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Hacker ärgern Putin mit schwulem Bild // © Archiv

Hacker ärgern Putin mit schwulem Bild Der „schwule Putin“ sorgt für Wut beim russischen Kriegstreiber

ms - 10.03.2022 - 14:18 Uhr
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Wladimir Putin als schwule Drag-Queen – dieses Bild ist seit 2013 immer wieder auf zahlreichen Pride-Paraden und online präsent und macht auch in diesen Tagen abermals die Runde. Putin trägt darauf Make-Up, Lippenstift und Lidschatten, verbunden mit einem pinken Teint. Der russische Präsident hasst dieses Bild seit Jahren, weswegen er es 2017 als „extremistisches Material“ hat einstufen und damit verbieten lassen. Begründung: Das Bild zeige Putin mit einer „nicht normgerechten sexuellen Orientierung." Geboren als Protestaktion, um gegen die russischen Anti-Homosexuellen-Gesetze vorzugehen, erlebt das Bild nun abermals ein Revival, weswegen die russische Regierung erneut klargestellt hat, dass für die Verbreitung des Bildes Haft- und Geldstrafen ausgesprochen werden. In der, für Putin „schlimmsten Variante“ sieht man ihn geschminkt vor einer Regenbogenflagge.

Die als Anonymous bekannte Hackergruppe hat seit Beginn des Krieges mehrere erfolgreiche Aktionen gegen die russische Regierung durchgeführt - russische Streaming-Dienste wurden ebenso gehackt wie mehrere Webseiten der russischen Regierung, die teilweise sogar ganz lahmgelegt worden sind. Auch der staatliche russische Sender RT, der als Kreml-Propagandainstrument angesehen wird, war von Cyberangriffen betroffen. Mit dem „schwulen-Putin“-Meme setzt die Hacker-Gruppe ihren bisherigen Aktionen nun die Krone auf – oder sollte man sagen: ein schwules Krönchen?

Über die Medien verbreitete Anonymous das Meme, eifrig unterstützt von LGBTI*-Aktivisten und anderen Nutzern sozialer Medien. Der besondere Clou: Die Gruppe der anonymen Hacker konnte den Online-Stream des größten, staatstreuen Fernsehsenders des Landes kapern (Quelle LGBTQ Nation), indem sie sich Zugriff zu den Seiten des Hosting-Anbieters verschafften. Für rund 20 Minuten hatte die Gruppe die Kontrolle und zeigte das, von Putin gehasste Meme mit den Worten "Make Love, Not War". Als die russische Medienanstalt danach schließlich die Kontrolle über ihr Programm zurückerlangte, verbreiteten die Hacker über bulgarische Medien das Meme weiter.

Auch abseits des gehassten Memes versucht Putin derzeit, die Berichterstattung in seinem Land gänzlich unter Kontrolle zu bringen. Diverse Social-Media-Webseiten wurden bereits gesperrt und sowohl inländischen wie ausländischen Journalisten ist es unter Strafandrohung verboten, von Krieg oder Invasion zu sprechen. Sowohl in der russischen wie ukrainischen LGBTI*-Community wird der Clou der Hacker-Gruppe daher umso mehr gefeiert. Aktionen wie diese mögen den Krieg sicherlich nicht beeinflussen können, aber sie zeigen einmal mehr, dass ein Verständnis von Humor und die Fähigkeit, auch über sich selbst lachen zu können, keine Eigenschaften von Despoten sind.  

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