Direkt zum Inhalt

Hasssprache unter Jugendlichen Diskriminierung auf dem Schulhof: LGBTIQ+ betroffen

Von mr - 01.12.2025 - 21:30 Uhr
Diskriminierung auf dem Schulhof: LGBTIQ+ betroffen
Foto: © iStock / Egoitz Bengoetxea Iguaran
ANZEIGE
Loading audio player...

Homophobie bleibt für viele Jugendliche alltäglich erfahrbar. Herabwürdigende Ausdrücke und diskriminierende Wortwahl kehren bei Schülerinnen und Schülern zurück in offene Kommunikation, als seien gesellschaftliche Fortschritte der vergangenen Jahre ins Stocken geraten. Solche Szenen zeigen: Abwertende Sprache gegen queere Personen ist keineswegs verschwunden, sondern wird wieder selbstverständlicher Teil jugendlicher Alltagskultur.

 

Diskriminierung als Normalität auf dem Schulhof

Beobachtungen bestätigen eine ernüchternde Entwicklung: Kinder und Jugendliche verwenden zunehmend wieder Begriffe wie „Schwuchtel“ oder „Lesbe“ als abfällige, diffamierende Begriffe, nicht selten begleitet von spöttischem Gelächter oder abfälligen Blicken. Derartige Ausfälle sind keine Einzelfälle oder lediglich auf Sozialen Medien zu Hause, sondern spiegeln einen deutschlandweiten Trend wider. Bundesweit zeigen Studien des Deutschen Jugendinstituts, dass queere Jugendliche sehr viel häufiger Mobbing, Ausgrenzung und sogar körperliche Angriffe erleben als ihre heterosexuellen Mitschülerinnen und Mitschüler. Ein Drittel der queeren Jugendlichen berichtete laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge von regelmäßigen Diskriminierungserfahrungen im Schulalltag. Diese Form der Ausgrenzung bleibt oft nicht ohne Folgen für die psychische Gesundheit.

 

Die unsichtbaren Folgen: Suizidgefahr und seelische Belastung

Daten des britischen Statistikamtes zeichnen ein alarmierendes Bild: Die Suizidrate unter queeren Menschen liegt etwa doppelt so hoch wie bei heterosexuellen Gleichaltrigen. Besonders gravierend ist dies bei lesbischen, bisexuellen und trans* Frauen, deren Suizidgefahr mehr als dreimal so hoch ist wie bei heterosexuellen Frauen. Fachleute warnen schon länger, dass wiederkehrende Diskriminierung und das Gefühl ständiger Bedrohung massive Belastungen verursachen können. Viele Betroffene entwickeln Angststörungen, Depressionen oder ziehen sich sozial immer weiter zurück.

 

Mehr Schutz und Aufklärung nötig – gesellschaftliche Verantwortung

Die rechtliche Lage ist eindeutig: Kinder und Jugendliche stehen unter besonderem gesetzlichen Schutz. Doch Schutzmechanismen greifen kaum, solange Begriffe als harmlose Scherze abgetan und Diskriminierung bagatellisiert oder als Schimpfwort eingesetzt werden. Expertinnen und Experten fordern eine verstärkte schulische Aufklärung über sexuelle Orientierungen, nicht als „Frühsexualisierung“, sondern als wirksamen Schutz gegen die Gefahren psychischer Erkrankungen und Vereinsamung.

 

Wenn Sie sich in einer seelischen Krise befinden oder Suizidgedanken haben, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
Dort erhalten Sie rund um die Uhr kostenlos und anonym Hilfe. Weitere Informationen und Chat-Angebote finden Sie unter https://www.telefonseelsorge.de.
In Österreich: Telefonseelsorge 142
In der Schweiz: Dargebotene Hand 143
 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

FalterGossip und Paranoia: Warum wir Promi-Verschwörungstheorien liebenndQueercore | Team Dresch: Die Schönheit der GleichwertigkeittazAusstellung, Buch und Queeres Leben: Sich von Arschlöchern nicht kleinkriegen lassenDER SPIEGELBerlin: Gedenkort für CSD-Anschlag zum dritten Mal attackiertAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Williams fordert Festnahmen

Sexuelle Übergriffe an Universität

Hudson Williams fordert Festnahmen nach einem mutmaßlichen sexuellen Übergriff an der Cornell University. Die Staatsanwaltschaft prüft den Fall neu.
Viel Aufregung in Nigeria

Schwule Webserie wird zum Hit

Die schwule Webserie „Living in Colors“ aus Nigeria ist ein Zuschauer-Hit, während die nigerianische Filmbehörde versucht, die Folgen zu verbieten.
Angriff auf den Regenbogen

Dritter Fall von Vandalismus

Traurig aber immer weniger überraschend für viele: Zum dritten Mal wurde jetzt die Regenbogenbank in Berlin Tiergarten verwüstet.
Fake News aus der KI

KI wird zur Propagandawaffe

Russische Akteure sollen Claude für Propaganda, Fake News und die Überwachung politischer Gegner in Zentralafrika eingesetzt haben, auch gegen LGBTIQ+
Schüler warten auf Schutz

Dramatische Lage an US-Schulen

Unter Präsident Trump liegen zahlreiche Bürgerrechtsfälle an US-Schulen auf Eis. Betroffen sind Vorwürfe zu Rassismus und sexueller Belästigung.
US-Lesbenbar im Rampenlicht

Masken-Streit beschäftigt Hollywood

Eine US-Lesbenbar lockert ihre hauseigene Corona-Maskenpflicht und löst heftigen Streit aus. Nun interessiert sich sogar Hollywood für die Geschichte.
Island setzt Europas Maßstab

Europa führt bei Gleichstellung

Europa führt weltweit bei der Gleichstellung von Frauen und Männern - eine gute Entwicklung auch für LGBTIQ+-Menschen. Weltweit führend ist Island.
Forscher kämpfen für Lambda

Queeres Jugendnetzwerk unter Druck

141 Wissenschaftler fordern eine langfristige Finanzierung des queeren Jugendnetzwerks Lambda und kritisieren das Ende der bisherigen Bundesförderung.
Keine Homophobie bei Nike

Aktionäre stützen LGBTIQ+-Kurs

Ein Antrag zur Überprüfung von Nikes LGBTIQ+-Engagement ist bei den Aktionären deutlich gescheitert: Nur ein Prozent stimmte dafür.