ von Russell T Davies erhielt eine Auszeichnung für ihre Auseinandersetzung mit Queerfeindlichkeit und Radikalisierung.
Zwölf Preise aus der Community
Die Virgin Atlantic Attitude Awards fanden in diesem Jahr zum 15. Mal statt. Veranstaltungsort war das Roundhouse in der britischen Hauptstadt. Insgesamt wurden zwölf Preise vergeben. Neben international bekannten Künstlern erhielten auch Schriftsteller, Comedians, Schauspieler und gemeinnützige Organisationen Auszeichnungen. Im Mittelpunkt standen sowohl kulturelle Leistungen als auch der Einsatz für gesellschaftliche Akzeptanz, Gleichberechtigung und die Rechte queerer Menschen.
Eine der prominentesten Ehrungen des Abends ging an Donatella Versace (71). Die italienische Designerin erhielt den Icon Award für ihre jahrzehntelange Karriere in der internationalen Modebranche und ihre Verbundenheit mit der LGBTIQ+-Community. Versace prägte über Jahrzehnte die kreative Ausrichtung des gleichnamigen Modehauses. Nach ihrer langjährigen Tätigkeit als Kreativchefin gab sie diesen Posten 2025 auf und wechselte in die Funktion der Markenbotschafterin. Neben ihrer Arbeit in der Modeindustrie engagiert sich Versace seit langem für homosexuelle und queere Menschen.
Der kanadische Filmproduzent und Manager David Furnish (63) erhielt den Gamechanger Award. Mit dem Preis wurde sein jahrzehntelanges Engagement in der Unterhaltungsbranche sowie für die Rechte und die Gesundheit homosexueller Menschen gewürdigt. Furnish ist nicht nur als Ehemann und Manager von Elton John bekannt, sondern auch durch seine Arbeit für die Elton John AIDS Foundation. Die Stiftung unterstützt weltweit Projekte zur Bekämpfung von HIV und Aids. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung des Zugangs zu HIV-Tests, medizinischen Behandlungen und Präventionsangeboten.
Preise für Film und Comedy
Der Film Award ging an den Schauspieler Michael Johnston (30), dessen Karriere durch den Erfolg des Horrorfilms „Obsession“ erheblich an Aufmerksamkeit gewonnen hat. Der kommerzielle Erfolg rückte Johnston verstärkt in den Fokus der internationalen Filmindustrie und eröffnete ihm neue berufliche Möglichkeiten. Der offen schwule Schauspieler arbeitet derzeit in Großbritannien an der vierten Folge der Filmreihe „Die Mumie“. Johnston sprach zudem über seine Kindheit in einem baptistisch geprägten Umfeld im Süden der Vereinigten Staaten. Dabei berichtete er von Schwierigkeiten, seine eigene Sexualität zu akzeptieren. Vor diesem Hintergrund misst er der Sichtbarkeit homosexueller Menschen in Film und Fernsehen besondere Bedeutung bei.
Mit dem Comedy Award wurde die britische Komikerin Suzi Ruffell (40) ausgezeichnet. Gewürdigt wurde ihre langjährige Karriere als Stand-up-Comedian und ihre Rolle innerhalb der queeren Unterhaltungskultur. Ruffell begann 2008 mit Stand-up-Auftritten. Seither absolvierte sie zahlreiche ausverkaufte Shows und war dreimal in der britischen Fernsehsendung „Live at the Apollo“ zu sehen. Darüber hinaus erreicht sie ein breites Publikum mit ihrem Podcast „Out with Suzi Ruffell“, in dem sie sich mit queeren Lebensrealitäten und persönlichen Erfahrungen beschäftigt. Über die Auszeichnung sagte sie: „Ich freue mich unglaublich. Die jüngere Suz wäre überglücklich. Vor allem darüber, mit so vielen queeren Menschen in einem Raum zu sein. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal so wohl in meiner eigenen Haut fühlen würde.“
Allys und besonderes Engagement
Der britische Musiker, Schriftsteller und Aktivist Jordan Stephens (34) erhielt den Ally Award. Damit wurde sein langjähriges Engagement als Verbündeter der LGBTIQ+-Community ausgezeichnet. Stephens wurde insbesondere als Mitglied des Hip-Hop-Duos Rizzle Kicks bekannt. Neben seiner musikalischen Karriere beschäftigt er sich mit gesellschaftlichen Fragen und der Bedeutung von Vielfalt und Akzeptanz. Die britische Fernsehmoderatorin Alison Hammond (519 wurde mit dem Honorary Gay Award ausgezeichnet. Der Ehrenpreis würdigt ihre langjährige Verbindung zur LGBTIQ+-Community und die gegenseitige Wertschätzung.
Der Culture Award ging dann an die britische trans* Schriftstellerin und Drehbuchautorin Juno Dawson (45). Die Auszeichnung würdigt ihren mehr als zehnjährigen Einfluss auf die LGBTIQ+-Literatur und die Populärkultur. Dawson veröffentlichte sowohl Romane als auch Sachbücher für Jugendliche und Erwachsene. Zu ihren Projekten gehören auch Geschichten für die britische Science-Fiction-Serie „Doctor Who“. Eine besonders bewegende Auszeichnung erhielt die gemeinnützige Organisation The Dru Project. Sie wurde mit dem Inspiration Award für ihre zehnjährige Arbeit zur Unterstützung junger LGBTIQ+-Menschen geehrt. Die Organisation entstand nach dem Anschlag auf den Nachtclub Pulse in Orlando im Jahr 2016. Bei dem Angriff wurden 49 Menschen ermordet.
Sugababes und Pet Shop Boys
Der Music Award ging an die britische Girlgroup Sugababes. Ausgezeichnet wurde die ursprüngliche Besetzung mit Mutya Buena (41), Keisha Buchanan (42) und Siobhán Donaghy (42). Die drei Sängerinnen hatten sich nach Jahren getrennter musikalischer Wege wieder zusammengeschlossen. Vorausgegangen waren langwierige juristische Auseinandersetzungen um die Rechte am Namen der Gruppe. Neben ihrer musikalischen Karriere engagieren sich die Sängerinnen für die LGBTIQ+-Community.
Eine der bedeutendsten musikalischen Auszeichnungen des Abends erhielten die Pet Shop Boys. Das britische Duo wurde mit dem Legend Award geehrt. Neil Tennant (72) und Chris Lowe (67) lernten sich 1981 kennen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelten sie einen unverwechselbaren Stil, der elektronische Tanzmusik mit eingängigen Popmelodien und gesellschaftlichen Themen verbindet. Ihr jüngstes Vorhaben widmet sich dem britischen schwulen Mathematiker Alan Turing. Ein neues Musical soll dessen Leben und wissenschaftliche Leistungen beleuchten.
TipToe und Orville Peck
Der Television Award ging an die fünfteilige britische Dramaserie Tip Toe von Drehbuchautor Russell T Davies (63). Die für Channel 4 produzierte Serie behandelt die Sicherheit homosexueller und queerer Menschen, Radikalisierung im Internet und die gesellschaftlichen Folgen wachsender Vorurteile. Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen zwei Nachbarn. Der Schauspieler Alan Cumming (61) verkörpert Leo, den homosexuellen Besitzer einer Bar. David Morrissey (62) spielt dessen homophoben Nachbarn Clive. Mit der Auszeichnung wird insbesondere die gesellschaftliche Relevanz der behandelten Themen gewürdigt.
Der kanadische Countrysänger Orville Peck (38) wurde mit dem Titel „Man of the Year“ ausgezeichnet. Peck ist für seine markante Stimme, seine aufwendige Bühnenästhetik und seine charakteristischen Masken bekannt. In seiner Musik verbindet er traditionelle Countryelemente mit persönlichen Geschichten und einer offen schwulen Identität. Sein jüngstes Album „Mule“ verarbeitet eine besonders schwierige Phase seines Lebens. Der Sänger berichtete, dass er in einem entscheidenden Jahr mit erheblichen persönlichen Problemen zu kämpfen hatte. Rückblickend beschrieb er diese Lebensphase als einen Zeitraum, in dem er „eine Weile den Verstand verlor“ und sein „Leben zusammenbrach“. Neben der Verarbeitung persönlicher Erfahrungen setzt sich Peck weiterhin mit der Stellung homosexueller Künstler innerhalb der Countrymusik auseinander. Angesichts des gegenwärtigen gesellschaftlichen Klimas wolle er in der Countrymusik sogar „noch verdammt viel schwuler“ sein, erklärte der Sänger.