Direkt zum Inhalt

Klage gegen Malaysia Machtkampf zwischen Schweizer Uhrenhersteller und dem Parlament!

Von ms - 18.07.2023 - 14:00 Uhr
Klage gegen Malaysia
Foto: iStock / gracethang
ANZEIGE
Loading audio player...

Kurz vor dem Pride-Monat Juni zeigte sich im Mai der Schweizer Uhrenhersteller Swatch überrascht, als die Polizeibehörden in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur in allen 16 Geschäften des Unternehmens regenbogenfarbene Pride-Uhren im Gesamtwert von rund 14.000 US-Dollar beschlagnahmten.

Begründet wurde die Aktion mit dem Verbot von Homosexualität im Land; Produkte in Regenbogenfarben als Zeichen der Solidarisierung mit der Gay-Community seien nicht hinnehmbar. Der Fall machte international Schlagzeilen, jetzt hat der Uhrenhersteller Konsequenzen gezogen und Klage beim Obersten Gerichtshof  im Sultan Abdul Samad-Palast eingereicht – der Fall soll noch in dieser Woche behandelt werden.   

Schadenersatz vom Staat gefordert

„Die beschlagnahmten Uhren waren und sind zweifelsohne nicht geeignet, die öffentliche Ordnung oder Moral zu stören oder gegen das Gesetz zu verstoßen“, so die Schweizer Firma in ihrer Anklageschrift. Die meisten Uhren trugen nicht einmal einen Schriftzug wie „LGBT“, so das Unternehmen weiter.

Für die Behörden des Landes ist indes klar, dass die Uhrenhersteller gegen das Verbot von homosexueller Werbung verstoßen hätten. Die Swatch Group fordert nun Schadensersatz sowie die Rückgabe der Ware, kommentiert das laufende Verfahren indes aber nicht weiter.

Lage für Homosexuelle verschlechtert sich weiter!

Die Lage für homosexuelle Menschen in Malaysia soll sich nach Angaben von Gay-Organisationen gegenüber Reuters immer weiter verschlechtern. Malaysia hat ein zweigleisiges Rechtssystem, in dem das islamische Straf- und Familienrecht für Muslime (Scharia) neben dem Zivilrecht existiert – Homosexualität ist in beiden Systemen illegal und wird mit bis zu zwanzig Jahren Gefängnis und Stockschlägen bestraft. Die Polizei geht mit brachialer Brutalität gegen Homosexuelle vor, immer wieder kam es in den letzten Monaten zu Razzien, bei denen vermeintliche Schwule und Lesben festgenommen worden waren. 

Regierung bleibt bei homophoben Verbot

Die aktuelle Regierung im Land wird mit Sicherheit starr am Verbot festhalten, denn das Gerichtsverfahren erfolgt im Vorfeld wichtiger regionaler Wahlen, bei denen die fortschrittliche Koalition von Premierminister Anwar Ibrahim gegen eine überwiegend konservative muslimische Allianz antreten wird – zeigt sich der Premierminister zu liberal, könnte er die Wahlen verlieren.

Ihm war bereits vor kurzem vorgeworfen worden, nicht genug für die Rechte von Muslimen zu tun. Anwar selbst war fast ein Jahrzehnt lang wegen Sodomie und Korruption inhaftiert, bis heute bestreitet er alle Anschuldigungen. So bekräftigte der Premierminister erst in dieser Woche lautstark, dass Rechte für Homosexuelle auch weiterhin nicht anerkannt werden würden.  

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDWegen lockerer Maskenpflicht: Wie eine Lesben-Bar in einen "woken Shitstorm" gerietBR24Wasserzeichen in ChatGPT-Texten: Das sollten Sie beachtenDER STANDARDMareike Fallwickl: "Ein Frauenleben ist auch ohne Männer sehr erfüllt"DER SPIEGELFitness: Queere Körperideale - »Jetzt werde ich auch einer von denen«Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Schwule Zwangsprostitution

Prozessbeginn in Düsseldorf

Zwei junge Männer sollen schwule Minderjährige angelockt, missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. Nun stehen sie in Düsseldorf vor Gericht.
Appell gegen Rot-Grün-Rot

Warnung vor Linken-Regierung

Ein parteiübergreifender Appell richtet sich strikt gegen eine linke rot-grün-rote Regierung in Berlin. Initiator ist unter anderem Volker Beck.
Urteil gegen trans* Polizistin

Vergewaltigung einer Jugendlichen

Urteil in Bayern: Eine trans* Frau im Polizeidienst muss wegen Vergewaltigung und Kinderpornografie für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis.
Scruff kauft Growlr

Millionen für Dating-App

Die Scruff-Firma Perry Street Software übernimmt die Bear-Dating-App Growlr und will Millionen in einen kompletten Neustart der Plattform investieren.
Verknallt in Testosteron-Jesus

Anti-LGBTIQ+-Influencer schwärmt

Der christliche Anti-LGBTIQ+-YouTuber Gabe Poirot sagt, er habe im Koma Jesus getroffen und dieser sei sehr „männlich“ und voller „Testosteron“.
McHenry startet in Italien

Offen schwul in der SuperLega

Der schwule US-Volleyballer Merrick McHenry wechselt nach Piacenza, schreibt als offen schwuler Profi Geschichte und hat Olympia 2028 im Blick.
Rekord bei Buchverboten

Strikte Zensur in den USA

Fast 12.000 Buchverbote registriert PEN America aktuell an US-Schulen – besonders häufig betroffen sind Werke über Sexualität, LGBTIQ+ und Rassismus.
Eiskunstlaufstar aus Südafrika

Bodasing schreibt Sportgeschichte

Shiven Bodasing schreibt südafrikanische Eiskunstlauf-Geschichte – neben seinem Beruf als Jurist und seinem Einsatz für LGBTIQ+.
Pionier Donald Webster Cory

Vom Vorkämpfer zur Reizfigur

Ein neuer Dokumentarfilm beleuchtet Donald Webster Cory, der die frühe US-Schwulenbewegung prägte und später mit seinen Ansichten empörte.