Direkt zum Inhalt

Freispruch für Kevin Spacey Jury entschied einstimmig für den Freispruch von Kevin Spacey

Von ms - 21.10.2022 - 08:10 Uhr
Freispruch für Kevin Spacey
Foto: IMAGO / ZUMA Wire
ANZEIGE
Loading audio player...

Der Oscarpreisträger und Schauspieler Kevin Spacey (63) wurde gestern in einem Zivilprozess von dem Vorwurf der sexuellen Belästigung eines jüngeren Kollegen freigesprochen. Der inzwischen 50-jährige Schauspieler Anthony Rapp (Star Trek: Discovery) hatte dem Hollywood-Star vorgeworfen, er habe ihn 1986 sexuell belästigt – Spacey war damals 26 Jahre alt, Rapp selbst erst 14. Beim Prozess verstrickte sich Rapp aber immer wieder in massive Widersprüche, sodass die Jury schlussendlich nach nur wenigen Beratungsminuten die Entscheidung fällte und Spacey freisprach.

Mit diesen Anschuldigungen von Rapp war die Welle der Vorwürfe gegen Spacey einstmals im Jahr 2017 losgetreten worden. Der Schauspieler aus Filmen wie “Die üblichen Verdächtigen“ oder “American Beauty“ outete sich daraufhin zwangsweise als homosexuell, entschuldigte sich für mögliche Missetaten, erklärte aber auch, er habe keinerlei Erinnerung an den angeblichen Vorfall. Diesen Schritt von damals bereut Spacey heute und erklärte nach der gestrigen Urteilsverkündung, er bedauere es, diese Aussagen damals auf Anraten seiner Agenten getätigt zu haben: „Ich habe eine Lektion gelernt. Entschuldige dich nie für etwas, das du nicht getan hast.“ Rapp hatte 2020 eine Strafanzeige gegen Spacey wegen des Vorwurfs eines sexuellen Übergriffs erstattet, die ein Richter aber verwarf, daraufhin kam es in New York zur jetzigen Zivilklage, in der Rapp rund 41 Millionen Euro Schadensersatz gefordert hatte.

Für Jennifer Keller, eine der Anwältinnen von Spacey, war dabei schnell klar, dass Rapp selbst den gesamten Vorfall nur erfunden haben soll. Diesem Urteil schlossen sich auch die sechs Frauen und die sechs Männer auf der Geschworenenbank offensichtlich an. Immer wieder wurde während des Prozesses deutlich, dass sich die vermeintliche Tat, so wie sie von Rapp beschrieben worden war, nicht zugetragen haben kann. Unter anderem hatte Rapp so behauptet, die unsittlichen Berührungen hätten in einem abgetrennten Schlafzimmer in Spaceys damaliger Wohnung in Manhattan stattgefunden – Spacey lebte zu diesem Zeitpunkt aber in einem Studio-Apartment, es gab keine abgetrennten Räume. „Die Geschichte funktioniert nur, wenn man eine Wand und eine Tür erfindet“, so Spaceys Anwältin. Zudem weißt die Geschichte von Rapp offenbar frappierende Ähnlichkeit zu der Szene eines Theaterstücks am Broadway auf, in dem Rapp damals eine Rolle spielte. In “Precious Sons“ verwechselt ein betrunkener Vater seinen Sohn mit seiner Ehefrau und legt sich zu ihm ins Bett. Die Szene, wie der Vater dies im Theaterstück tut, soll sich in Rapps Anschuldigungen gegenüber Spacey beinahe deckungsgleich widerspiegeln. So hatte Rapp Spacey vorgeworfen, er habe ihn am Hintern berührt, hochgehoben und sich angeblich zu ihm gelegt. Spacey hatte die Vorwürfe vehement zurückgewiesen. Er habe Rapp und dessen Kollegen John Barrowman nach einer Broadway-Vorstellung zum Essen eingeladen und sie dann in seine Wohnung gebracht, wo er mit Barrowman geflirtet habe. An dem minderjährigen Rapp habe er zu keinem Zeitpunkt Interesse gehabt, so Spacey, der zudem erklärte: "Anthony Rapp wirkte wie ein Kind und John Barrowman wirkte wie ein Mann." In einer eidesstattlichen Erklärung hatte auch Barrowman die Richtigkeit von Spacey Aussagen bestätigt. Rapp hatte daraufhin seine erste Aussage geändert und behauptet, die Übergriffe hätten erst einige Tage später stattgefunden. Im Laufe des dreiwöchigen Prozesses kam es so immer wieder zu Ungereimtheiten, die Rapp auch nicht erklären konnte.

Die Behauptungen von Rapp setzten der Karriere des zweifachen Oscarpreisträgers 2017 ein jähes Ende. Spacey wurde aus der Netflix-Serie “House of Cards“ rausgeschrieben und aus einem bereits fertig abgedrehten Film rausgeschnitten und von einem Kollegen durch nachträgliche Dreharbeiten ersetzt. Seitdem hat der 63-Jährige keine Rollen mehr gespielt. Auch andere Anschuldigungen und Ermittlungen gegen Spacey wurden inzwischen eingestellt, einzig in London steht noch ein letzter Prozess an. Auch hier wird ihm vorgeworfen, Spacey sei gegenüber drei Männern zwischen den Jahren 2005 bis 2013 übergriffig geworden. Im Juli dieses Jahres hatte Spacey vor dem Londoner Gericht ebenso auf nicht schuldig plädiert, ein Urteil wird nicht vor 2023 erwartet.   

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

MOPO„Schwule Scheiße“: St. Pauli-Buhmann Behrens relativiert seine Skandal-AussagenBILD„Wird man nicht los“ - Ex-DFB-Stürmer äußert sich zu Homophobie-EklatDie PresseKanadierin Anne Carson erhält Literaturnobelpreis: Ein oft kryptisches Werk, betörend schönBR24Niedrigwasser: Bodensee-Wasserstand nicht mehr ablesbarAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Russlands Strafen explodieren

Rekordbußen gegen LGBTIQ+

Russland verschärft die Verfolgung von LGBTIQ+-Menschen: 2025 stiegen die Geldstrafen um 83 Prozent, die Verfahren um ein Drittel.
Verbot spaltet Tasmanien

Streit um Homo-Heilung

Tasmanien will über ein Verbot von Konversionsmaßnahmen abstimmen. Während die Befürworter auf Schutz drängen, warnen Gegner vor Einschränkungen.
Behrens rechtfertigt Eklat

Kicker betont "dumme Aussage“

Zwei Jahre nach seinem homophoben Spruch spricht Fußballer Kevin Behrens über die Folgen des Eklats, Anfeindungen und Probleme bei der Vereinssuche.
Niederlande zeigen Lila

Statement gegen Ausgrenzung

Am „Lila Freitag“ zeigen die Niederlande heute Solidarität mit LGBTIQ+-Jugendlichen vor dem Hintergrund sinkender Akzeptanz gegenüber Homosexuellen.
BBC entschuldigt sich

Vorwürfe gegen schwules Paar

Nach falschen Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens entschuldigt sich die BBC bei den PinkNews-Verantwortlichen und zahlt eine hohe Entschädigung.
Mahnwache in Berlin

Schutz der Regenbogenbank

Nach wiederholten Angriffen auf den CSD-Gedenkort im Berliner Tiergarten wollen Grüne mit einer dreitägigen Mahnwache ein Zeichen setzen.
Alfie Watts ist bisexuell

Outing von britischen TV-Liebling

Der britische TV-Star Alfie Watts hat sich erstmals öffentlich als bisexuell geoutet. Der 23-Jährige sprach zudem auch über seine Ängste.
David Furnish will HIV stoppen

Ende der Übertragungen bis 2030?

David Furnish sieht die medizinischen Voraussetzungen für ein Ende neuer HIV-Übertragungen erfüllt. Doch Diskriminierung bleibt ein Hindernis.
Aus Trauer wurde Hoffnung

Pulse-Überlebender erinnert sich

Zehn Jahre nach dem Anschlag auf den Pulse-Nachtclub erinnert Brandon Wolf an seinen ermordeten Freund Drew und hilft LGBTIQ+-Jugendlichen.