Erster Gay Visibility Day Köln Neuer Aktionstag, Prominente unterstützen Initiative
Das queere Jugendzentrum anyway in Köln veranstaltet am 20. Juni 2026 erstmals den Gay Visibility Day. Mit dem nach Angaben der Organisatoren weltweit bislang einmaligen Aktionstag soll die Sichtbarkeit von schwulen, bisexuellen und queeren Jungen sowie Männern gestärkt werden. Das anyway versteht den Tag als Pendant zum Lesbian Visibility Day, Bisexual Visibility Day und Trans Visibility Day.
Das Wichtigste im Überblick
- Das Kölner queere Jugendzentrum anyway veranstaltet am 20. Juni erstmals den Gay Visibility Day.
- Der Tag soll die Sichtbarkeit schwuler, bisexueller und queerer Jungen und Männer fördern.
- Zahlreiche Prominente wie Riccardo Simonetti, Thorsten Schorn, Jochen Schropp, Peter Plate und Sven Lehmann unterstützen die Initiative.
- Das anyway versteht den Tag als Pendant zu bestehenden Sichtbarkeitstagen für lesbische, bisexuelle und trans* Menschen.
- Geplant sind Workshops, Vernetzungsangebote und ein Filmabend für junge Menschen bis 27 Jahre.
Sichtbarkeit schwuler Männer
„Wir wünschen uns, dass der Gay Visibility Day zu einem festen Tag im queeren Jahreskalender wird und andere Institutionen, Städte und Länder nachziehen“, sagt Sven Norenkemper, Vorstand des anyway. Auf den ersten Blick könne ein solcher Tag irritieren, räumt Norenkemper ein. Schließlich werde in der Community seit Jahren darüber diskutiert, dass schwule Männer besonders sichtbar seien, während andere Identitäten zu wenig Raum erhielten. „Dieses Argument ist möglicherweise statistisch richtig. Gleichzeitig stellen wir als queere Jugendeinrichtung fest, dass schwule, bisexuelle und queere Jungen und junge Erwachsene immer weniger in Angeboten der LSBTIQ*-Jugendarbeit auftauchen“, so Norenkemper.
Gerade in der Pubertät brauche es Orte, an denen Jungen unter Jungen sprechen, sich austauschen und vernetzen könnten – jenseits digitaler Räume und abseits kommerzieller Szenestrukturen. „Schwule und queere Jungenarbeit hat generell keine starke Lobby. Die Folgen sehen wir später unter anderem an Einsamkeit, Isolation, Schulversagen oder der Zunahme misogyn geprägter Online-Milieus. Die Gesellschaft lässt Jungen, gleich welcher Identität, zu oft allein mit sich und ihren Bedarfen“, so Norenkemper. „Schwul geht im Begriff queer manchmal unter. Wir wollen, dass alle Identitäten ihre Schutzräume und ihre Label haben.“
Zum ersten Gay Visibility Day lädt das anyway junge Menschen bis unter 27 Jahren aus Nordrhein-Westfalen und Umgebung nach Köln ein. Geplant ist ein ganzer Aktionstag mit Buffet, Vernetzungsmöglichkeiten, Workshops – unter anderem zu Offline-Dating und trans* Männern in der schwulen Community – sowie einem schwulen Filmabend. Im anyway ist Platz für rund 150 Teilnehmer.
Riccardo Simonetti und Thorsten Schorn
Unterstützung erhält der Gay Visibility Day von prominenten Stimmen aus Kultur, Medien, Politik und Unterhaltung. Entertainer Riccardo Simonetti betont in einer Videobotschaft an die Teilnehmer: „Ich wünschte mir, als Kind und Jugendlicher hätte ich sowas erleben dürfen oder an sowas teilnehmen können. Ich finde das sehr wertvoll und sehr wichtig, gerade in der heutigen Zeit.“ Simonetti beschreibt, wie isoliert seine eigene Jugend ohne sichtbare Vorbilder gewesen sei und wie sehr sich sein Blick auf das eigene Schwulsein verändert habe. „Wenn ich mir mein Leben heute angucke, dann kann ich nur sagen: Mein Schwulsein fühlt sich für mich an wie das größte Geschenk, das ich hätte bekommen können.“
Der ehemalige Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, betont: „Rechtlich sind wir in Deutschland ziemlich gut und ziemlich weit gekommen. Aber Akzeptanz braucht natürlich sehr sehr viel mehr. Es braucht auch Mut, einfach zu sich zu stehen.“ Auch ESC-Kommentator Thorsten Schorn unterstützt den Aktionstag. „Das finde ich sehr gut, dass es einen Tag gibt zur Sichtbarkeit. Als ich jung war, da waren nicht besonders viele sichtbar“, sagt Schorn. Sichtbarkeit müsse dabei nicht immer laut oder schrill sein. „Vielleicht ist das ja ganz schön, dass heute im Jahr 2026 auch so langweilige Menschen wie ich zum Vorbild taugen. Es darf ja auch mal etwas leiser zugehen.“
Peter Plate und Jochen Schropp
Der Aktivist und Creator Arya Shirazi verweist auf die Bedeutung von Vorbildern, die auch Mehrfachzugehörigkeiten sichtbar machen. „Als ich jünger war, hatte ich leider keine Vorbilder, mit denen ich mich so identifizieren konnte. Vor allem jemand auch mit ähnlichen Wurzeln, der einfach offen schwul lebt und sein Ding macht. Jemand, der seine Herkunft nicht leugnet und nicht entscheiden muss zwischen Kultur, Familie oder seiner Liebe.“
Für Musiker Peter Plate, unter anderem bekannt durch Rosenstolz, geht es um eine Botschaft, die junge Menschen früh hören sollten: „Als ich jung war, hätte ich mir mehr Menschen gewünscht, bei denen ich dachte: So wie ich bin, darf ich sein.“ Moderator Jochen Schropp ordnet den Tag in eine größere gesellschaftliche Perspektive ein: „Queere Sichtbarkeit ist kein Trend. Sie ist die Erinnerung daran, dass wir schon immer da waren – und dass jede Generation das Recht hat, authentisch zu leben.“
Das anyway in Köln gilt als Europas ältestes queeres Jugendzentrum. Nach Angaben der Einrichtung erreicht das anyway jedes Jahr rund 4.000 junge Menschen unter 27 Jahren. Mit dem Gay Visibility Day möchte das anyway ein Signal setzen: für Sichtbarkeit, für Schutzräume, für differenzierte queere Jugendarbeit und für schwule, bisexuelle und queere Jungen, die sich selbst suchen, ausprobieren und finden dürfen.