Nach sechs Jahren bei All Elite Wrestling ist die Zukunft von Anthony Bowens (35) bei der US-Wrestlingliga offen. Der Vertrag des offen schwulen Wrestlers ist Ende letzter Woche ausgelaufen. Das gilt auch für seinen langjährigen The-Acclaimed-Partner Max Caster. Eine weitere Zusammenarbeit mit AEW ist allerdings nicht ausgeschlossen.
Das Wichtigste im Überblick
- Der Vertrag des offen schwulen Wrestlers Anthony Bowens bei All Elite Wrestling (AEW) ist nach sechs Jahren ausgelaufen.
- Eine Rückkehr ist weiterhin möglich. Mehrere Todesfälle überschatten allerdings die Vertragsverhandlungen.
- Bowens war der erste offen schwule männliche Champion in der Geschichte von AEW und gewann sowohl die World Tag Team als auch die Trios Championship.
- Besondere Bedeutung erlangte eine Szene, in der das Publikum Bowens nach seinem öffentlichen Hinweis auf seine Homosexualität begeistert mit „He’s gay“-Rufen feierte.
- Der Moment gilt als bemerkenswert, weil Homosexualität im Wrestling über Jahrzehnte häufig zur Herabsetzung von Akteuren eingesetzt wurde.
- Bowens gehört zu mehreren offen schwulen Wrestlern, die LGBTIQ+-Sichtbarkeit im Mainstream-Wrestling deutlich erhöht haben.
Erster schwuler Champion
Nach Angaben des Wrestling-Portals Fightful besteht weiterhin noch die Möglichkeit, dass beide Wrestler neue Verträge erhalten. Die Verhandlungen seien durch die unerwarteten Todesfälle der beliebten AEW-Stars Andy „The Butcher“ Williams und Pac in den vergangenen Wochen allerdings beeinträchtigt worden. Während Caster in diesem Jahr nicht mehr im AEW-Programm auftrat, war Bowens weiterhin vor der Kamera zu sehen. Er gehörte zuletzt zur Gruppierung The Opps, hatte dort allerdings eine deutlich kleinere Rolle als zu seinen erfolgreichsten Zeiten mit The Acclaimed.
Unabhängig von seiner Zukunft bei der Wrestlingliga hat Bowens bereits mehrfach Geschichte geschrieben. Er wurde zum ersten offen schwulen männlichen Champion in der Geschichte von AEW. Gemeinsam mit Caster gewann er die AEW World Tag Team Championship. Bowens wurde außerdem Trios Champion und war damit jeweils der erste offen schwule Titelträger in diesen Kategorien. Über seine Erfolge im Ring hinaus entwickelte er sich zu einem der sichtbarsten LGBTIQ+-Fürsprecher im professionellen Wrestling. In sozialen Netzwerken positionierte sich Bowens wiederholt gegen Homophobie. Gemeinsam mit seinem Partner machte er zudem mit humorvollen Videos auf sich aufmerksam, in denen sich schwule Themen und Popkultur verbinden.
„He’s gay“-Rufe
Besonders prägend für Bowens' Zeit bei AEW war eine humorvolle Szene im Fernsehprogramm. Nachdem Wrestlerin Harley Cameron mit ihm geflirtet hatte, stellte Bowens klar, dass er schwul ist. Das Publikum in Chicago reagierte darauf mit begeisterten „He’s gay“-Rufen – „Er ist schwul“. Statt einer Beleidigung wurde der Ruf in diesem Moment zu einer Feier des Wrestlers und seiner sexuellen Orientierung. Die Szene erhielt auch deshalb besondere Bedeutung, weil Homosexualität in der Geschichte des professionellen Wrestlings häufig für Spott, Abwertung und die Ausgrenzung von Akteuren benutzt worden war. Entsprechende Publikumsrufe hatten in der Vergangenheit oft einen homophoben Charakter. Bei Bowens wurde diese Bedeutung umgekehrt: Das Publikum jubelte ihm wegen seiner Offenheit zu.
LGBTIQ+-Sichtbarkeit
AEW setzte seit seiner Gründung stark auf Entwicklungen, die zuvor in der unabhängigen Wrestling-Szene entstanden waren. Dazu gehörte nicht nur ein anderer Stil im Ring, sondern auch eine stärkere Sichtbarkeit homosexueller Wrestler. Neben Bowens trugen unter anderem Nyla Rose, Sonny Kiss, Toni Storm und Mercedes Martinez dazu bei, dass LGBTIQ+-Repräsentation aus der Independent-Szene zunehmend im Mainstream und im Wrestling-Fernsehen sichtbar wurde. Bowens nahm dabei auch aufgrund seiner Titelgewinne eine besondere Stellung ein. Sein öffentlicher Umgang mit seiner Homosexualität wurde nicht als Schwäche oder Bestandteil einer abwertenden Rolle inszeniert, sondern entwickelte sich zu einem selbstverständlichen Teil seiner Persönlichkeit als Wrestler.
Karriere ohne AEW?
Ein Auslaufen seines AEW-Vertrags bedeutet nicht zwangsläufig das Ende von Bowens' Wrestling-Karriere. Auch sein öffentliches Engagement gegen Homophobie und für LGBTIQ+-Sichtbarkeit ist nicht an die Liga gebunden. Ob seine sechsjährige Zeit bei AEW tatsächlich beendet ist, bleibt zudem offen. Dass Bowens zuletzt weiterhin im Programm eingesetzt wurde, unterscheidet seine Situation von der seines früheren Partners Caster. Sollte es dennoch zu keiner neuen Vereinbarung kommen, hinterlässt Bowens bei AEW mehrere historische Bestmarken.