Direkt zum Inhalt

Engpass bei adäquater Hilfe HIV-Versorgung: Nur zwei Spezialpraxen in Schleswig-Holstein

Von mr - 08.12.2025 - 15:30 Uhr
HIV-Versorgung: Nur zwei Spezialpraxen in Schleswig-Holstein
Foto: © iStock / SARINYAPINNGAM
ANZEIGE
Loading audio player...

In Schleswig-Holstein sorgt die Versorgung von Menschen mit HIV erneut für Diskussionen. Nach Ansicht der Opposition sind zu wenige spezialisierte Ärztinnen und Ärzte für die Betreuung HIV-positiver Menschen im Einsatz. Aktuell verfügen lediglich zwei Praxen im gesamten Bundesland über eine entsprechende Zulassung für eine qualitätsgesicherte HIV-Therapie. Gesundheitspolitikerinnen und Gesundheitspolitiker von SPD und FDP sehen darin eine erhebliche Versorgungslücke, vor allem vor dem Hintergrund der weiterhin hohen HIV-Infektionen.

 

Fehlende Anlaufstellen im ländlichen Raum

Tatsächlich werden besondere Anforderungen an die Behandlung und Begleitung von Menschen mit HIV gestellt. Die Fortschritte der Medizin ermöglichen eine weitgehend normale Lebenserwartung, sofern die Therapie kontinuierlich und leitliniengerecht erfolgt. Doch während bundesweit rund 90.000 Menschen mit HIV leben, ist gerade in dünn besiedelten Regionen wie Schleswig-Holstein der Zugang zu spezialisiertem medizinischem Know-how eingeschränkt. Primary Care Ärztinnen und Ärzte sind häufig nicht auf die spezifischen Herausforderungen der HIV-Therapie vorbereitet, wie aktuelle Berichte von Fachverbänden zeigen.

 

Stimmen aus Politik und Praxis

Birte Pauls, SPD-Gesundheitsexpertin, bringt ihre Sorge auf den Punkt:

„Dass nur zwei zugelassene Arztpraxen in ganz Schleswig-Holstein eine spezialisierte medizinische Versorgung von Personen mit einer HIV-Infektion oder Aids anbieten, wird den Bedürfnissen unseres ländlich geprägten Bundeslandes nicht gerecht.“ – Birte Pauls, SPD

Dem schließt sich Heiner Garg (FDP) an, der von der Landesregierung fordert, gemeinsam mit den Kassenärztinnen und Kassenärzten eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen und Versorgungslücken zu schließen.

 

Weniger Neuinfektionen, aber Versorgungsprobleme bleiben

Erfreulich ist die Entwicklung der gemeldeten HIV-Neuinfektionen: 2024 sind die Fallzahlen in Schleswig-Holstein auf 62 zurückgegangen, nachdem 2023 noch 88 neue Fälle und im Jahr zuvor sogar 123 registriert wurden. Hinter diesen Zahlen stehen jedoch viele Betroffene, die auf eine schnelle, wohnortnahe und vorurteilsfreie medizinische Begleitung angewiesen sind. Fachorganisationen mahnen aktuell an, dass Diskriminierung und Stigmatisierung vielerorts fortbestehen und Unsicherheiten bei der Arztwahl hemmen.

Der politische Druck könnte neue Impulse setzen, damit moderne HIV-Medizin nicht zum Standortvorteil einzelner Ballungszentren wird. Es bleibt die Herausforderung, Versorgungslücken zu schließen, um allen Menschen mit HIV in Schleswig-Holstein eine adäquate Betreuung zu ermöglichen. Wird es Land und Kassenärztinnen und Kassenärzten gelingen, neue Therapieangebote zu schaffen? Die Antwort auf diese Frage wird wegweisend für Betroffene im Norden sein.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

WDRQueere Menschen wollen kein Feindbild seinBILDEin Jahr nach der Tat - Berliner Polizei sucht zwei U-Bahn-SchlägerSüddeutsche ZeitungCSD in Fürstenfeldbruck: Die Regenbogenfarben erreichen mehr und mehr das Münchner UmlandtazQueerfeindlichkeit unter Jugendlichen: An der ToleranzgrenzeAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Triumph in Roanne

Mika Brunold dreht das Finale

Mika Brunold gewinnt in Roanne nach Satzrückstand. Für den offen schwulen Schweizer ist es der zweite Challenger-Titel in gut einem Monat.
Keine Scham im Wahlkampf

Gallant kontert den Fotowirbel

Alte Fetischfotos sollten Chris Gallant schaden. Jetzt setzt der schwule US-Kandidat auf Offenheit – und einen frechen Wahlkampfslogan.
177 Jahre nach seinem Tod

Die Debatte um seine Männerlieben

Am 17. Oktober 1849 starb Frédéric Chopin. Seine Briefe an Männer berühren bis heute – und sorgen weiter für Streit in der Forschung.
Teure Ausgrenzung

Japan verschenkt sein Potenzial

Lohneinbußen, Krankheit und fehlende Rechte: Ein neuer Bericht zeigt, welchen Preis Japan für die Ausgrenzung von LGBTIQ+-Menschen zahlt.
Revision nach Vergewaltigung

Trans* Polizistin ficht Hafturteil an

Trotz Geständnis und Verständigung: Maja S. legt Revision ein. Das Urteil aus Traunstein ist noch nicht rechtskräftig. Was jetzt geprüft wird.
Fahndung nach U-Bahn-Angriff

Schläge, Tritte und Beleidigungen

Zwei Männer sollen in Alt-Mariendorf einen 30-Jährigen homophob beleidigt und verletzt haben. Die Polizei veröffentlicht jetzt Fahndungsbilder.
Eine Sekunde für die Liebe

Schwule Männer im Zeitrausch

Die Schaltsekunde wird abgeschafft. Für schwule Männer beginnt damit eine neue Zeitrechnung – zwischen Grindr, Größenwahn und ganz großen Gefühlen.
Homophobie bei der WM

FIFA meldet Rekordzahlen

240.000 Hassnachrichten bei der Fußball-WM 2026: Besonders Frankreichs Nationalspieler wurden im Netz angefeindet, berichtet jetzt die FIFA.
Vom Eis zur Erotik

Ein verborgenes Fotoerbe

Roy Blakey war Eiskunstläufer und ein Pionier schwuler Fotografie. Nun erzählt seine Nichte von seinem außergewöhnlichen Leben und Werk.