Direkt zum Inhalt

Diskriminierung bei Gesundheit Queere Menschen bleiben besonders stark betroffen

Von ms - 02.04.2026 - 14:30 Uhr
Diskriminierung bei der Gesundheit
Foto: iStock / rparobe
ANZEIGE
Loading audio player...

Diskriminierung im Gesundheitswesen ist nach wie vor ein großes Problem in Deutschland. Zuletzt zeigte eine FRA-Studie auf, wie weit verbreitet das Verhalten gegenüber LGBTIQ+-Menschen ist, nun legte auch das Robert Koch-Institut neue Zahlen vor. „Diskriminierung ist in bestimmten Kontexten gesetzlich verboten; dennoch findet sie statt und kann erhebliche Folgen für die Gesundheit haben“, so das RKI. 

Diskriminierung queerer Menschen

Die Studie der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) zeigte zuletzt im Februar dieses Jahres auf, dass 49 Prozent der lesbischen Frauen und 45 Prozent der schwulen Männer Diskriminierungen im Bereich der sexuellen Gesundheit erlebt haben. Das RKI konzentrierte sich jetzt im Wesentlichen auf Vergleiche zwischen heterosexuellen Menschen und queeren Personen, insbesondere trans* Patienten. Datengrundlage war das hauseigene, bevölkerungsbezogene Panel „Gesundheit in Deutschland“, Teilnehmer wurden dabei nach Erfahrungen alltäglicher Diskriminierung sowie möglichen Gründen gefragt.

„Alltags- sowie Mehrfachdiskriminierung werden verstärkt von jüngeren, trans oder genderdiversen Personen sowie Menschen in sozioökonomisch benachteiligten Lagen und mit Migrationsgeschichte berichtet. Die Häufigkeit des Erlebens von Alltags- sowie Mehrfachdiskriminierung ist graduell mit einer schlechteren allgemeinen und psychischen Gesundheit assoziiert“, so dass RKI, das im weiteren Verlauf zudem betont: „Diskriminierung ist eine relevante soziale Determinante der Gesundheit. Die Ergebnisse bekräftigen den Ansatz der Weltgesundheitsorganisation, den Abbau und das Überwinden von Diskriminierung als ein zentrales Handlungsfeld zur Förderung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit zu begreifen.“

 Erhebliche Auswirkungen auf Betroffene

Dabei bekräftigt das Institut eindringlich, dass Diskriminierung „erhebliche negative Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit sowie das gesundheitsrelevante Verhalten“ haben. Oftmals kommt es demnach auch zu Mehrfachdiskriminierungen, beispielsweise nebst der Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung zusätzlich auch aufgrund von Alter, Gewicht oder Geschlecht. Knapp die Hälfte derjenigen mit Diskriminierungserfahrungen gaben so zwei oder mehr Gründe für diese Erfahrungen an. Am häufigsten wurde das Alter als Grund für die erfahrene Diskriminierung genannt. „Strukturelle und institutionelle Diskriminierung bedingen einander und sind nicht immer trennscharf zu unterscheiden. Interpersonell erfolgt Diskriminierung zwischen Individuen oder Gruppen (Mikroebene) und kann sich durch Ausgrenzung, Abwertung bis hin zu Gewalt äußern. Diskriminierung ist dabei nicht nur eine Frage individueller Beleidigungen oder Gewalttaten, sondern ein komplexes gesamtgesellschaftliches Machtsystem mit einer langen Tradition, das bis heute wirkmächtig ist und in das wir alle verwoben sind“, hält das RKI weiter fest. 

Wer Diskriminierung im Gesundheitswesen erfährt, der zieht sich zumeist zurück, was einerseits zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes führen kann und weitere neue Krankheitsrisiken mit sich bringt, andererseits aber auch oftmals mit Stress, Depressionen und sozialem Rückzug einhergeht. Insgesamt haben mehr als zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung (69,2%) Diskriminierung erlebt, mehr als jeder Zehnte (12,2%) machte solche Erfahrungen oft, unter queeren Personen sind es mehr als 27 Prozent. Beinahe ebenso oft (22,8%) erleben junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren immer wieder Diskriminierung. Zumeist fühlen sich die Betroffenen nicht ernst genommen und werden mit weniger Höflichkeit und Respekt als andere behandelt. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Frankfurter Allgemeine Zeitung„LGBT-Propaganda“: Warum die Türkei wirklich gegen ein renommiertes Onlineportal vorgehtndIslamismus und Rechtsextremismus | Incels mit und ohne GottSüddeutsche ZeitungInterview: „Wer keinen Ärger kriegt, hat auch keinen Ärger gemacht“Frankfurter Allgemeine ZeitungPressefreiheit: Nachrichtenseite „T24“ in der Türkei wegen „LGBT-Propaganda“ gesperrtAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Kevin Williams ist tot

Abschied von frühen Adultstar

Kevin Williams, einer der bekanntesten schwulen Pornodarsteller der 1980er- und 1990er-Jahre, ist Ende September mit 60 Jahren gestorben.
Dame Esther Rantzen ist tot

Viele Jahre Einsatz für LGBTIQ+

Dame Esther Rantzen ist mit 86 Jahren gestorben. Die britische Moderatorin und Aktivistin setzte sich über Jahrzehnte für LGBTIQ+-Menschen ein.
Cooper Kim holt Gold

Gold beim internationalen Debüt

Der schwule Turner Cooper Kim gewinnt bei seinem internationalen Debüt Gold am Reck – und setzt damit sein erfolgreiches Jahr nach dem Coming-Out fort.
Frankreich spricht über Gewalt

Männer brechen ihr Schweigen

In Frankreich rückt sexuelle Gewalt gegen Männer stärker in den Fokus – besonders schwule und bisexuelle Männer sind betroffen.
Zweites Coming-Out In Japan

Volleyball-Profi Reon Arao ist out

Japans Volleyball-Profi Reon Arao spricht öffentlich über Identität, Geschlechterrollen und die schwierige Entscheidung zum Coming-Out.
Streitfall trans* Athletinnen

Klage gegen Sportverein gescheitert

Streitfall trans* Athletinnen: Eine Klage gegen den Sportbund NCAA wurde abgewiesen, ohne Klärung des Klagegrundes. Klägerin Gaines geht in Berufung.
Doppelmord in Arizona

Polizei nennt neue Details

Nach zwei Morden vor einer schwulen Bar in Tucson Arizona haben Ermittler jetzt Hinweise auf ein mögliches schwulenfeindliches Motiv gefunden.
Schärferes Extremismusrecht

„Traditionelle Werte“ in Russland

Ein russischer Gesetzentwurf soll den Extremismusbegriff radikal auf Ideologien ausweiten, die sich gegen „traditionelle Werte“ richten.
LGBTIQ+-Rechte unter Druck

Neue Gesetze verschärfen Risiken

UN-Experte Graeme Reid warnt vor wachsender Diskriminierung von LGBTIQ+-Menschen – besonders gefährdet seien Menschen in Haft.