Friedliche Demo CSD Hamburg Rund 300.000 Teilnehmer bei der Pride
Eine Woche nach dem Anschlag beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben sich in Hamburg am vergangenen Wochenende nach Angaben der Polizei und der Veranstalter rund 300.000 Menschen an der CSD-Demonstration beteiligt. Damit verzeichnete die Veranstaltung nach Angaben des Vereins "Hamburg Pride" eine Rekordbeteiligung. Dank verschärfter Sicherheitsmaßnahmen verlief der Demonstrationszug friedlich.
Das Wichtigste im Überblick
- Rund 300.000 Menschen beteiligten sich am Hamburger CSD.
- Die Demonstration verlief dank verschärfter Sicherheitsmaßnahmen friedlich und ohne Zwischenfälle.
- Nach dem Anschlag beim Berliner CSD standen Solidarität und Gedenken im Mittelpunkt.
- Politik und Prominente setzten Zeichen für Vielfalt und gegen Diskriminierung.
- Die Gewerkschaft der Polizei zieht eine positive Bilanz, warnte aber vor der hohen Belastung der Einsatzkräfte.
- Für Diskussionen sorgt der zeitweise verweigerte Zutritt zur Europa Passage für Menschen mit Regenbogenflaggen.
Politisches Zeichen beim Pride
Mit rund 60 Trucks und zahlreichen Fußgruppen zog der Demonstrationszug ab 12 Uhr von der Lübecker Straße durch die Hamburger Innenstadt und endete gegen 16.30 Uhr. Der diesjährige Hamburger CSD stand unter dem Motto „Solidarisch queer. Haltung zeigen - für eine Zukunft ohne Angst!“. Zwischen bunt geschmückten Fahrzeugen, Einhörnern, Elfen, Lack- und Lederoutfits sowie viel Glitzer bestimmten Regenbogenflaggen das Straßenbild. Nach Angaben der Polizei blieb die Stimmung während der gesamten Demonstration friedlich und ausgelassen. Zu Zwischenfällen sei es nicht gekommen. Eröffnet wurde der CSD mit einem Hupkonzert der "Dykes on Bikes" sowie einer Konfettikanone. Immer wieder skandierten Teilnehmer den Satz: „Jetzt erst recht“. Manuel Opitz vom CSD-Vereint erklärte: „Wir suchen hier das Gemeinschaftsgefühl.“ Genau das mache den CSD aus, dass „alle zusammen auf die Straße gehen und zeigen, dass die Gesellschaft dabei ist und trägt.“ Auch auf zahlreichen Plakaten wurden politische Forderungen deutlich. Zu lesen war unter anderem : „Wir sind hier, um zu bleiben“ sowie „Taten statt Worte, Merz!“.
Erinnerung und Forderungen
Die Ereignisse in Berlin prägten den Hamburger CSD sichtbar. Viele Teilnehmet trugen schwarze Armbinden, um an die Opfer des Anschlags zu erinnern. Eine vollständig schwarz gekleidete Gruppe des Berliner Pride nahm mit einem eigenen Truck an der Demonstration teil. Bereits im Vorfeld hatte der Berliner Verein bei Instagram erklärt: „Weitermachen und Innehalten gehören für uns zusammen.“ Schon am Freitagabend war zum Auftakt des CSD-Straßenfestes auf dem Rathausmarkt mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht worden. Die Schura, der Rat der islamischen Gemeinden, bezog im Vorfeld Stellung. Wer den Islam für Hass missbrauche, missbrauche die Religion, erklärte die Organisation. Der Islam erlaube keine Selbstjustiz.
Dragqueen Olivia Jones machte deutlich, dass Solidaritätsbekundungen allein aus Sicht der Community nicht ausreichen würden. Diese täten gut und machten Mut, seien aber nicht genug. Passend dazu war auf zahlreichen Schildern die Forderung „Artikel 3 Grundgesetz ergänzen“ zu lesen – bereits in der letzten Woche hatten auch mehrere queere Vereine wie der LSVD+ erneut diese Forderung aufgestellt. Die Union stellt indes klar, nicht für eine Grundgesetzergänzung mit dem Passus der „sexuellen Identität“ als besonderer Schutz für LGBTIQ+-Menschen in Artikel 3 bereitzustehen.
Unter den Demonstranten waren auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft. Die Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang (Grüne) erklärte, sie sei gekommen, „um ein Zeichen zu setzen, dass wir uns die Lebensfreude nicht nehmen lassen“. Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch (SPD), sprach von einem wichtigen Zeichen und einer „tollen Stimmung“. An der Spitze des Zuges liefen außerdem Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) sowie Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Dressel sagte: „Wir wollen diese diverse und freie Gesellschaft sein.“ Olivia Jones rief den Teilnehmern zu: „Wir gehen auf die Straße und sind stolzer denn je.“
Deutlich verstärktes Sicherheitskonzept
Nach dem Anschlag in Berlin hatten die Behörden das Sicherheitskonzept für den Hamburger CSD ausgeweitet. Die Zahl der eingesetzten Polizeikräfte wurde gegenüber der ursprünglichen Planung verdoppelt. Zusätzlich sicherten Betonpoller und Lastwagen als mobile Barrieren die Strecke, um Fahrzeuge von der Demonstration fernzuhalten und gleichzeitig Rettungseinsätze zu ermöglichen. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden lagen bis zuletzt keine konkreten Hinweise auf eine Gefährdung des CSD vor. Die Polizei bestätigte nach Ende der Demonstration einen friedlichen Verlauf.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zog nach dem Einsatz eine positive Bilanz. Der Hamburger Landesvorsitzende Lars Osburg sprach von einer starken Gemeinschaftsleistung von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten. Gleichzeitig verwies die Gewerkschaft auf die hohe Belastung der Einsatzkräfte. Durch Großveranstaltungen wie Hafengeburtstag, Schlagermove und Fußballspiele stehe die Hamburger Polizei in den Sommermonaten dauerhaft unter erheblichem Druck. Viele Beamtinnen und Beamte arbeiteten inzwischen an ihrer Belastungsgrenze.
Eklat in Europa Passage
Am Rande der Veranstaltung sorgte ein Vorfall in der Europa Passage für Kritik. Nach Angaben der Hamburger Polizei verweigerte Sicherheitspersonal mehreren Menschen mit Regenbogenflaggen den Zutritt zum Einkaufszentrum. Der Sicherheitsdienst habe den eingesetzten Beamten erklärt, mit dem Vorgehen das Hausrecht auszuüben. Nach „dem letzten Einschreiten der Polizei“ sei diese Praxis jedoch beendet worden. Warum Betroffene nach Auffassung des Sicherheitsdienstes gegen das Hausrecht verstoßen haben sollen, blieb bisher ungeklärt. Auch weshalb das Vorgehen nach dem Einschreiten der Polizei beendet wurde, wurde zunächst nicht erläutert.
Ein Sprecher des Centermanagements erklärte am Sonntagabend, es habe sich „um Einzelfälle und offenbar um ein Missverständnis gehandelt“. Es habe keine Anweisung an den Sicherheitsdienst gegeben, Menschen mit Flaggen oder Transparenten den Zutritt zu verwehren. Nach Angaben des Managements sei umgehend intern klargestellt worden, dass eine solche Regelung nicht existiere. Gemeinsam mit dem Sicherheitsdienst werde der Vorfall nun aufgearbeitet, um „eventuelle Unklarheiten im Nachgang aufzuarbeiten und aufzulösen“.