Direkt zum Inhalt
Kühnerts letzte Rede
ANZEIGE

Kühnerts letzte Rede Der SPD-Politiker betonte die Wichtigkeit politischer Überzeugungen - auch gegen die Mehrheitsmeinung

ms - 11.02.2025 - 14:20 Uhr
Loading audio player...

Ein letztes Mal vor der Bundestagswahl kam es heute zu einem großen Schlagabtausch in Berlin – besonders beeindruckte dabei als letzter Redner der ehemalige SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert (35), der sich im Oktober 2024 aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik zurückgezogen hatte und heute erstmals wieder und letztmals ans Rednerpult getreten war. Bei der Generaldebatte zur Zukunft Deutschlands betonte Kühnert, er spreche heute nicht als Wahlkämpfer, sondern als Sozialdemokrat, der Grundsätzliches betonen wolle. 

Richter Konflikt, falsche Argumente

Dabei betonte er die „Verantwortung vor unserer Geschichte“. Mit Blick auf die Entwicklungen der letzten zwei Wochen und der Zustimmung der AfD zum Unions-Entschließungsantrag sowie zu einem schlussendlich gescheiterten Gesetzentwurf zur Migration, sagte Kühnert: „Nein, Union und FDP sind keine Faschisten, auch nicht klammheimlich. Man stürmt keine Geschäftsstellen, man zerstört keine Plakate, man droht anderen Menschen nicht. Der richtige Konflikt darf nicht mit den falschen Argumenten ausgetragen werden.“

Große Sorgen mache ihm dabei die Stilverschiebung in der Debatte, so Kühnert weiter, der im Folgenden den Publizisten Michel Friedman zitierte, der unlängst aus der CDU ausgetreten war und der Partei mit dem jüngsten Verhalten eine „katastrophale Zensur“ sowie ein „unentschuldbares Machtspiel“ vorwarf. Friedman sagte außerdem, dass er als Jude nicht mehr in Deutschland leben könne, wenn man der AfD zu immer mehr Macht verhelfe. 

„Es gab Zeiten, da wäre anschließend in der CDU kein Stein auf dem anderen geblieben, heute wird der Störenfried angestrengt ignoriert“, so Kühnert. Merz habe dazu im Speziellen auch beim TV-Duell am vergangenen Sonntag geschwiegen beziehungsweise sei der Frage zweimal ausgewichen. „Die Opportunität sticht die Integrität. Im Ausland ist mir dieses Muster vertraut, in Deutschland bislang weniger“, so Kühnert. 

Überzeugungen verteidigen – auch gegen die Bevölkerung 

 Anschließend betonte der SPD-Politiker, dass Parteien zwar immer zuhören sollten, was die Bevölkerung denkt, gleichzeitig aber auch die Aufgabe hätten, einen „bundesrepublikanischen Grundkonsens“ zu verteidigen. Manchmal müsse man aus gemeinsamen Überzeugungen auch gegen die Mehrheitsmeinung argumentieren. Auch Konrad Adenauer hätte für seinen Abgrenzungskurs nicht immer Applaus bekommen, es sei ein „Akt innerer Überzeugung“ gewesen. Ebenso andere deutsche Politiker wie Willy Brandt, Helmut Kohl, Helmut Schmidt oder auch Richard von Weizsäcker hätten so gehandelt.

„Dabei hatten sie das Ohr am Volk, aber weil sie das Volk ernst nahmen, redeten sie ihm nicht nach dem Mund, sondern muteten ihm etwas zu. Sie rangen für ihre Überzeugungen und die Geschichte gab ihnen recht“, so Kühnert. Viele im Bundestag würden das Ringen um ihre Überzeugungen inzwischen aufgeben. „Ein Bundeskanzler, dessen Mund nur wiedergibt, was sein Ohr zuvor gehört hat, der ist nicht mehr als eine Echokammer auf zwei Beinen. Und Echokammern haben wir schon genug in unserer Gesellschaft. Schützen wir das, was wir lieben, schützen wir unsere Demokratie“, so Kühnerts letzte Worte im Bundestag unter lautstarkem Beifall seiner Partei. Bei der Bundestagswahl 2025 wird er aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut kandidieren. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Heated Rivalry kehrt zurück

Staffel 2-Drehstart steht bevor

Connor Storrie und Hudson Williams stimmen Fans mit einem gemeinsamen Auftritt in Toronto auf die zweite Staffel von „Heated Rivalry“ ein.
Überraschung bei Heartstopper

Gelöschte Sex-Szenen enthüllt

Die „Heartstopper“-Stars verrieten jetzt: Netflix strich den Großteil der gedrehten Sex-Szenen aus dem Abschlussfilm, einiges sei wie "Porno" gewesen.
Autor Benjamin Alire Sáenz

Abschied von einem Erzähler

Der Schriftsteller Benjamin Alire Sáenz, bekannt für „Aristoteles und Dante“, ist im Alter von 71 Jahren gestorben.
Dritte Festnahme von Drake Von

Pornostar wird abermals inhaftiert

Adultdarsteller Drake Von ist jetzt zum dritten Mal in diesem Jahr festgenommen worden. Gegen ihn laufen inzwischen mehrere Strafverfahren.
Haft wegen Regenbogen-Shirt

Russland verschärft Repressionen

Ein russischer Kommunalwahlkandidat muss wegen eines Regenbogen-T-Shirts zehn Tage in Haft und darf nicht mehr kandidieren.
KI-Brillen sorgen für Kritik

Warnung vor Überwachungsrisiko

KI-Brillen von Meta könnten laut Kritikern neue Formen staatlicher Überwachung ermöglichen und besonders Minderheiten wie LGBTIQ+ gefährden.
Rätselhafter Tod in Dublin

Leiche in Recyclinganlage entdeckt

Ein obdachloser schwuler Mann wurde tot in einer Müllanlage in Dublin gefunden. Die Polizei schließt ein mögliches Verbrechen nicht aus.
Hardcore in Österreich

Alterscheck für alle Pornoseiten

Österreich plant ab 2027 verpflichtende Alterskontrollen für Pornoseiten. Kritiker warnen vor Risiken für Datenschutz und Anonymität.
Uni-Rauswurf in Nigeria

Schwule Studenten exmatrikuliert

Eine nigerianische Universität hat jetzt zwei männliche Studenten wegen einer homosexuellen Beziehung von der Hochschule geworfen.