Direkt zum Inhalt

HIV-Forschung Kein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen bei HIV-Medikamenten?

Von ms - 23.02.2023 - 14:00 Uhr
HIV-Forschung
Foto: iStock / gorodenkoff
ANZEIGE
Loading audio player...

Gute Nachrichten aus der Schweiz für alle Menschen mit HIV: Der Beginn einer Behandlung mit einem sogenannten Integrasehemmer führt bei HIV-positiven Personen höchstwahrscheinlich nicht zu einem erhöhten Risiko für einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzoperationen – so die neuste Datenlage der Schweizer HIV-Kohortenstudie. Bisher war ungewiss, ob Integrasehemmer das kardiovaskuläre Risiko ansteigen lassen. Generell zeigen Studien der letzten Jahre auf, dass Menschen mit HIV ein erhöhtes Risiko für Krebs- und Herzerkrankungen haben, die Arzneistoffe haben darauf aber wahrscheinlich weniger Einfluss als bisher angenommen.

Befürchtungen nicht bestätigt

Bei den Integrasehemmern oder auch Integraseinhibitoren handelt es sich um Medikamente mit  Wirkstoffen, die das Schlüsselenzym Integrase von Retroviren wie HIV hemmen. Wie bei jeder neuen Art von Medikament dauert eine groß angelegte Studie über ihre Auswirkungen auf Herzkrankheiten eine gewisse Zeit, im Jahr 2005 begannen die ersten klinischen Studien dazu. Bisher war festgehalten worden, dass Menschen mit HIV unter der Einnahme von Integrasehemmern zumeist an Gewicht zunehmen, sodass ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen befürchtet worden war. Dr. Bernard Surial von der Schweizer HIV-Kohortenstudie kann diese Befürchtungen nach aktueller Datenlage nicht bestätigen, erklärte aber auch, dass größere internationale Kohortenverbünde diese Analyse wiederholen würden.

Komplexe Forschungslage und offene Fragen

Ziel sei es, weitere Klarheit über die Behandlung mit Integrasehemmern zu erlangen, noch dazu, wo es bis heute keine einheitliche Faktenlage gibt und Langzeitwirkungen bisher wenig erforscht sind. Eine US-Studie mit mehr als 20.000 HIV-Patienten stellte so auch fest, dass bei einer Therapie mit Integrasehemmern nur ein geringeres Risiko für ein schweres kardiovaskuläres Ereignis vorhanden ist.

Das RESPOND-Kohortenkonsortium indes, welches sich auf Daten aus Europa, Argentinien und Australien bezieht, erklärte jedoch, dass die Einnahme eines Integrasehemmers das Risiko eines kardiovaskulären Ereignisses sehr wohl in den ersten zwei Jahren der Behandlung erhöhen könne, danach allerdings wieder absinkt. Warum dies so ist, ist noch ungeklärt. Die Forschung in diesem Bereich ist auch deswegen so komplex, weil auch anderweitige, begleitende Krankheitsbilder, sogenannte Komorbiditäten, das Studienergebnis beeinflussen können.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

GALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaFalterLiteraturnobelpreisträgerin Anne Carson: Aus der Zeit gefallen, hoch aktuelltazKurswechsel in Ungarn: Anti-LGBTIQ+-Gesetze gekipptDER STANDARDOrbán-Lager serviert beim Thema LGBT alten Wein aus alten SchläuchenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Nacktbilder als Druckmittel

Was du bei Sextortion tun kannst

Erpressung mit Nacktbildern? Was du jetzt tun kannst, wie du Hilfe bekommst und welche Dienste gegen die unerlaubte Verbreitung helfen.
Andrew Scott im Aids-Drama

Erster Trailer zum Oscar-Kandidaten

Andrew Scott spielt in „Elsinore“ den Schauspieler Ian Charleson, der trotz seiner HIV-Erkrankung als Hamlet gefeiert wurde und 1990 an Aids starb.
Jugendhaft für Grindr-Räuber

Schwule Männer brutal überfallen

Ein 18-Jähriger muss nach brutalen Überfällen auf schwule Grindr-Nutzer in Berlin jetzt sechs Jahre in Jugendhaft.
Queere Schüler besser schützen

Prien fordert Schutz vor Missbrauch

Sexualisierte Gewalt bedroht insbesondere auch queere Schüler. Bundesministerin Karin Prien fordert nun verbindliche Schutzkonzepte an allen Schulen.
Ungarn kippt LGBTIQ+-Verbote

Aus für Anti-Homosexuellen-Gesetz

Ungarns Parlament hebt zentrale LGBTIQ+-Beschränkungen aus der Ära Orban auf. Die Entscheidung folgt auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs.
Schwule Liebe in Avatar-Welt

Schwules Paar begeistert Fans

„Avatar: Seven Havens“ zeigt mit Jae und Datu ein schwules Paar. Die Fans feiern die Liebesszene, während Paramount+ zwei weitere Staffeln bestätigt.
Festnahmen in Indien

Neun Verdächtige nach Mord

Nach dem Mord an dem schwulen Influencer Mad Sandhu in Indien wurden neun Männer festgenommen. Die Polizei vermutet Homophobie und Bandenkriminalität.
Missbrauchsverdacht in Italien

Hausarrest für prominenten Priester

Ein italienischer Priester steht wegen mutmaßlicher sexueller Gewalt gegen einen 20-Jährigen unter Hausarrest. Die Kirche war offenbar vorgewarnt.
Brutaler Angriff in Frankreich

Homophobe Gewalt erschüttert Paris

Nach dem Pariser Pride wurde ein LGBTIQ+-Aktivist brutal zusammengeschlagen. Menschenrechtsorganisationen fordern besseren Schutz vor Hassgewalt.