Eskalation in Burkina Faso Lage für Homosexuelle wird noch dramatischer
Die jüngsten Aussagen von Burkina Fasos Militärführer Ibrahim Traoré, dass das burkinische Volk „die Demokratie vergessen“ solle, werfen einen dunklen Schatten auf die politische Zukunft des westafrikanischen Landes. In einem Interview mit dem Staatsfernsehen RTB erklärte Traoré: „Wenn ein Afrikaner dir von Demokratie erzählen will, solltest du weglaufen. Demokratie tötet.“ Traoré, der 2022 nach einem Putsch an die Macht kam, sieht sich selbst nicht als Vertreter einer demokratischen Ordnung, sondern als Befürworter einer „Progressiven Volks-Revolution“. Für Homosexuelle im Land dürfte sich nach den jüngsten Ankündigungen die Lage noch weiter dramatisieren.
Das Wichtigste im Überblick:
- Burkina Fasos Machthaber Ibrahim Traoré fordert das burkinische Volk auf, „die Demokratie zu vergessen“.
- Seit dem Putsch 2022 hat Traoré die zivile Herrschaft versprochen, jedoch inzwischen Wahlen verschoben und politische Parteien aufgelöst.
- Experten befürchten, dass das Land auf dem Weg zu einer Militärdiktatur ist. Die internationale Gemeinschaft hält sich größtenteils zurück.
- Die Lage von Schwulen und Lesben im Land verschlechtert sich immer mehr.
Militärregierung statt ziviler Herrschaft
Traoré, der zunächst die Rückkehr zu einer zivilen Herrschaft innerhalb von zwei Jahren versprach, hat in den letzten Monaten zunehmend autoritäre Schritte unternommen. 2023 verlängerte er sein Mandat um fünf Jahre und ließ im Januar 2024 alle politischen Parteien auflösen. Ein neues „Übergangsregime“ wurde in Form der „Charta der Progressiven Volks-Revolution“ eingeführt, die nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Paul Amegakpo dem Selbstbestimmungsrecht der burkinischen Bevölkerung einen schweren Schlag versetzt. Laut Amegakpo gefährde dies das demokratische Recht des Volkes, seine Vertreter zu wählen, und führe das Land auf den Weg einer Militärdiktatur, wie er gegenüber der Deutschen Welle erklärte.
Autoritarismus statt Demokratie
Der nigerianische Sicherheitsberater Cheta Nwanze erklärte, dass die Demokratie im Sahel in den letzten Jahren gescheitert sei, vor allem durch die Unfähigkeit, die Bürger vor Terrorismus zu schützen. „In Westafrika haben Putschisten das Vakuum gefüllt, das von gescheiterten Regierungen hinterlassen wurde. Traoré repräsentiert einen effizienten Autoritarismus, der an die Stelle einer ineffizienten Demokratie tritt“, so Nwanze. Traoré wird zunehmend als „Kriegs-CEO“ gesehen, der den Fokus stärker auf die Rückeroberung von Gebieten legt, als auf politische Prozesse oder demokratische Institutionen. Besonders in sozialen Medien wird der junge Machthaber als Held gefeiert, auch wenn Experten darauf hinweisen, dass viele dieser Lobeshymnen möglicherweise durch gezielte Propaganda gesteuert werden.
Sicherheitslage für Schwule
Die Sicherheitslage in Burkina Faso bleibt angespannt. Laut dem Global Terrorism Index 2026 hat sich die Zahl der Terroropfer im Land zwar verringert, aber immer noch wird das Land von Terrorgruppen wie der mit Al-Qaida verbundenen JNIM dominiert. Ende März 2025 wurden in Burkina Faso 846 Menschen bei Terroranschlägen getötet, darunter auch eine unbekannt große Zahl an Schwulen. Im Sommer 2025 verabschiedete Traoré bereits ein neues Gesetz, das Homosexualität kriminalisiert, kurz darauf trat das Land außerdem aus dem Internationalen Strafgerichtshof aus. Zuvor waren gleichgeschlechtliche Handlungen nicht verboten, nun drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.
Seitdem haben Lynchjustiz, Gewalt und Morde gegenüber schwulen Männern rapide zugenommen. „Mit dem neuen Gesetz gibt es keine Atempause mehr. Immer mehr Menschen im Land fühlen sich verpflichtet, sich an der Verfolgung von Homosexuellen zu beteiligen. Schwule Männer erleben eine gnadenlose Hexenjagd“, so der schwule Aktivist Quentin gegenüber der Menschenrechtsorganisation 76crimes. Auch queere Vereine werden immer stärker das Ziel von Angriffen. „Die Community ist extremer Gewalt ausgesetzt, wobei manche Menschen sogar zu Mord fähig sind. Das Gesetz kann als Aufforderung interpretiert werden, Gewalt gegen uns auszuüben“, so der schwule Aktivist weiter.
Schweigen der EU
Ein auffälliges Merkmal der Regierung ist auch der zunehmende Einfluss von Russland auf das Land. Traoré hat öffentliche Sympathie für den Kreml und Wladimir Putin geäußert, während er westliche Hilfe ablehnt. Obwohl Traoré zunehmend autoritäre Züge zeigt und seine Ablehnung der Demokratie öffentlich bekräftigt, bleibt die internationale Reaktion verhalten. Die EU, die Vereinigten Nationen und die meisten westlichen Regierungen haben sich bislang nicht öffentlich zu seinen Äußerungen geäußert.