Diskriminierung bei Gesundheit Queere Menschen bleiben besonders stark betroffen
Diskriminierung im Gesundheitswesen ist nach wie vor ein großes Problem in Deutschland. Zuletzt zeigte eine FRA-Studie auf, wie weit verbreitet das Verhalten gegenüber LGBTIQ+-Menschen ist, nun legte auch das Robert Koch-Institut neue Zahlen vor. „Diskriminierung ist in bestimmten Kontexten gesetzlich verboten; dennoch findet sie statt und kann erhebliche Folgen für die Gesundheit haben“, so das RKI.
Diskriminierung queerer Menschen
Die Studie der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) zeigte zuletzt im Februar dieses Jahres auf, dass 49 Prozent der lesbischen Frauen und 45 Prozent der schwulen Männer Diskriminierungen im Bereich der sexuellen Gesundheit erlebt haben. Das RKI konzentrierte sich jetzt im Wesentlichen auf Vergleiche zwischen heterosexuellen Menschen und queeren Personen, insbesondere trans* Patienten. Datengrundlage war das hauseigene, bevölkerungsbezogene Panel „Gesundheit in Deutschland“, Teilnehmer wurden dabei nach Erfahrungen alltäglicher Diskriminierung sowie möglichen Gründen gefragt.
„Alltags- sowie Mehrfachdiskriminierung werden verstärkt von jüngeren, trans oder genderdiversen Personen sowie Menschen in sozioökonomisch benachteiligten Lagen und mit Migrationsgeschichte berichtet. Die Häufigkeit des Erlebens von Alltags- sowie Mehrfachdiskriminierung ist graduell mit einer schlechteren allgemeinen und psychischen Gesundheit assoziiert“, so dass RKI, das im weiteren Verlauf zudem betont: „Diskriminierung ist eine relevante soziale Determinante der Gesundheit. Die Ergebnisse bekräftigen den Ansatz der Weltgesundheitsorganisation, den Abbau und das Überwinden von Diskriminierung als ein zentrales Handlungsfeld zur Förderung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit zu begreifen.“
Erhebliche Auswirkungen auf Betroffene
Dabei bekräftigt das Institut eindringlich, dass Diskriminierung „erhebliche negative Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit sowie das gesundheitsrelevante Verhalten“ haben. Oftmals kommt es demnach auch zu Mehrfachdiskriminierungen, beispielsweise nebst der Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung zusätzlich auch aufgrund von Alter, Gewicht oder Geschlecht. Knapp die Hälfte derjenigen mit Diskriminierungserfahrungen gaben so zwei oder mehr Gründe für diese Erfahrungen an. Am häufigsten wurde das Alter als Grund für die erfahrene Diskriminierung genannt. „Strukturelle und institutionelle Diskriminierung bedingen einander und sind nicht immer trennscharf zu unterscheiden. Interpersonell erfolgt Diskriminierung zwischen Individuen oder Gruppen (Mikroebene) und kann sich durch Ausgrenzung, Abwertung bis hin zu Gewalt äußern. Diskriminierung ist dabei nicht nur eine Frage individueller Beleidigungen oder Gewalttaten, sondern ein komplexes gesamtgesellschaftliches Machtsystem mit einer langen Tradition, das bis heute wirkmächtig ist und in das wir alle verwoben sind“, hält das RKI weiter fest.
Wer Diskriminierung im Gesundheitswesen erfährt, der zieht sich zumeist zurück, was einerseits zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes führen kann und weitere neue Krankheitsrisiken mit sich bringt, andererseits aber auch oftmals mit Stress, Depressionen und sozialem Rückzug einhergeht. Insgesamt haben mehr als zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung (69,2%) Diskriminierung erlebt, mehr als jeder Zehnte (12,2%) machte solche Erfahrungen oft, unter queeren Personen sind es mehr als 27 Prozent. Beinahe ebenso oft (22,8%) erleben junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren immer wieder Diskriminierung. Zumeist fühlen sich die Betroffenen nicht ernst genommen und werden mit weniger Höflichkeit und Respekt als andere behandelt.