Direkt zum Inhalt
Flucht aus Tschetschenienv

Flucht aus Tschetschenien Das Martyrium eines jungen schwulen Tschetschenen ist vorbei

ms - 23.01.2024 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Im Sommer 2022 war Rizvan Dadayev in Tschetschenien festgenommen worden, weil er schwul ist – in einem Video hatten ihn seine Entführer gezwungen, seine sexuelle Orientierung zuzugeben und zu erklären, dass er auf der Suche nach Sex mit einem anderen Mann gewesen sei. Kurz darauf verschwand der junge Mann spurlos – jetzt gelang Dadayev die Flucht.

Monatelange Folter durch Polizisten

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation SK SOS gegenüber der Moscow Times war er monatelang im Keller einer Polizeistation in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny festgehalten und dabei immer wieder brutal gefoltert worden. Mehrere Beamte sollen den jungen Schwulen auch des Öfteren bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen und misshandelt haben, darunter auch der örtliche Polizeichef.

Ein anderer Beamter, der ihn ebenso attackierte, soll zur Familie des Präsidenten Ramsan Kadyrow gehören, der selbst immer wieder offen zur Gewalt gegenüber Homosexuellen aufgerufen hat. An anderer Stelle erklärte er salopp, in Tschetschenien gäbe es gar keine homosexuellen Männer. 

Flucht aus Russland

Warum der Mann schlussendlich Ende 2022 wieder freigelassen wurde, ist unklar – nach Angaben der örtlichen Polizei habe man einen medialen Aufschrei von LGBTI*-Aktivisten schlussendlich vermeiden wollen. Seitdem war Dadayev auf der Flucht, verbrachte eine Zeit auch in Russland, wo ihm jederzeit drohte, erneut verhaftet zu werden.

Mit Hilfe der Menschenrechtsorganisation gelang ihm jetzt offenbar die Flucht nach Europa, wo er aktuell lebt. Ein konkretes Land will SK SOS bewusst nicht nennen, denn es ist zu befürchten, dass der junge schwule Mann ansonsten entführt und nach Tschetschenien zurückgebracht wird. In einem Video versicherte der junge Tschetschene, dass es ihm inzwischen wieder gut gehe und er ein Leben lang eine tiefe Dankbarkeit gegenüber seinen Helfern verspüren werde.

Rizvan Dadayev lebt heute in Sicherheit in Europa

Zahlreiche Folter-Berichte

Dadayev ist der jüngste Fall von zahlreichen nachweisbaren Berichten in den letzten Jahren, die immer wieder die grausamen Folterungen von Schwulen in der überwiegend muslimischen russischen Republik Tschetschenien festgehalten haben.

Zuletzt verdichteten sich so auch die Hinweise im letzten Jahr, dass Präsident Kadyrow den bekannten tschetschenischen schwulen Popstar Zelimkhan Bakaev (25) vor einigen Jahren entführen und schlussendlich ermorden ließ. SK SOS hat indes bereits rund 370 Personen zur Flucht aus der Region verhelfen können.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Fans und Crew bestürzt

Dreharbeiten vorerst ausgesetzt

"Drag Race Philippines" trauert: Die Kandidatin Misua ist plötzlich während der Dreharbeiten gestorben. Sie wurde nur 27 Jahre alt.
Direkte Folgen für Sicherheit

Gewaltschutzgesetz-Anpassung nötig

Personen aus der LGBTIQ+-Community sind laut Forschung besonders häufig von digitaler Gewalt betroffen, die durch KI-Einsatz gezielt verstärkt wird.
Er sei besser als Donald Trump

Ex-CNN-Moderator ins Weiße Haus?

Don Lemon hat erstmals öffentlich darüber gesprochen, sich vorstellen zu können, als erster offen schwuler US-Präsident zu kandidieren.
25 Jahren nicht in Deutschland

Entscheidung fällt im Oktober

Dresden steht vor der Ausrichtung des Europride 2029, Deutschland wäre nach 25 Jahren wieder Ausrichter.
Urteil gegen Jacques Tilly

102 Monate Haft für Karnevalsbauer

Ein Gericht in Moskau hat den Karnevalswagenbauer Jacques Tilly in Abwesenheit zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
Diskriminierung bei Gesundheit

RKI legt neue Studiendaten vor

Eine neue Studie des RKI zeigt auf, dass queere Menschen nach wie vor im deutschen Gesundheitsbereich besonders oft Diskriminierung erleben.