Homophobe Attacke auf Mallorca Berührende Solidaritätsbekundung mit Opfer
Nach einem homophoben Angriff auf einem Markt in Palma hat die Stadtverwaltung jetzt Konsequenzen gezogen. Der mutmaßliche Täter wurde vorläufig von seiner Tätigkeit als Verkäufer auf städtischen Märkten ausgeschlossen.
Homophobe Attacke unter Obsthändlern
Nach Angaben der Behörden soll der Mann am vergangenen Donnerstag auf dem Obst- und Gemüsemarkt von Pere Garau einen anderen Händler zunächst beleidigt und anschließend körperlich angegriffen haben. Auslöser war demnach ein zunächst alltäglicher Vorgang beim Bedienen einer Kundin, der eskalierte.
Bei dem Opfer handelt es sich um den Händler Miquel Gili, der gemeinsam mit seiner Schwester einen Stand auf dem Markt betreibt. Er wollte nach eigenen Angaben ein fehlendes Produkt an einem benachbarten Stand holen – eine unter Händlern übliche Praxis. Dabei trat er auf eine Bodenfliese nahe dem Stand des späteren Angreifers. Dieser habe daraufhin unmittelbar aggressiv reagiert, ihn homophob beschimpft und schließlich angegriffen. Während der Attacke sei er unter anderem als „Maricón“ (Schwuchtel) beleidigt worden.
Die Schwester des Betroffenen versuchte einzugreifen und wurde dabei ebenfalls verletzt. Gili erlitt eine Verstauchung am linken Arm sowie eine Wunde am Ellbogen. Aufgrund früherer Verletzungen musste der Arm eingegipst werden.
Konsequenzen der Stadtverwaltung
Anwohner filmten den Vorfall, der im Umfeld des Marktes für große Empörung sorgte. Zudem wurde der Angriff über soziale Netzwerke verbreitet. Der Betroffene erstattete Anzeige, die Polizei nahm Ermittlungen auf. Nach Aussagen von Händlern hatte es bereits zuvor Spannungen mit dem mutmaßlichen Täter gegeben. Die Stadt Palma untersagte schlussendlich dem Beschuldigten vorsorglich die weitere Verkaufstätigkeit auf städtischen Märkten. Da der von ihm genutzte Stand einem anderen Inhaber gehört, soll dieser vorübergehend an einen anderen Standort verlegt werden. Weitere Maßnahmen werden nach Abschluss der Ermittlungen geprüft.
Solidarität mit Opfer
Gestern versammelten sich rund 60 Menschen zu einer Solidaritätskundgebung auf dem Marktplatz. Unter den Teilnehmern waren Händler, Kunden sowie Vertreter der Stadtverwaltung und verschiedener Parteien. Auch die Marktleiterin Paquita Bonnin nahm teil. Die Anwesenden bekundeten ihre Unterstützung für das Opfer und forderten einen dauerhaften Ausschluss des mutmaßlichen Täters.
Der Betroffene zeigte sich bewegt von der Anteilnahme. Er habe nicht mit einer so großen Resonanz gerechnet und betonte, dass ihn insbesondere die Unterstützung von Kollegen und Kunden gestärkt habe. Zugleich erklärte er, keine öffentliche Inszenierung zu wünschen, sondern vor allem Ruhe und ein normales Leben anzustreben.
Nach seinen Angaben war der Vorfall der Höhepunkt eines länger schwelenden Konflikts. Es habe bereits zuvor Beleidigungen gegeben. Die Situation sei eskaliert, nachdem er sich gegen eine homophobe Äußerung gewehrt und die Angreifer als homophob bezeichnet habe. Neben den körperlichen Verletzungen leidet Gili nach eigenen Angaben weiterhin unter psychischen Folgen wie Angstzuständen, Schlafproblemen und Appetitverlust. Gleichzeitig zeigte er sich überwältigt von der breiten Unterstützung, deren Ausmaß er nach eigenen Worten noch kaum erfassen könne.