Direkt zum Inhalt
Wiener Festwochen sagen Peter-Thiel-Abend ab

Künstler ziehen sich zurück Wiener Festwochen sagen umstrittenen Peter-Thiel-Abend ab

mr - 01.06.2026 - 19:30 Uhr
Loading audio player...

Die Wiener Festwochen haben den angekündigten Diskussionsabend mit dem umstrittenen US-amerikanischen Tech-Milliardär Peter Thiel am 7. Juni abgesagt – eine Entscheidung, die das Festival wegen zahlreicher künstlerischer Absagen und öffentlicher Kritik treffen musste.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Der ursprünglich für den 7. Juni geplante Diskussionsabend mit Peter Thiel wurde am 30. Mai 2026 von der Festivalleitung abgesagt.
  • Die Absage erfolgte nach Gesprächsrunden im Rat der Republik der Festwochen und einem externen Beratungsgremium, das die Veranstaltung kritisiert hatte.
  • Intendant Milo Rau verwies auf seine Verantwortung für das Gesamtprogramm und sprach von einem Programmteil, der trotz seiner thematischen Kohärenz letztlich nicht realisiert werde.
  • Voraussetzung für die Entscheidung waren zahlreiche Rückzüge von Künstlerinnen und Künstlern, die in ihrer Gesamtheit das Festivalprogramm "in einem untragbaren Umfang" geschwächt hätten.

 

Gründe der Absage

Die Festivalleitung berief sich auf eine Analyse durch das Beratungsgremium, bestehend aus Natasha Tripney, Monika Mokre und Matthias Pees, die ausdrücklich empfahlen, die Veranstaltung trotz polemischer Inhalte nicht "um jeden Preis" durchzuziehen. Besonders belastend war der Umstand, dass sich immer mehr Künstlerinnen und Künstlern von dem Programm distanzierten.

Intendant Milo Rau erklärte, er habe den Diskussionsabend mit Thiel als "extrem spannend" und programmatisch passend betrachtet, doch letztlich widerspreche das Festhalten an der Veranstaltung dem Respekt gegenüber dem restlichen künstlerischen Ensemble.

 

Hintergrund zum Festival

Die Wiener Festwochen, die 2026 ihr 75-jähriges Bestehen feiern, verstehen sich traditionell als Provokationsbühne, die gesellschaftspolitisch relevante Akteure einlädt und Tabus bricht. Die Einladung des Thiels, der sich selbst als schwul und konservativ bezeichnet, war angesichts seiner Nähe zu rechtskonservativen Kreisen, seiner Unterstützung von Donald Trump und seiner Rolle als Ideologe mit apokalyptischer Weltsicht stark umstritten.

 

Nächste Schritte

Die Absage wirft die Frage auf, wie das Festival angesichts gesamtgesellschaftlicher Spannungen künftig kontroverse Positionen einbeziehen will, ohne das Programm oder die Teilnehmenden zu gefährden. Offen bleibt, ob künftige Diskussionsformate eher auf sichere Positionen setzen oder weiterhin polarisieren werden.

In der kommenden Programmsitzung dürften nun Alternativen zum abgesagten Format diskutiert werden – sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf die künstlerische Besetzung.

Die Entscheidung markiert einen bewussten Grenzgang zwischen Programminnovation und Programmverantwortung.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Suche nach Tätergruppe

Polizei prüft Hassmotiv

Ein bislang unbekannter Jugendlicher hat in Aschaffenburg eine aus einem Fenster hängende Regenbogenfahne mit der Aufschrift „Peace“ in Brand gesetzt.
Heated Rivalry als Musical

Parodie auf erfolgreichen Serienhit

Die Erfolgsserie „Heated Rivalry“ ist nicht nur im TV ein Hit: In New York feiert derzeit eine nicht autorisierte Musical-Parodie große Erfolge.
Aktivisten warnen vor Folgen

Zwei Veranstaltungen im Juni

Die diesjährige Ausrichtung von zwei Pride-Paraden in Neapel markiert eine tiefe Spaltung innerhalb der italienischen LGBTIQ+-Community.
Flirt eines Moralapredigers

Homophober Republikaner unter Druck

Ein republikanischer homophober Kongresskandidat ist wegen Sexting-Nachrichten und früherer umstrittener Aussagen in die Schlagzeilen geraten.
Kritik von Labour-Partei

Auch Pride-Flaggen verboten

Staffordshire County Council hat klargestellt, dass im Juni keine LGBTIQ+‑Pride‑Displays in den Bibliotheken des Landkreises präsentiert werden.
LGBTIQ+-Musikgeschichte

Hymnen der Community

Von Disco-Klassikern bis zu aktuellen Pop-Hits: Billboard hat erneut die 100 wichtigsten LGBTIQ+-Hymnen aller Zeiten zusammengestellt.
Verfahren wegen Beleidigung

Mehrere hundert Teilnehmende

Bei dem diesjährigen CSD in Emden ermittelt die Polizei wegen eines mutmaßlich rechtsextremen Vorfalls am Rande der Demonstration.