Gay Days Orlando gecancelt Die 35. Jubiläumsausgabe in Disney World findet nicht statt
Die Organisatoren der Gay Days in Disney World Orlando haben jetzt überraschend bekannt gegeben, dass die für Juni 2026 geplante 35. Jubiläumsveranstaltung abgesagt wird. In einer Erklärung hieß es, die Absage sei auf das derzeit schwierige politische Klima, Änderungen bei den Hotelvereinbarungen sowie den Verlust wichtiger Sponsoren zurückzuführen. Auch allgemeine Herausforderungen, mit denen LGBTIQ+-Veranstaltungen im ganzen Land konfrontiert sind, hätten zu der Entscheidung geführt. Die Community steht unter Schock.
Ein Kult-Event muss „pausieren“
Mit „schwerem Herzen“ müsse man mitteilen, dass die Gay Days in diesem Jahr entfallen, so das Veranstaltungsteam: „Diese Entscheidung war unglaublich schwierig und wurde erst getroffen, nachdem alle möglichen Optionen geprüft wurden. Es ist jedoch unmöglich, das Erlebnis zu bieten, das unsere Community verdient.“ Die Verantwortlichen betonten allerdings weiter, dass die Absage nur eine „Pause“ und keinesfalls das generelle Ende der Veranstaltungsreihe sei. Man plane eine Rückkehr in einer „nachhaltigeren“ Form.
Die beliebte Veranstaltung, die jährlich zehntausende von schwulen Besuchern nach Orlando lockt, wurde 1991 ins Leben gerufen. Damals als eintägiger, unorganisierter Ausflug mit der Aufforderung, rote T-Shirts zu tragen und sich in den Themenparks sichtbar zu machen, hat sich das Event im Laufe der Jahre zu einer der größten LGBTIQ+-Reiseveranstaltungen des Landes entwickelt. Die Gay Days umfassen heute nicht nur Besuche in den Freizeitparks, sondern auch Poolpartys, Konzerte und große Versammlungen in der Region Zentral-Florida.
LGBTIQ+-Community unerwünscht
Die Entscheidung der Organisatoren fällt in eine Zeit, in der Florida für die LGBTIQ+-Community zunehmend unwillkommen wirkt. Ein Gesetzesvorhaben, das derzeit in der Staatslegislative des Bundesstaates diskutiert wird, sieht vor, dass Städte und Landkreise keine Maßnahmen mehr ergreifen dürfen, die Unterschiede aufgrund von Geschlecht, Ethnizität, sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität anerkennen oder darauf reagieren – mit wenigen Ausnahmen. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, könnte dies unter anderem Auswirkungen auf lokale Pride-Veranstaltungen und Programme zur Förderung der Vielfalt haben. Befürworter des Gesetzes warnen davor, dass die weit gefassten Formulierungen es jedem Bürger ermöglichen würden, eine Kommune zu verklagen, die gegen das Gesetz verstößt, was auch kulturelle oder religiöse Anerkennungen betreffen könnte.
In den letzten Jahren hat auch Floridas Gouverneur Ron DeSantis immer wieder die Community direkt angegriffen, Pride-Flaggen wurden verboten, LGBTIQ+ wurde im Bereich Tourismus verbannt, queere Bücherverbote ausgesprochen und Beleuchtungen in Regenbogenfarben untersagt. Der jüngste Plan ist die Dezimierung der Fördergelder für HIV-Medikamente – davon betroffen wären rund 15.000 Personen. Dazu kommt seit Jahren das umkämpfte „Don´t Say Gay“-Gesetz, dass LGBTIQ+-Themen an Schulen verbieten soll.
Brandon Wolf von der queeren Organisation Human Rights Campaign kommentierte: „Das ist der Preis der rechten Angriffe auf Menschen, die als weniger angesehen werden: Vereine gefährdet, Veranstaltungen abgesagt, Wirtschaften ruiniert. Ihr Ziel war es immer, uns zum Schweigen zu bringen, aber sie können unser Strahlen nicht dimmen. Ich weiß, dass die Gay Days größer und besser zurückkehren werden als je zuvor.“
Angst vor politischer Lage
Auch das benachbarte Event „One Magical Weekend“, das bisher immer parallel zu den Gay Days stattfindet, reagierte auf die Absage. In einer Erklärung drückte die Veranstaltungsleitung ihr Bedauern über die Pause aus und betonte, dass „Pride-Traditionen“ wichtig seien. Gleichzeitig erklärten die Event-Verantwortlichen, dass die Nachfrage nach ihrer eigenen Veranstaltung im Juni 2026 so hoch sei, dass diese bereits jetzt „fast vollständig ausverkauft“ sei. Am generellen Desinteresse der Community könne es daher nicht liegen, so sinngemäß der Veranstaltungschef Ethan Suarez.
Dennoch merke auch er, dass international ein Rückgang der Besucher zu verzeichnen ist – viele gaben dabei an, aufgrund der politischen Lage in Florida nicht mehr anzureisen. Zudem, so Suarez weiter, habe auch die Sponsorenlandschaft an Stabilität verloren. Ein wichtiger Spirituosen-Sponsor sowie ein Bier- und Weinvertreiber seien dieses Jahr abgesprungen, obwohl neue Unterstützer gewonnen werden konnten. LGBTIQ+-Veranstaltungen sind dabei nicht nur kulturelle Highlights, so Suarez überdies, sondern auch bedeutende Wirtschaftsfaktoren; schwule Tourismus-Events wie die Gay Days tragen erheblich zur lokalen Wirtschaft bei.
Gay Days kehrt zurück
Trotz der aktuellen Pause sind die Organisatoren von Gay Days zuversichtlich, dass die Veranstaltung in einer neu gestalteten Form wiederkehren wird – sie erklärten dazu: „Die Gay Days waren immer mehr als nur eine Veranstaltung – es ist eine Gemeinschaft, eine Familie und ein Ort, an dem so viele unvergessliche Erinnerungen geschaffen wurden. Auch wenn diese Pause schmerzhaft ist, gibt sie uns gleichzeitig die Gelegenheit, einen Schritt zurückzutreten, zuzuhören und die Gay Days für die Zukunft stärker und neu zu gestalten. Dies ist kein Abschied – es ist ein Neustart, und wir freuen uns darauf, die Zukunft von Gay Days gemeinsam zu gestalten.“