Direkt zum Inhalt
Hoffnung in den Niederlanden

Hoffnung in den Niederlanden Gelingt ein neues Gesetz zum Schutz von Homosexuellen?

ms - 09.09.2025 - 13:00 Uhr
Loading audio player...

Noch im Frühjahr dieses Jahres drohte ein neues Gesetzesvorhaben zum Verbot von Konversionstherapien in den Niederlanden erneut zu scheitern – seitdem wurde an dem Gesetzestext eifrig gearbeitet, sodass nun möglicherweise noch im September eine parlamentarische Mehrheit endlich gegen die menschenverachtenden umgangssprachlichen „Homo-Heilungen“ votieren könnte. 

Langer Kampf um ein Verbot 

Seit über einem Jahrzehnt kämpfen queere Vereine im Land gegen die Umpolungs-Angebote, die zumeist von christlichen Vereinen angeboten werden. Die Debatten darum dauern bis heute an, religiös geprägte und konservative sowie rechte Parteien sprachen sich mehrfach größtenteils ganz dagegen aus oder erklärten, man wolle „auf andere Weise“ gegen diese Praxis vorgehen. 

Zwei Kernpunkte sorgten dabei besonders für den Disput: Zum einen das Recht auf freie Entscheidungsmöglichkeit für jene, die trotzdem eine solche Therapie angehen wollen, zum anderen die Frage, ob ein Verbot nur Schwule und Lesben oder auch queere Menschen mit einschließen sollte – ein Streit, der auch in Großbritannien bis heute dazu führt, dass es kein Gesetz gegen Konversionstherapien gibt. Parlamentarier mehrerer Parteien befürchteten, dass so künftig Ärzte oder Psychologen in ihrer Arbeit eingeschränkt werden könnten, wenn sie Jugendliche mit einer „vorübergehenden Geschlechtsdysphorie“ betreuen und dabei auch die Eigen-Diagnose der Betroffenen hinterfragen und abklären wollen. 

Bringen Nachbesserungen die Kehrtwende?

Die jetzt erfolgten Nachbesserungen am Gesetzesvorhaben scheinen vieler dieser Bedenken jetzt offenbar ausgeräumt zu haben. So wurde unter anderem eindeutig definiert, dass sich nur jene Anbieter strafbar machen würden, die „systematisch“ oder „aufdringlich“ die sexuelle Orientierung einer Person ändern oder unterdrücken wollen. Zudem greift das Verbot nach aktuellem Stand nur bei Homosexuellen. 

Die Chancen, dass das Gesetz nun in der zweiten Kammer des Parlaments eine Mehrheit erreicht, sind damit deutlich angestiegen, aktuell spricht sich nur noch eine Minderheit aus zwei christlich-konservativen sowie einer rechten Partei gegen das Vorhaben aus. Stimmen die anderen Parteien geschlossen für das Verbot, würde das Gesetz final verabschiedet werden können. Bereits in der kommenden Woche soll darüber entschieden werden. Es dürfte vorerst die letzte Chance für ein Konversionstherapie-Verbot in den Niederlanden sein, Ende Oktober wird im Land dann eine neue Regierung gewählt – wie danach die möglichen Mehrheiten im Parlament aussehen, ist ungewiss. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Schwuler Strand in Gefahr

Kanadas Aktivisten schlagen Alarm

Erosion setzt einem der bedeutendsten schwulen Treffpunkte Kanadas massiv zu – ohne rasche Maßnahmen könnte der Strand weitgehend bald verschwinden.
Sichtbarkeit im Fußball

LGBTIQ+-Persönlichkeiten im Fokus

Outsports hat zum Start der Fußball-WM eine Lister der wichtigsten und einflussreichsten offenen LGBTIQ+-Fußballer veröffentlicht.
Warnung von David Furnish

Sorge um HIV-Prävention

David Furnish sieht die Erfolge im Kampf gegen HIV/AIDS durch politische Entscheidungen, Kürzungen und Einschränkungen von LGBTIQ+-Rechten gefährdet.
David Hockney ist tot

Schwule Maler-Ikone gestorben

David Hockney ist tot. Mit ihm verliert die Kunstwelt einen ihrer bedeutendsten und einflussreichsten Künstler der Gegenwart.
Gesichtscan in Schwulenbar

Streitfall in San Francisco

Der Einsatz von Gesichtscans in mehreren Schwulenbars in San Francisco löst derzeit heftige Debatten über Datenschutz und Überwachung aus.
Ende für schwule Dating-App

Match Group beendet Archer

Drei Jahre nach dem Start stellt die Match Group die schwule Dating-App Archer ein und setzt stattdessen auf eine Beteiligung am Konkurrenten Sniffies
Homosexuellen-Verbot in Afrika

Südafrika verweigert Zustimmung

Südafrika stellt sich mutig gegen eine geplante afrikanische Charta, die Homosexualität verbieten und Menschenrechtsstandards einschränken würde.
Jugendschutz bei Social Media

Ethikrat lehnt Altersgrenze ab

Pauschale Verbote für soziale Medien sind nach Ansicht des Deutschen Ethikrats kein geeignetes Mittel zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.
Chemsex in der Community

Einnahme von Drogen nimmt zu

Der neue EU-Drogenbericht zeigt einen hohen Konsum psychoaktiver Substanzen, insbesondere bei Suchtstoffen im Bereich Chemsex.