Cold Case in Hamburg Tatverdächtiger erinnert sich nicht an möglichen Mord
Mehr als 43 Jahre nach einem Mord an einer trans* Prostituierten in Hamburg hat am Landgericht nun der Prozess gegen einen 62-jährigen Mann begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Januar 1983 aus Habgier einen heimtückischen Mord begangen zu haben. Der Angeklagte war zur Tatzeit 18 Jahre alt, weshalb der Prozess vor einer Jugendkammer geführt wird.
Das Wichtigste im Überblick:
- 43 Jahre nach Mord an trans* Sexarbeiterin „Angelique“ beginnt der Prozess in Hamburg
- Angeklagter, heute 62, wird beschuldigt, 1983 aus Habgier einen Mord begangen zu haben
- Moderne DNA-Analyse führte zur Identifizierung des Täters
- Prozess wird vor einer Jugendkammer geführt, da der Angeklagte zur Tatzeit 18 Jahre alt war
- Vor Gericht gibt der Angeklagte an, sich nicht an den Vorfall erinnern zu können
Keine Erinnerungen an Mord?
Der heute 62-Jährige soll in der Nacht des Verbrechens die Sexarbeiterin, die als „Angelique“ bekannt war, in einem Wohnwagen in Hamburg-Hammerbrook erschossen haben. Die damals 41-jährige Prostituierte wurde von drei Schüssen aus einem Revolver getroffen – einer im Kopf, einer in der Brust und einer im Oberschenkel. Nach den Schüssen verblutete das Opfer am Tatort, während der Täter mit einer Beute von 300 D-Mark floh. Der 62-jährige Angeklagte soll die Prostituierte zuvor in der Nähe der Reeperbahn getroffen und in seinem Auto mitgenommen haben.
Nach der Verlesung der Anklage erklärte der Angeklagte mit Hilfe von Gebärdendolmetschern, dass er sich an den Vorfall nicht erinnern könne. „Mein Kopf ist eigentlich leer“, sagte er. Die Vorsitzende Richterin Ulrike Schönfelder berichtete von einem ergebnislosen Verständigungsgespräch vor der Hauptverhandlung.
Ermittlungen durch moderne DNA-Technik
Trotz intensiver Ermittlungen blieb der Mord zunächst ungelöst. Erst im vergangenen Jahr führten neue Ermittlungen mit moderner DNA-Technologie zur Identifizierung des Angeklagten. DNA-Spuren aus dem Jahr 1983 wurden mit denen des 62-Jährigen abgeglichen, was schließlich zur Festnahme des Verdächtigen führte. Anfang November 2025 erließ das Amtsgericht Haftbefehl gegen den Angeklagten, der zwei Wochen später in seiner Wohnung in Finkenwerder festgenommen wurde. Für den 62-Jährigen ist es bereits der zweite Mordprozess. Im Jahr 1985 wurde ihm vorgeworfen, bei einem missglückten Überfall auf ein Hotel eine Frau entführt und ermordet zu haben. Der Angeklagte wurde jedoch freigesprochen, da die Aussagen von gehörlosen Zeugen und die Indizienlage als widersprüchlich betrachtet wurden.
Frühere Konflikte mit dem Gesetz
Wie eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe berichtete, hatte der Angeklagte bereits frühzeitig Probleme mit dem Gesetz. Aufgewachsen in einer gehörlosen Familie, geriet er mit 14 Jahren erstmals in Konflikt mit der Justiz. Er verbrachte mehrere Jahre in Einrichtungen für jugendliche Straftäter und versuchte 1981 aus einem Jugendgefängnis zu fliehen, was jedoch scheiterte. Trotz seines schwierigen Hintergrunds absolvierte der Angeklagte später einen Hauptschulabschluss und eine Ausbildung zum Maler. Vor seiner Verhaftung lebte er mehr als zehn Jahre von Arbeitslosenhilfe.
Der Prozess gegen den 62-Jährigen wird mit weiteren Verhandlungsterminen fortgesetzt, die bis zum 12. Juni angesetzt sind. Die Staatsanwaltschaft hat bereits angekündigt, im Falle eines Geständnisses eine Jugendstrafe von fünf bis sechs Jahren zu fordern, da das Jugendstrafgesetz bei Heranwachsenden eine Höchststrafe von 15 Jahren für Mord vorsieht.