Direkt zum Inhalt
Thomas Hitzlsperger: Homosexualität "auf Platz noch immer ein Tabu"
ANZEIGE

Ex-Fußballer spricht Klartext Thomas Hitzlsperger: Homosexualität "auf Platz noch immer ein Tabu"

spot/FASH - 14.02.2024 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Warum gibt es in Deutschland noch immer keine aktiven, öffentlich homosexuellen Fußballspieler? Thomas Hitzlsperger hat mehrere Erklärungsansätze - auch aus seiner eigenen Erfahrung.

Auch im Jahr 2024 gilt es aus Sicht des ehemaligen deutschen Fußball-Nationalspielers Thomas Hitzlsperger (41) als sehr unwahrscheinlich, dass sich ein aktiver Profi der Bundesliga als schwul outet. Im Rahmen seiner neuen Amazon-Doku "Das letzte Tabu" sprach "Hitz The Hammer", der selbst erst nach dem Ende seiner aktiven Karriere sein Coming-out feierte, mit der "Bild"-Zeitung über die möglichen Gründe dafür.

Seiner Meinung nach ist die deutsche Medienlandschaft sowie die Tatsache, dass "man keinen aktiven homosexuellen Fußballer kennt in Deutschland", hierfür verantwortlich. "Man sieht die Symbole, die Fan-Kurven und man denkt: alles kein Problem mehr. Aber bei den Hauptakteuren, den Spielern, da ist es ein Problem." Ein mögliches Coming-out würde den jeweiligen Akteur sofort ins Zentrum der hiesigen Berichterstattung spülen.

Ein Profi zeigt, wie es gehen könnte

Für Hitzlsperger eine nachvollziehbare Form von Interesse, die den wenigsten davon betroffenen Akteuren jedoch recht sein dürfte: "Eine Neugierde ist schon noch da. Aber die Fans mögen persönliche Geschichten, man schreibt über Trennungen, man schreibt über eine neue Liebe, über Kinder, über Hochzeit, über alles, das gehört nun mal zum Profifußball dazu. Wir dürfen nicht so tun, als würde das keinen interessieren. Was aber noch anders ist: Dieser Zwischenschritt, es vielleicht öffentlich sagen zu müssen, dass man schwul ist."

Zugleich gebe es in Person des Cagliari-Profis Jakub Jankto (28) bereits ein gutes Beispiel, wie reibungslos das Coming-out eines aktiven Spielers aus einer großen Liga (Serie A, Italien) verlaufen kann: "Der hat das einmal öffentlich gemacht und seither wenig darüber gesprochen. Da hat man gemerkt, dass es keine große Sache sein muss." Vor genau einem Jahr, am 13. Februar 2023, machte der tschechische Nationalspieler mit einem Twitter-Video seine Homosexualität öffentlich.

Wurde er selbst schlecht beraten?

2010 hatte Hitzlsperger sein letztes Spiel für die Nationalmannschaft absolviert, drei Jahre später beendete er auch auf Vereinsebene seine Karriere. Ein Jahr danach erklärte er dann im Interview mit "Die Zeit", homosexuell zu sein. Damit bis nach seiner Profikarriere gewartet zu haben, bereue er nicht. "Es hätte mich schon interessiert, wie die Kollegen reagieren, die Öffentlichkeit. Die Erfahrung kann ich leider nicht mehr machen. Aber mir geht es jetzt gut."

Er könne sich aber noch gut daran erinnern, wie ihm 2012 ein eingeweihter Medienanwalt den Rat gab: "Auf keinen Fall darüber reden!" Damals war Hitzlsperger noch Spieler beim VfL Wolfsburg und ging zu dem Anwalt, "um zu fragen, ob ich das Interview über das Coming-out führen soll. Eine Stunde später bin ich raus und wusste: Ich sage gar nichts mehr."

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Aktivisten verlassen Kamerun

Community massiv unter Druck

In Kamerun bedrohen Exil, Erschöpfung und sinkende Fördermittel die Strukturen der LGBTIQ+-Community und ihre bisherigen Erfolge.
Gay for Pay bei OnlyFans

Zwischen Geld, Sex und Identität

Eine wachsende Gruppe heterosexueller Männer produziert auf OnlyFans explizite Inhalte für ein schwules Publikum und ändert Debatten über Männlichkeit
Schwules Vampir-Märchen

Sexy Fischer trifft Walfänger

Ein umjubelter schwuler Horrorfilm erzählt von einer verbotenen Liebe zwischen einem Fischer und einem Walfänger auf den Färöer-Inseln.
„Benedictwink“ geht viral

Vom Papst zum Internet-Schwarm

Ein Jugendfoto von Benedikt XVI. sorgt online für schwule Begeisterung – und lenkt den Blick auf seine umstrittene Vergangenheit.
Pride als UNESCO-Kulturerbe

Petition soll Idee vorantreiben

Die Pride-Bewegung soll als immaterielles Kulturerbe anerkannt werden, fordert jetzt auch eine Petition, nominiert von den Niederlanden.
Jetten warnt vor Rückschritten

Niederlande sehen neue Spannungen

Der niederländische Premierminister Rob Jetten warnt vor schwindender LGBTIQ+-Akzeptanz unter jungen Menschen und fordert mehr Engagement.
HIV-Wissen für die Polizei

Aktion in Großbritannien

Ein Londoner Polizist will mit HIV-Schulungen Vorurteile abbauen und setzt sich für verpflichtende Aufklärung bei der britischen Polizei ein.
Spaltung der Community

Kritik an Log Cabin Republicans

Der einstige LGBTIQ+-Verein Log Cabin Republicans in den USA will künftig nur noch LGB-Interessen vertreten und stößt damit auf scharfe Kritik.
Gesetzvorschlag in Indonesien

LGBTIQ+-Menschen unter Druck

Ein Dekret der indonesischen Regierung sorgt für scharfe Kritik, während LGBTIQ+-Menschen zunehmend Gewalt und Verfolgung ausgesetzt sind.