Neue Wege in Englands Kirche Sarah Mullally ist die neue Erzbischöfin von Canterbury
Die Church of England hat erstmals in ihrer Geschichte eine Frau in ihr höchstes geistliches Amt berufen. Sarah Mullally ist bei einer feierlichen Zeremonie in der Londoner St.-Paul’s-Kathedrale offiziell als neue Erzbischöfin von Canterbury bestätigt worden. Die Zustimmung zu ihrer Ernennung hatte zuvor König Charles III. als formales Oberhaupt der anglikanischen Kirche erteilt.
Zeitenwende in England
Mullally ist damit die 106. Inhaberin des Bischofsamts von Canterbury und zugleich die ranghöchste geistliche Vertreterin der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft, der rund 85 Millionen Menschen in über 165 Ländern angehören. Sie folgt auf Justin Welby, der vor knapp einem Jahr seinen Rücktritt angekündigt hatte. Hintergrund war seine Rolle bei der verzögerten Aufarbeitung eines Missbrauchsskandals. Das Amt blieb nach seinem Ausscheiden über mehrere Monate hinweg vakant.
In ihrer Ansprache während der Zeremonie erklärte Mullally, sie wolle eine Kirche leiten, „die denjenigen immer Gehör schenkt, die ignoriert oder übersehen wurden, darunter Opfer und Überlebende von Missbrauch in der Kirche, die oft im Stich gelassen wurden“. Zugleich verwies sie auf den Anspruch der Kirche, sich „den Herausforderungen von Gottes Ruf nach Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Frieden und der Bewahrung der Schöpfung“ zu stellen.
Unterstützerin von Homosexuellen
Die 63-Jährige gilt als progressiv, insbesondere bei Fragen der kirchlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Sie hat sich dafür ausgesprochen, dass in der Church of England künftig Gebete und Segensformen für homosexuelle Paare möglich werden. Sie gehörte 2023 auch zum Kreis jener Bischöfe, die für die Einführung von Segensgebeten für gleichgeschlechtlich verheiratete oder partnerschaftlich verbundene Paare gestimmt haben.
Kritisch steht sie hingegen dem geplanten Gesetz zur aktiven Sterbehilfe der Labour-Regierung gegenüber, das derzeit im Parlament beraten wird. Vor ihrer kirchlichen Laufbahn arbeitete Mullally als Krankenschwester in der Betreuung von Krebspatienten. Seit 2018 war sie Bischöfin von London.
Spaltung in der Glaubensgemeinschaft
In einem Interview mit der BBC sagte Mullally, sie habe sowohl in ihrem früheren Beruf als auch innerhalb der Kirche Frauenhass erlebt. „Mir ist bewusst, dass es in meiner Rolle wichtig ist, darüber zu sprechen, weil es manche gibt, die nicht unbedingt den Status oder die Macht dieses Postens haben und da zögerlicher sind“, erklärte sie. Es sei ihr Anliegen, ein Umfeld zu schaffen, „in dem jeder aufblühen könne und das für alle sicher sei“, sagte die neue Erzbischöfin.
Vor allem in Afrika reagierten bereits im letzten Jahr anglikanische Kirchen mit Abneigung auf die Berufung von Mullally, die Kirche von Nigeria spaltete sich bereits direkt von der Mutterkirche ab, weil sie sowohl die positive Einstellung gegenüber Homosexuellen wie auch eine Frau im höchsten Amt der Kirche nicht akzeptieren wollen.