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Eishockeyprofi Luke Prokop Heated Rivalry in der Realität: Das Leben nach dem Outing

Von ms - 29.06.2026 - 15:35 Uhr
Eishockeyprofi Luke Prokop
Foto: OUTTV / Amazon Prime
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Der kanadische Eishockeyprofi Luke Prokop sieht seine Rolle als offen schwuler Spitzensportler inzwischen weniger als Belastung denn als Verantwortung. Das sagt der 24-Jährige in der neuen Dokumentation „The Hockey Player“, die seinen bisherigen Weg im Profi-Eishockey nachzeichnet. Prokop schrieb 2021 Geschichte, als er sich als erster offen schwuler Spieler outete, der bei einem Team der nordamerikanischen Profiliga NHL unter Vertrag stand.

Das Wichtigste im Überblick

  • Luke Prokop war 2021 der erste offen schwule Spieler mit Vertrag bei einem NHL-Team.
  • Die Dokumentation „The Hockey Player“ begleitet seinen Weg im Profi-Eishockey.
  • Prokop sieht seine Sichtbarkeit heute als Verantwortung für andere queere Sportler.
  • Er äußert sich erneut kritisch zu früheren Pride-Regeln der NHL.
  • Der Erfolg der Serie „Heated Rivalry“ habe die Diskussion über Homosexualität im Eishockey verstärkt.

Der „schwule“ Eishockeyspieler

„Ich bin nicht als Luke Prokop, der Eishockeyspieler, bekannt. Ich bin Luke Prokop, der schwule Eishockeyspieler“, sagt Prokop in dem Film. Das Etikett des „schwulen Eishockeyspielers“ habe ihn in den vergangenen fünf Jahren begleitet – zunächst mit gemischten Gefühlen. „Es war überall, wo ich hinging, mit mir verbunden, und ich habe es fast als etwas Negatives empfunden, weil ich ein ziemlich privater Mensch bin. Ich wollte keine zusätzliche Aufmerksamkeit und auch nicht, dass sich meine Teamkollegen unwohl fühlen. Aber inzwischen bin ich wirklich stolz darauf, und ich nehme diese Rolle sehr ernst“, so Prokop. Die Dokumentation begleitet Prokop über mehrere Jahre und verbindet persönliche Interviews, Spielszenen sowie Gedanken über den Zustand des Profi-Eishockeys. Der Verteidiger wurde 2020 beim NHL-Draft von den Nashville Predators ausgewählt. Anschließend spielte er zunächst in der ECHL und später in der AHL, um sich seinen Traum von der NHL zu erfüllen.

Debatten nach Heated Rivalry

Der Film erzählt nicht nur von den Herausforderungen eines offen schwulen Profisportlers, sondern auch von Prokops sportlichen Ambitionen, seiner Beziehung zu seinem Vater und der Frage nach Inklusion im Spitzensport. „Mein Vater meinte: 'Ich weine so oft in diesem Film.'“ Nach dem Erfolg der Serie „Heated Rivalry“ sei das Interesse an Homosexualität im Eishockey deutlich gestiegen. Als einziger aktiver offen schwuler Spieler auf diesem Leistungsniveau stehe er dabei besonders im Fokus. „Ich empfinde das nicht mehr als Druck, sondern eher als Verantwortung“, sagt Prokop. Die Dokumentation sei auch deshalb entstanden, um anderen homosexuellen Sportlern Mut zu machen. „Durch den Erfolg von Heated Rivalry gibt es wahrscheinlich viele homosexuelle Spieler, die sich nicht wohl dabei fühlen, sich zu outen. Wenn ich für sie sichtbar sein kann, dann macht alles, was ich mit meinem Coming-Out und diesem Film getan habe, die ganze Sache lohnenswert“, sagt Prokop.

Serienrolle in Heated Rivalry?

Auch zur Serie „Heated Rivalry“ äußert sich Prokop. Anfangs habe er gezögert. „Ich wollte nicht, dass diese Sexgeschichte mit mir in Verbindung gebracht wird. Ich wollte nicht, dass die Leute mich so wahrnehmen“, sagt er. Mit den emotionalen Aspekten der Geschichte habe er sich dagegen stark identifizieren können. „Das Verstecken, einen anderen Namen im Handy zu verwenden und Angst davor zu haben, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen – damit konnte ich mich sehr identifizieren.“ Die Serie habe den Eishockeysport insgesamt vorangebracht. „Sie hat viele neue Fans zum Sport gebracht. Jetzt liegt es am Eishockey, an den Spielern und den Teams, ein Umfeld zu schaffen, das für alle offen ist.“ Auf die Frage nach einem möglichen Gastauftritt in der Serie zeigt sich Prokop offen. „Anscheinend gibt es in den Büchern einen großen, rothaarigen Eishockeyspieler“, sagt er schmunzelnd. Fans sehen seit Längerem Parallelen zwischen Prokop und der Romanfigur Ryan Price aus Rachel Reids Buch „Tough Guy“. „Das wäre cool – mal etwas anderes!“

Kampf für Gleichberechtigung 

Nach seinem öffentlichen Coming-Out sorgte die NHL mit mehreren Entscheidungen für Kritik. 2023 verbot die Liga Pride-Klebeband und Pride-Trikots sowie andere Ausrüstung mit gesellschaftspolitischen Botschaften während des Aufwärmens. Pride-Trikots sind weiterhin untersagt, Regenbogen-Klebeband an Schlägern ist inzwischen freiwillig erlaubt. Prokop hatte die damalige Entscheidung kritisiert und sagt heute, er müsse sorgfältig abwägen, wie weit seine öffentliche Kritik gehen könne. „Ich muss genau abwägen, was ich sagen kann, ohne mir selbst und meiner Karriere zu schaden. Gleichzeitig muss ich aber auch für meine Community eintreten und versuchen, das auf die bestmögliche Weise zu tun“, erklärt Prokop. „Dieser Film ist genau dieser schmale Grat: über Dinge zu sprechen, ohne völlig über das Ziel hinauszuschießen und alles, was in der Vergangenheit passiert ist, nur schlechtzumachen.“

Veränderte Debatten über Homosexualität 

In der Dokumentation kommen neben Prokop unter anderem der ehemalige Eishockeyspieler und LGBTIQ+-Aktivist Brock McGillis, der Eishockey-Manager Brian Burke sowie „Heated Rivalry“-Schöpfer Jacob Tierney zu Wort. Besonders wichtig seien aber die Aussagen seiner Familie, vor allem seines Vaters. Dieser hinterfragt im Film den Zeitpunkt des Coming-Outs und die damals begrenzten sportlichen Möglichkeiten seines Sohnes. „Jedes Mal, wenn ich Gespräche mit dem Team hatte, waren sie sehr positiv. Aber sie hatten eigentlich auch keine Wahl – ich hatte meinen Vertrag bereits unterschrieben. Hätte ich mich vor dem Draft geoutet, wäre ich vielleicht bei einem anderen Team gelandet“, sagt Prokop.

Rückblickend erinnert er sich an schwierige Situationen nach seiner Verpflichtung. „Ich wurde in einige ziemlich ungewöhnliche Situationen gebracht“, erzählt er. „Ich habe mich gefragt, warum das so ist. Damals dachte ich vor allem: 'Liegt das daran, dass ich schwul bin?'“ Heute glaube er nicht mehr, dass seine Sexualität der Grund gewesen sei. Dennoch sei er froh über den Wechsel zu einer neuen Organisation. Für die Saison 2025/26 unterschrieb Prokop bei den Bakersfield Condors, dem AHL-Farmteam der Edmonton Oilers. Dort spielte der 1,93 Meter große Verteidiger nach eigenen Angaben bislang seine beste AHL-Saison.

Prokop hofft, dass „The Hockey Player“ die Debatte über Inklusion im Eishockey neu belebt. Zugleich wünsche er sich, dass die Zuschauer seine persönliche Geschichte kennenlernen. „Ich spiele in irgendwelchen Auswärtshallen, und die Leute wissen allein wegen meines Nachnamens, wer ich bin“, sagt Prokop. „The Hockey Player“ erscheint in Zusammenarbeit mit OUTtv und ist zeitnah bei iTunes und Amazon Prime Video erhältlich. 

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