Direkt zum Inhalt

Grundrechte in Gefahr Tennessee: Anerkennung queerer Ehen geschwächt

Von mr - 20.02.2026 - 15:30 Uhr
Tennessee: Anerkennung queerer Ehen geschwächt
Foto: © iStock / Gwengoat
ANZEIGE
Loading audio player...

Mehr als zehn Jahre nach der historischen Entscheidung des Supreme Court für gleichgeschlechtliche Ehen in den USA droht die rechtliche Anerkennung queerer Ehen in Tennessee eine entscheidende Schwächung zu erfahren. Die republikanisch dominierte Abgeordnetenkammer des Bundesstaates hat jetzt das Gesetzesvorhaben HB1473 gebilligt, das privaten Personen und Institutionen erlaubt, Ehen von gleichgeschlechtlichen Paaren nicht anzuerkennen und gleichzeitig Schutz vor beruflichen Konsequenzen bei entsprechender Verweigerung sichert.

 

Gesetz stellt Bundesrecht in Frage

Das zentrale Element von HB1473 ist die Schaffung weitreichender Ausnahmeregelungen: Bürgerinnen und Bürger sowie Institutionen bekommen explizit das Recht, sich nicht an die bundesrechtlich garantierte Gleichstellung (entsprechend Obergefell v. Hodges und dem 14. Zusatzartikel der US-Verfassung) zu halten. Dies betrifft die Anerkennung und Durchführung von gleichgeschlechtlichen Trauungen. Auch Geistliche oder andere Dienstleister, die Eheschließungen begleiten, können sich künftig auf dieses Landesgesetz berufen – selbst wenn dies Bundesrecht widerspricht.

Ein Sprecher des Tennessee Equality Project betonte angesichts der Abstimmung, diese Initiative sorge für Rechtsunsicherheit und Angst in Familien, denen bisher bundesweite Schutzrechte gewährt wurden. Nationale Bürgerrechtsorganisationen warnen ebenfalls, dass eine Zwei-Klassen-Gesellschaft drohe, in der rechtlicher Bestand und soziale Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Ehen stark erodieren könnten.

 

Stimmen aus Politik und Zivilgesellschaft

Cathryn Oakley von der Human Rights Campaign warnt, dass Republikanerinnen und Republikaner gezielt Grundrechte angriffen, die gesellschaftlicher Konsens seien: Eine klare Mehrheit der US-Bevölkerung befürwortet laut aktuellen Umfragen die Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare. Oakley betont, dass die Gesetzesinitiative nicht den Alltagssorgen von Familien diene und fordert, liebevollem Zusammenleben dürfe keine staatliche Diskriminierung mehr folgen.

 

Konfliktlinien und rechtlicher Hintergrund

Seit dem sogenannten Respect for Marriage Act aus dem Jahr 2022 sind alle US-Bundesstaaten verpflichtet, auch in anderen Staaten geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen zu erkennen. HB1473 sucht nun den Weg über religiöse Ausnahmen und die Definition privater Ablehnung. Offizielle Expertisen sehen zwar keine unmittelbaren Auswirkungen auf Verwaltungsabläufe, politisch aber steht ein Signal im Vordergrund: die Erosion einer gesellschaftlichen Errungenschaft durch neue Gesetzeslücken, die auf Landesebene geschaffen werden.

 

Wie sicher ist die Ehegleichstellung noch?

Mit dem Beschluss setzt Gino Bulso und die Mehrheitsfraktion in Tennessee ein Signal weit über die eigenen Bundesstaatsgrenzen hinaus. Das Gesetzesvorhaben wird als Teil einer landesweiten Strategie gedeutet, die nach Aufhebung anderer Bürgerrechte durch den Supreme Court (wie das Abtreibungsrecht) bewusst nach unsichtbaren Angriffsflächen sucht. Bleibt es bei dieser Entwicklung, könnte der Supreme Court erneut als letzte Instanz für die Rechte von LGBTIQ+-Paaren gefragt sein – ein Balanceakt, der die rechtliche Stabilität der Ehegleichstellung in den gesamten USA erschüttern könnte.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Frankfurter Allgemeine ZeitungInfluencerin Vapaux: In zehn Jahren möchte ich mein Girl sorglos küssenFrankfurter Allgemeine ZeitungInfluencerin Valentina Vapaux: In zehn Jahren möchte ich mein Girl sorglos küssenFalterGossip und Paranoia: Warum wir Promi-Verschwörungstheorien liebenndQueercore | Team Dresch: Die Schönheit der GleichwertigkeitAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Herkules liebte auch Männer

Die schwule Seite des Halbgottes

Herkules werden in antiken Überlieferungen auch zahlreiche männliche Liebhaber zugeschrieben – darunter Hylas, Abderos und Nireus.
Streit um Sexkauf-Gesetz

Island verschärft Freier-Strafen

Island will beim Sexkauf Geldstrafen streichen und Haft als Sanktion vorsehen. Organisationen von Sexarbeitern warnen vor mehr Gefahren.
„Heated Rivalry“ wird real

Stiftung für Shane und Ilya

Die Macher von „Heated Rivalry“ machen eine Idee aus der Romanvorlage zur Realität und gründen die gemeinnützige Irina Foundation.
Sieben Jahre Haft für Maja T.

Budapester Gericht senkt Strafe

Ein Berufungsgericht in Budapest reduziert die Haftstrafe für Maja T. auf sieben Jahre. Der Vater fordert die Überstellung nach Deutschland.
LEGO streitet um Jacke

„Queer Eye“-Outfit vor Gericht

Eine Lederjacke aus „Queer Eye“ beschäftigt jetzt ein US-Gericht: Designer James Concannon wirft LEGO eine Verletzung seines Urheberrechts vor.
Queerer Redakteur erschossen

Schwiegereltern unter Mordverdacht

Ein trans* Mitarbeiter der New York Times wurde erschossen – kurz vor einer Sorgerechtsanhörung. Seine Schwiegereltern sind tatverdächtig in Haft.
Newsom stärkt LGBTIQ+-Schutz

Kalifornien schützt queere Daten

Kalifornien stärkt mit sechs neuen Gesetzen den Schutz von LGBTIQ+-Menschen – und reagiert damit ausdrücklich auf die Politik der Trump-Regierung.
Köln feiert Dirk Bach

Feierliche Einweihung am Rhein

14 Jahre nach Dirk Bachs Tod wird sein Platz in Köln jetzt feierlich eingeweiht – nach einem jahrelangen Streit um die Namensgebung.
25 Jahre Haft für Mord

Tayy Thomas mit 17 getötet

Ein 22-Jähriger muss wegen des Mordes an der 17-jährigen trans* Jugendlichen Tayy Thomas in Alabama für 25 Jahre ins Gefängnis.