Katar betreibt Pinkwashing Scharfe Kritik vom schwulen Aktivisten Nas Mohamed
Der schwule Aktivist Nas Mohamed hat in den letzten Tagen scharfe Kritik an der Kunstmesse Art Basel in Katar geübt. In einer Reihe von Instagram-Posts beschuldigte der aus Katar stammende, heute in den USA lebende LGBTIQ+-Aktivist die Messe, durch die Feier eines Mitglieds der katarischen Königsfamilie zur „Reputationswäscherei“ beizutragen. Dabei sieht Mohamed einen klaren Widerspruch zwischen dem von der Kunstmesse verbreiteten Bild von Offenheit und den tatsächlichen Verhältnissen für homosexuelle und queere Menschen in Katar – noch immer existiert im Land die Todesstrafe für Schwule.
Schönfärberei bei der Kunstmesse?
Die Messe Art Basel hatte jüngst Sheikha Al-Mayassa bint Hamad bin Khalifa Al Thani, eine zentrale Figur des katarischen Kultursystems und Schwester des aktuellen Emirs, als „neue Führungskraft des Wandels“ gefeiert. Mohamed, der als erster Katarer im Jahr 2022 öffentlich seine Homosexualität bekannt gab, reagierte auf die Nachricht mit scharfer Kritik. Er erklärte, dass Art Basel diese Darstellungen für politische Zwecke missbrauche, um ein Bild von Modernität und Toleranz zu vermitteln, während in Katar weiterhin Repressionen gegen der LGBTIQ+-Gemeinschaft stattfinden – eine Mischung aus Pinkwashing und Kunst, sozusagen „Artwashing“. Es ist dabei nicht das erste Mal, dass das Emirat so versucht, sein Image aufzubessern.
Laut Mohamed gehe es nicht nur um den Vorfall selbst, sondern um die größere Strategie des Landes. Die Kunstmesse sei Teil einer breiten politischen Strategie, die westliche Kunst, Mode, Musik und sogar queere Ikonen nutze, um ein Bild von Offenheit und Fortschritt zu projizieren. Diese Darstellung stehe jedoch im krassen Widerspruch zur Realität. „Dies alles dient nur der Außenpolitik und den internationalen Beziehungen Katars, da es den Anschein erweckt, dass der Staat Menschenrechte respektiert – was in Wahrheit nicht der Fall ist“, so Mohamed warnend.
Exil und fortwährender Hass
In weiteren Instagram-Stories schilderte Mohamed seine persönlichen Erfahrungen. Er berichtete von seinem erzwungenen Exil, dem Verlust seines Zuhauses und der Unmöglichkeit, seine Identität in seinem Heimatland zu leben. Mohamed betonte, dass es viele andere wie ihn gibt, die aus Katar deportiert wurden – bis heute wird der schwule Aktivist dabei mit Hasskommentaren online regelrecht überflutet: „Ich bekomme fast jede Stunde solche Kommentare. Ich nehme sie auf und arbeite weiter. In diesem Jahr werde ich stärker reagieren und den Hass zeigen, gegen den ich kämpfe.“
Mohamed hat im Laufe der Jahre zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung festgenommen und misshandelt wurden. Auch die Anwendung von sogenannten „Konversionstherapien“ und die Erpressung von homosexuellen Personen durch die Sicherheitskräfte sind weit verbreitet.
Der aktuelle Fall werfe laut dem Aktivisten dabei auch Fragen an westliche Kulturbetriebe und Institutionen auf, die mit repressiven Regimen wie Katar zusammenarbeiten. „Wie weit reicht die Verantwortung großer kultureller Plattformen, die sich mit solchen Regimen verbinden?“. Er kritisiert insbesondere dabei die fehlende Auseinandersetzung mit den politischen und sozialen Rahmenbedingungen, die hinter den kulturpolitischen Initiativen dieser Staaten stehen.