Direkt zum Inhalt
St. Gallen spricht sich für Verbot aus // © assalve

Konversionstherapien in der Schweiz Neue Richtlinie wird im Gesundheitsgesetz verankert

ms - 25.04.2022 - 11:30 Uhr
Loading audio player...

Überraschend weil unerwartet hat sich nun auch der Kantonsrat in St. Gallen für ein Verbot von Konversionstherapien ausgesprochen. Die neue Richtlinie wird nun im Gesundheitsgesetz verankert werden.  Dabei schließt das Verbot explizit auch die Angebote zur “Homo-Heilung“ von Anbietern mit ein, die bisher in dem Kanton in der Grauzone agierten und ungestraft versuchen durften, queere Menschen zu „bekehren“. Dazu zählen Geistliche, Kirchenvertreter, Heiler, Homöopathen und Sexualtherapeuten.

Zuletzt hatte Bern ein Verbot dieser unseriösen Praktiken erlassen – zu den Vorreitern gehören zudem die Kantone Neuenburg, Basel-Stadt, Genf und Waadt. Ziel all der einzelnen Erlasse ist es schlussendlich, ein landesweites Verbot zu erreichen, anderenfalls könnten Eltern ihre queeren Kinder zur “Heilung und Therapie“ einfach in den Nachbarkanton fahren, wo Konversionstherapien noch angeboten werden. Der Kanton Basel-Stadt versucht deswegen auch mit zwei, groß angelegten Initiativen, das Verbot auf nationaler Ebene umsetzen zu lassen. Klischeehaft wird dieses Vorhaben aber in aller Ruhe von den verantwortlichen Stellen bearbeitet und kann bis zu zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Der Druck auf die Schweizer Regierung, endlich zeitnah zu reagieren, wächst indes trotzdem mit jedem weiteren Kanton an, das solche Gesetze erlässt. Zuletzt hatten sowohl der Nationalrat wie auch der Bundesrat das Thema immer wieder vertagt und schlussendlich erklärt, dass man keinen Handlungsbedarf sehe.

Wie wichtig ein klares Signal in dieser Thematik wäre, zeigen fundierte Schätzungen von Pink Cross Schweiz auf, demnach bereits rund 14.000 Schweizer Opfer einer Konversionstherapie geworden sind. Sollte Österreich wie angedacht in diesem Jahr ebenso wie bereits Deutschland im Jahr 2019 ein landesweites Verbot erlassen, könnte die Schweiz zur letzten Zufluchtsstätte in Mitteleuropa für all jene werden, die an die Heilung von Homosexualität glauben. Auf diese Art von touristischen Besuchen wollen die Kantone wie auch die meisten Schweizer sehr gerne verzichten. Auch die landesweite Schweizer Vereinigung der Psychotherapeuten (ASP) bekräftigte ausdrücklich:

„Homosexualität ist keine Krankheit und wurde schon 1992 von der WHO aus der Liste der Krankheiten entfernt. Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz, dass die sexuelle Orientierung durch Therapie verändert werden könne.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Rekordzahl bei CSDs in Bayern

LSVD+ kritisiert Queerpolitik

Mit 42 CSDs verzeichnet Bayern 2026 bundesweit die meisten Pride-Events – zugleich kritisiert der LSVD+ Bayern mangelnden Schutz für queere Menschen.
LGBTIQ+-Proteste in Kiew

Keine Homo-Ehe in der Ukraine

LGBTIQ+-Aktivisten in der Ukraine protestierten in Kiew gegen einen Gesetzentwurf, der das Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen beibehalten soll.
Prozessbeginn in Hamburg

Schwere Vorwürfe gegen 18-Jährigen

Ein 18-Jähriger soll Mädchen im Internet manipuliert und zudem homosexuelle Männer angegriffen haben – nun beginnt in Hamburg der Prozess.
Kritik an „Don’t Say Trans“

US-Repräsentantenhaus stimmt zu

Das US-Repräsentantenhaus hat einen umstrittenen Gesetzentwurf verabschiedet, der Schulen den Umgang mit trans* Menschen stark einschränken würde.
Schutz vor digitaler Gewalt

LSVD+ fordert Nachbesserungen

Der LSVD+ fordert Nachbesserungen am geplanten Gesetz gegen digitale Gewalt und verlangt ausdrücklich den Schutz für queere Menschen.
Rückschritte bei LGBTIQ+

Kriminalisierung von Homosexualität

Die Zahl der Länder weltweit, die Homosexualität kriminalisieren, ist erstmals wieder auf 65 Länder angestiegen, so die neusten Daten von ILGA World.
Comeback des Tel Aviv Pride

Neuer CSD nach zwei Jahren Pause

Nach zwei Jahren ohne große Pride-Demonstration soll der CSD in Tel Aviv 2026 wieder stattfinden – begleitet von massiv steigender Hasskriminalität.
Aussschluss beim CSD Karlsruhe

LSU wird Teilnehme erneut verboten

Die Veranstalter des CSD Karlsruhe haben der LSU erneut die Teilnahme verweigert und begründen dies mit queerpolitischen Positionen von CDU und CSU.