Direkt zum Inhalt
Homophobe Hetze im Senegal
ANZEIGE

Homophobe Hetze im Senegal Schmutzkampagne der Medien soll Hass auf Schwule befeuern

ms - 10.02.2026 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Im Senegal sorgen laufende Ermittlungen zu schwerwiegenden Vorwürfen des Kinderhandels für große Besorgnis, denn in den Medien wird Homosexualität und Pädophilie nun in einen direkten Zusammenhang gebracht, obwohl dieser gar nicht existiert. Mehr noch, die schweren Verbrechen werden missbraucht, um gezielt unschuldige schwule Männer zu verhaften. 

Verhaftung von 14 Tatverdächtigen

Laut der Nachrichtenagentur Associated Press drehen sich die Ermittlungen um ein transnationales kriminelles Netzwerk, das mit dem 73-jährigen heterosexuellen Franzosen Pierre Robert in Verbindung steht. Robert befindet sich derzeit in Frankreich in Haft und wird wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen, der Produktion von Kinderpornografie und der absichtlichen Übertragung mit HIV angeklagt.

Im Rahmen dieser Ermittlungen haben die senegalesischen Behörden nun mindestens 14 Tatverdächtige in der Metropolregion Dakar verhaftet. Die vorliegenden Anschuldigungen betreffen schwere Vergehen wie sexuellen Missbrauch von Minderjährigen, Menschenhandel, Ausbeutung und Lebensgefährdung. Dies ist der einzige bestätigte Sachverhalt aus den Ermittlungen.

Schmutzkampagne der Medien 

Die senegalesische Medien indes erklärten mehrheitlich, dass es sich bei den Inhaftierten um homosexuelle Männer handeln würde. Es gibt keinen einzigen Beleg dafür. In diesen Artikeln wurden trotzdem detaillierte Informationen zu den festgenommenen Personen veröffentlicht, darunter Namen, Alter und Beruf, sowie eine Vermischung von strafrechtlichen Anschuldigungen und der Kriminalisierung von Homosexualität. Die Tatverdächtigen seien bei einem „perversen Sex-Fest“ festgenommen worden. Die Stigmatisierung von Schwulen wirkt, Beweise oder auch nur Indizien für einen Bezug zu Homosexualität gibt es nicht.

Bewusste Denunziation von Schwulen 

Im Senegal ist Homosexualität gemäß Artikel 319 des Strafgesetzbuches strafbar, es drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren. In den letzten zwei Monaten kam es gleich mehrfach zu Gruppenverhaftungen von schwulen Männern nach Razzien in Privatwohnungen, zudem wurde eine WhatsApp-Gruppe von Homosexuellen gesprengt. Laut der Aktivistengruppe Dakar Buzz werden dabei schwule Männer immer wieder wegen vermeintlich „unnatürlicher Akte“ verurteilt, Beweise gibt es auch hier in der Regel keine. 

Die Behauptung, Homosexuelle seien Pädophilie, verstärkt dabei das gesellschaftlich ohnehin bereits vergiftete Klima gegen Schwule jetzt noch weiter, die Medien schreiben ganz offen von einer „moralischen Seuche“ und dem „Schutz der Jugend“ und beziehen sich dabei nicht mehr auf die eigentlich pädophilen Tatverdächtigen, sondern auf alle schwulen Männer im Land. „Das Ziel scheint zu sein, Homosexualität mit moralisch nicht zu verteidigenden Verbrechen zu verbinden und als Grundlage für weitere politische Repressionen zu nutzen“, so ein Sprecher von Dakar Buzz. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Flucht aus Sierra Leone

Polizei fahndet nach zwei Männern

Zwei schwule LGBTIQ+-Aktivisten aus Sierra Leone sind aus Angst um ihre Sicherheit ins Ausland geflohen und werden weiter von der Polizei gesucht.
Rotstift bei Fördermitteln

Krise bei LGBTIQ+-Verbänden

Weltweit geraten LGBTIQ+-Organisationen wegen massiver Förderkürzungen unter Druck – viele müssen Personal und wichtige Hilfsangebote abbauen.
Forderungen an Ungarn

Appell von Österreichs Community

Insgesamt 21 österreichische queere Organisationen fordern von Ungarns Politik mehr Schutz, Gleichstellung und Selbstbestimmung für LGBTIQ+-Menschen.
Warnung vor Rechtsruck

LSVD+ fordert mehr Zusammenhalt

Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt warnt der LSVD+ vor wachsendem Druck auf queere und andere marginalisierte Menschen.
Wahlprüfsteine des LSVD+

Mecklenburg-Vorpommern wählt

Kurz vor der Landtagswahl stehen queerpolitische Forderungen und die CDU in Mecklenburg-Vorpommern unter Druck, LSVD+-Wahlprüfsteine sollen helfen.
Türkei nimmt Aktivisten fest

Razzien gegen LGBTIQ-Vereine

Türkische Behörden haben bei Razzien gegen LGBTIQ+-Vereine zahlreiche Menschen festgenommen und Online-Konten der Community gesperrt.
Ende der Badehaus-Verbote

San Diego streicht alte Vorschrift

San Diego schafft ein seit den 1980er-Jahren bestehendes Badehaus-Verbot ab, das einst zur Eindämmung von HIV eingeführt worden war.
KI und LGBTIQ+

Outing der sexuellen Orientierung

KI kann LGBTIQ+-Menschen diskriminieren oder sensible Identitäten ableiten – zugleich warnt ein Anthropic-Forscher vor weiteren extremen Risiken.
Doppelmoral in Dallas

Grindr und Republikaner

Beim Parteitag der Republikaner war der LGBTIQ+-Kulturkampf ein zentrales Thema. Gleichzeitig vermeldete Grindr Ausfälle wegen Überbelastung der App.