Homophobie bei Facebook? „Das neue Metaverse wird keine Heimat für queere Menschen sein!“
Das neue Metaverse (Facebook, Instagram, Whatsapp) – das neue dicke Ding von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg soll im Grunde alle Kommunikationskanäle vereinen und uns vollends zu digitalen Wesen machen, inklusive unserem eigenen Avatar. Was für Zuckerberg ein wahrgewordener Daten-Traum ist, könnte für viele LGBTI*-Menschen die endgültige Aufgabe jedweder Privatsphäre sowie gerade für junge queere Menschen ein ungewolltes Zwangs-Outing bedeuten. Der gläserne Mensch – für kritische Autoren ein Horrorszenario, für Zuckerberg-Nerds der finanzielle Super-Jackpot. Vor allem stellt sich eine Frage: Was passiert, wenn uns Meta nicht mehr mag?
Für Terry Miller ist die Sache klar: Das Metaverse wird kein Freund der LGBTI*-Community sein. Der preisgekrönte Autor Terry Miller gründete zusammen mit seinem Ehemann Dan Savage die It-Gets-Better-Foundation als Reaktion auf die hohe Suizidrate unter LGBTI*-Jugendlichen. Gegenüber dem Advocate brachte er nun seine starken Bedenken bezüglich dem neuen Metaverse zum Ausdruck: „In den letzten Jahren hat sich Meta den Ruf erworben, Richtlinien und Durchsetzungsstrategien einzuführen, die verschiedene Communitys überpolizeilich behandeln. Wenn man dies speziell auf Instagram beobachtet, kann das besonders beunruhigend sein – da werden LGBTI*-Personen, Sexarbeiter und Sexualpädagogen suspendiert, mit einem Schattenverbot belegt, deaktiviert oder auf Lebenszeit von der Plattform entfernt.“
Gleiches kritisieren seit einigen Jahren auch zahlreiche queere Künstler, deren Werke in der digitalen sozialen Welt von Meta sehr gerne gelöscht und Accounts gleich ebenso gesperrt werden. Dabei scheint die Definition, was Kunst ist und was ins Sexuelle hinein gleitet, eine sehr willkürliche zu sein, die zudem Richtlinien sehr frei ansetzt – je nachdem, ob es sich um queere, schwule oder heterosexuelle Kunst handelt. Für Miller ist damit ein klares Muster erkennbar, ein Muster aus Homophobie, Geschlechtsnegativität und Diskriminierung. Miller fordert, dass queeren Menschen in gleicher Weise erlaubt sein sollte, sich zu präsentieren, wie es vielen heterosexuellen Personen ganz offensichtlich genehmigt wird – weit jenseits jeder Schamgrenze. Wie absurd die Richtlinien zum „angeblichen Schutz von Kindern“ angewandt werden, musste Miller am eigenen Leib erfahren – am Jahrestag der Beziehung seines Mannes veröffentlichte er einige Fotos aus den letzten Jahren auf Instagram. Eines davon zeigte ihn in einem Badeanzug am Strand. Sein Konto wurde umgehend gelöscht. „Ein Foto von einem Badeanzug? Auf dem Konto eines schwulen Mannes? GEFÄHRLICH. Die Ironie wäre lachhaft, wenn sie nicht auch manipulativ, bösartig und heimtückisch wäre.“
Miller ist gut national wie international in der Community vernetzt und kann davon berichten, dass viele queere Menschen ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Sein Resümee: „Mit Meta, Instagram und Facebook ist die Botschaft an queere Gemeinschaften ganz einfach: Wenn ihr auf eine Art und Weise existiert, die wir anstößig finden, seid ihr hier nicht willkommen oder sicher. Und doch kommen sie Jahr für Jahr mit einem Lächeln zu den Pride-Festivals und pumpen sich als wichtige Verbündete unserer Community auf. Wenn man die Richtlinien hinterfragt, verweist Meta oft auf den Schutz von Kindern. Das ist eine Taktik, die schon oft zur Verteidigung von Unterdrückung eingesetzt wurde. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Möglichkeiten, dieses Problem anders anzugehen, von denen einige bereits auf der Plattform vorhanden sind. Instagram hat Zustimmungsfilter für besonders grafische oder gewalttätige Beiträge eingeführt, die theoretisch auch hier eingesetzt werden könnten, zusätzlich zu den Bemühungen zur Altersüberprüfung. Wenn Instagram und damit auch Meta eine lebendige und inklusive LGBTI*-Community auf ihrer Plattform haben wollen, müssen sie aufhören, Dinge von uns zu deaktivieren und zu löschen, die nicht gegen Regeln verstoßen.“

Viel Hoffnung auf eine wirkliche Besserung sieht Miller allerdings nicht: „Ich kann euch eines garantieren: Das Metaverse wird keine Heimat für die LGBTI*-Community, Sexarbeiter, Sexualpädagogen, Ärzte, die im Bereich der sexuellen Gesundheit arbeiten, oder für eine Menge anderer Gemeinschaften sein. Je mehr wir sehen, wer von Metas algorithmischer Zensur ins Visier genommen wird, desto deutlicher wird, dass Zuckerbergs Metaverse eine große cis-rechte, überwiegend männliche weiße nationalistische Organisation ist. Das mag ihr Vorrecht sein. Aber wir als Community müssen uns überlegen, wie wir darauf reagieren wollen.“ Terry Miller hat in den letzten Jahrzehnten sehr stark und immer wieder für die LGBTI*-Community gekämpft, umso mehr ärgert und verletzt ihn die immer rüdere Herangehensweise des amerikanischen Unternehmens. „Von unseren Communitys zu verlangen, dass sie sich selbst zensieren und sich verbal und visuell dumm stellen, ist Diskriminierung. Wir haben nicht für die Schwulenbefreiung gekämpft, die AIDS-Krise, Reagan, die Bushs 1 und 2 und den verdammten Donald Trump überstanden, um uns jetzt sagen zu lassen, wir sollen uns nicht so verhalten. Wenn Facebook und Instagram sich nicht damit anfreunden können, wie tatsächliche LGBTI*-Befreiung und Gleichberechtigung aussieht und Meta nicht aufhört, LGBTI*- Menschen von ihren Plattformen zu entfernen, sollten wir ihnen nicht erlauben, bei Pride-Veranstaltungen und -Festivals aufzutauchen! Als Mitbegründer des It-Gets-Better-Projects fordere ich persönlich, dass queere Organisationen wie HRC, GLAAD, Trevor Project und andere Maßnahmen ergreifen, um das Pinkwashing von Meta und seinen Tochtergesellschaften zu beenden. Es ist an der Zeit, dass wir - und damit meine ich uns alle als Einzelpersonen innerhalb der LGBTI*-Community sowie Organisationen wie das It-Gets-Better-Project, die Human Rights Campaign und GLAAD - dagegen aufstehen.“