Direkt zum Inhalt
ESC-Zukunft weiter offen
ANZEIGE

ESC-Zukunft weiter offen Werden Spanien, Island und Belgien 2027 nicht teilnehmen?

ms - 08.06.2026 - 14:30 Uhr
Loading audio player...

Sechs Monate nach den weitreichenden Boykottentscheidungen rund um den Eurovision Song Contest 2026 ist die weitere Entwicklung in mehreren Ländern weiterhin offen. Nachdem sich fünf ehemalige Teilnehmerstaaten aus Protest gegen die fortgesetzte Teilnahme Israels vom Wettbewerb zurückgezogen hatten, gibt es bislang nur wenige konkrete Hinweise darauf, welche Nationen 2027 zurückkehren könnten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Fünf Länder verzichteten 2026 auf eine Teilnahme am Eurovision Song Contest.
  • Auslöser war die Entscheidung der EBU, Israel weiterhin am Wettbewerb teilnehmen zu lassen.
  • Spanien, Island, Irland, die Niederlande und Slowenien zogen sich zurück.
  • Spanien hat sich bislang nicht zu einer Teilnahme 2027 bekannt.
  • Island übertrug den Wettbewerb trotz Boykotts im Fernsehen.
  • Belgien könnte 2027 ebenfalls aussetzen, falls Israel weiterhin teilnimmt.
  • Die Diskussionen um den ESC bleiben in mehreren Ländern politisch aufgeladen.

Fünf Länder erklärten Boykott

Ausgangspunkt der Kontroverse war die Generalversammlung der Europäischen Rundfunkunion (EBU) im Dezember 2025. Dort wurde darüber abgestimmt, ob die zuvor beschlossenen Reformen für den Eurovision Song Contest ausreichend seien oder weitere Maßnahmen erforderlich würden. Hintergrund waren Diskussionen über das Abstimmungssystem des Wettbewerbs. Die Organisatoren hatten daraufhin unter anderem strengere Regeln für Werbekampagnen eingeführt und die maximale Zahl möglicher Stimmen pro Zahlungsmethode auf zehn begrenzt.

Nach Abschluss der Versammlung erklärte die EBU, die Mehrheit ihrer Vollmitglieder habe die neuen Regelungen als ausreichend bewertet. Dadurch blieb die Teilnahme sämtlicher berechtigter Länder möglich – einschließlich Israels. Mehrere Rundfunkanstalten fühlten sich nach eigenen Angaben mit ihren Bedenken jedoch nicht ausreichend berücksichtigt. In der Folge erklärten zunächst vier Länder ihren Rückzug vom Wettbewerb. Wenig später schloss sich auch Island an. Damit verzichteten Spanien, Slowenien, die Niederlande, Irland und Island auf eine Teilnahme am ESC 2026.

Spanien hält sich bedeckt

Besonders aufmerksam wird die Situation in Spanien verfolgt. Das Land war das einzige Mitglied der sogenannten „Big Five“, das sich aus dem Wettbewerb zurückzog. Der öffentlich-rechtliche Sender RTVE bewirbt bereits das Benidorm Fest 2027, das erneut stattfinden soll. Ob die Veranstaltung allerdings wieder als nationaler Vorentscheid für den Eurovision Song Contest genutzt wird, bleibt bislang offen.

Wie stark das Thema in Spanien politisiert ist, zeigte sich bereits während der ESC-Woche 2026. Ministerpräsident Pedro Sánchez erklärte damals auf der Plattform X, Spanien stehe durch den Boykott auf „der richtigen Seite der Geschichte“. Der spanische Sender ging sogar noch einen Schritt weiter. Anders als andere Boykottländer verzichtete RTVE nicht nur auf die Teilnahme am Wettbewerb, sondern übertrug die Veranstaltung aus Wien auch nicht im Fernsehen und berichtete ebenfalls nicht darüber.

In Spanien wird seit Monaten darüber spekuliert, inwieweit die Haltung des Senders durch die aktuelle linksorientierte Regierung beeinflusst wird. Diese sieht sich immer wieder Korruptionsvorwürfen ausgesetzt, zugleich werden regelmäßig Forderungen nach vorgezogenen Neuwahlen laut. Beobachter gehen deshalb davon aus, dass die Haltung Spaniens zum Eurovision Song Contest auch von künftigen politischen Entwicklungen abhängen könnte. Der Direktor des spanischen Fernsehens, Sergio Calderón, wurde während der diesjährigen ESC-Woche bereits auf eine mögliche Rückkehr angesprochen. Er erklärte damals, man werde prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Rückkehr gegeben seien. Eine Entscheidung über die Teilnahme am Eurovision Song Contest 2027 wurde bislang jedoch nicht bekanntgegeben.

Island sendet vorsichtige Signale

Ähnlich unklar bleibt die Lage in Island. Der öffentlich-rechtliche Sender RÚV hatte sich vor seiner Entscheidung deutlich mehr Zeit gelassen als andere Länder. Letztlich verzichtete Island zwar auf eine Teilnahme in Wien, nahm jedoch eine andere Position ein als Spanien. So wurden sowohl die Halbfinals als auch das Finale des Eurovision Song Contest im isländischen Fernsehen ausgestrahlt. Eine Rückkehr Islands erscheint daher derzeit zumindest denkbar. Offizielle Aussagen über eine Teilnahme im Jahr 2027 liegen bislang allerdings nicht vor.

Belgien als Problemfall?

Während Belgien 2026 weiterhin am Wettbewerb teilnahm, gilt das Land inzwischen ebenfalls als möglicher Wackelkandidat für die kommende Ausgabe. In diesem Jahr lag die Verantwortung für die ESC-Teilnahme beim Sender RTBF. Dieser gilt hinsichtlich der Israel-Frage als vergleichsweise liberal und entschied sich nach längeren internen Beratungen für eine Teilnahme. Mit der Sängerin Essyla gelang Belgien sogar erneut der Einzug ins Finale. Für 2027 könnte sich die Situation jedoch grundlegend ändern. Dann übernimmt turnusgemäß wieder der flämische Sender VRT die Verantwortung für den Wettbewerb.

VRT hatte bereits in der Vergangenheit deutlich gemacht, einen Boykott zu befürworten, solange Israel weiterhin teilnehmen darf. Nach Angaben der Pressesprecherin Yasmin Van der Borcht hat sich an dieser Haltung bislang nichts geändert. Sie kritisierte insbesondere, dass bei der EBU-Generalversammlung lediglich über die neuen ESC-Regeln abgestimmt worden sei und keine gesonderte Abstimmung über Israels Teilnahme stattgefunden habe. Van der Borcht erklärte: „Wir erwarten eine starke Botschaft der EBU gegen Krieg und Gewalt sowie für die Achtung der Menschenrechte. Dies sind die Werte, die das Festival vereinen sollte – und derzeit werden sie viel zu sehr in den Schatten gestellt. Daher fordern wir einen klaren Rahmen für die Teilnahme, eine offene Diskussion sowie eine sofortige Abstimmung unter den EBU-Mitgliedern. Bislang haben wir darauf keine angemessene Antwort erhalten.“ Vor diesem Hintergrund gilt eine belgische Teilnahme am Eurovision Song Contest 2027 derzeit als alles andere als sicher.

Debatte bleibt bestehen

Auch ein halbes Jahr nach der Boykottwelle bleibt die Diskussion um Israels Rolle beim Eurovision Song Contest daher eines der bestimmenden Themen innerhalb der europäischen Rundfunklandschaft. Während einige Länder weiterhin auf Reformen und Dialog setzen, machen andere ihre künftige Teilnahme ausdrücklich von Entscheidungen der EBU abhängig. Ob Spanien, Island oder andere Boykottstaaten 2027 auf die ESC-Bühne nach Bulgarien zurückkehren werden, dürfte sich deshalb erst in den kommenden Monaten entscheiden.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Polen blockiert Homo-Ehe

Streit mit der EU wächst massiv

Polnische Gerichte streiten erneut über die Anerkennung gleichgeschlechtlicher EU-Ehen, während auch die Slowakei in einen Konflikt mit der EU gerät.
Weltmeister im Fokus

Spekulationen um Ibiza-Küsse

Neue Ibiza-Fotos von Ferran Torres und Marcos Llorente lösen Spekulationen aus – die beiden spanischen WM-Weltmeister flirten und küssen sich dabei.
Nackte setzen Zeichen

Regenbogen-Kunst für Vielfalt

Hunderte Menschen bildeten auf Gran Canaria nackt eine Progress-Pride-Flagge – als Kunstwerk für Vielfalt und Zeichen der Solidarität mit Berlin.
Boy George sorgt für Kritik

Umstrittener neuer Song

Boy George veröffentlichte ein pro-israelisches Lied über den Hamas-Angriff und löst damit jetzt heftige Kritik aus.
Mehr Hass im Stadion

Homophobie nimmt zu

Eine neue Statistik zeigt: Bei fast 15 Prozent der britischen Premier-League-Fußballspiele wurden in der Saison 2025/26 homophobe Vorfälle gemeldet.
CSD Nürnberg findet statt

Sicherheitskonzept erneut überprüft

Trotz der Amokfahrt in Berlin findet der CSD Nürnberg 2026 wie geplant statt – das Sicherheitskonzept wurde jetzt überprüft und nachgeschärft.
Umfragehoch für Buttigieg

Der Weg ins Weiße Haus?

Neue Umfragen sehen den schwulen Politiker Pete Buttigieg bei den möglichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten für 2028 vorn.
Online-Verbote in Österreich

Social-Media-Grenze für Jugendliche

Österreich plant ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige – Fachverbände warnen vor besonderen Risiken für queere Jugendliche.
Proteste in Hamburg

Trans* Block plant Die-In

Beim CSD Hamburg wollen trans* Menschen und Sexarbeiter mit einem Die-In auf Gefahren, politische Forderungen und Versorgungslücken hinweisen.