Konsequenzen nach Mordserie? Halbherzig und verlogen? Die Polizei und ihr Umgang mit der Gay-Community
Die Londoner Polizei steht seit Jahren immer wieder massiv in der Kritik – zum einen wegen dem internen Umgang untereinander, der ein Übermaß an Homophobie, Frauenhass und Rassismus aufzeigte. Zum anderen aber wegen der queerfeindlichen Gesinnung gegenüber LGBTI*-Menschen, die sich als Opfer einer Straftat an den Metropolitan Police Service gewandt haben.
Die Polizeibehörde überwacht das Gebiet von Greater London und hat rund 30.000 Polizeibeamte. Zuletzt erschütterte auch eine Mordserie unter schwulen Männern die LGBTI*-Community. Der heute 47-jährige Stephen Port hatte mehrere junge Männer ermordet oder vergewaltigt und verbüßt inzwischen eine lebenslange Haftstrafe. Dabei machte er die schwulen Männer mit GHB gefügig, die als „Vergewaltigungsdroge“ hinlänglich bekannt ist. Die Leichen ließ er zumeist in der Nähe seines Hauses im Osten Londons zurück.
Der Vorwurf der Familien der Opfer sowie zahlreicher LGBTI*-Aktivisten war nun, dass die Polizei den Serienmörder viel schneller hätte fassen können, wenn sie die Fälle aufgrund der Homosexualität der Opfer nicht oftmals vorschnell als „ungeklärt, aber nicht verdächtig" eingestuft hätten. Teilweise geschah diese Einstufung eines Verbrechens binnen weniger Stunden und das, obwohl der leitende Inspektor keine Ahnung hatte, wie das Opfer tatsächlich verstorben war.
Die Vorgehensweise der Polizei bei der Untersuchung ungeklärter Todesfälle soll nun nach den Untersuchungen der Opfer des Serienmörders Stephen Port reformiert werden, da in den vorangegangenen Fällen „grundlegende Versäumnisse“ festgestellt worden seien. Die Met Police und der Nationale Rat der Polizeichefs (NPCC) erklärten, dass die neuen Klassifizierungen den Beamten "absolute Klarheit" verschaffen würden.
Ab Juli sollen Tötungsdelikte in vier neue Klassifizierungen eingeteilt werden: Erwartete Todesfälle mit medizinischer Diagnose, unerwartete nicht verdächtige Todesfälle, unerwartete Todesfälle, die weitere Untersuchungen erfordern und schlussendlich Mord mit der Wahrscheinlichkeit der Beteiligung einer weiteren Person. Warum diese Einteilung bisher Kriminalbeamten in London so schwierig viel, bleibt offen. Ebenso die Frage, ob durch dieses neue Verfahren auch die unterschwellige und teils wohl auch offen ausgelebte Homophobie vieler Beamter dadurch minimiert werden kann.
Die leitende Gerichtsmedizinerin Sarah Munro hatte in ihrem Bericht über die polizeilichen Ermittlungen zudem erklärt, dass der Begriff "ungeklärt" die Beamten wohl auch dazu animierte, keine weiteren Ermittlungen durchzuführen, da sie durch den einen Begriff davon ausgingen, dass der Tod nicht verdächtig gewesen sei. In diesem Zusammenhang sprach Munro auch von einem "Mangel an Eigenverantwortung und Verantwortung für die Ermittlungen bei ungeklärten Todesfällen" unter den Führungskräften der Met.
Auf die Frage, ob Homophobie zu der Verschleppung der Fälle geführt haben könnte, verwies die Gerichtsmedizinerin auf einen Bericht des Unabhängigen Büros für polizeiliches Verhalten (IOPC), der nahelegt, dass "die Möglichkeit, dass Annahmen über den Lebensstil junger schwuler Männer und die potenzielle Verletzlichkeit von Männern gemacht werden, nicht ignoriert werden kann und möglicherweise zeigt, dass Intersektionalität in der Polizeiarbeit vorhanden war und möglicherweise immer noch ist."
Bis heute wurde trotz nachgewiesener Leistungsmängel keiner der ermittelnden Kriminalbeamten disziplinarisch belangt oder verlor seinen Arbeitsplatz, fünf von ihnen wurden seitdem sogar befördert. Das muss es dann wohl sein, das konsequente Durchgreifen und Reformieren der Londoner Polizei.