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Appell für den Sexclub Britischer Psychologe betont besondere Gemeinschaft für Schwule

Von ms - 07.07.2026 - 16:00 Uhr
Appell für den Sexclub
Foto: iStock / VladOrlov
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Sexclubs werden häufig ausschließlich mit anonymen sexuellen Begegnungen in Verbindung gebracht. Nach Ansicht des international bekannten, preisgekrönten Psychotherapeuten Silva Neves greifen solche Vorstellungen jedoch zu kurz. Der in London tätige Therapeut, spezialisiert auf Sexualtherapie, Traumata und LGBTIQ+-Themen, hat sich auf Grundlage zahlreicher Gespräche mit schwulen Männern mit der Bedeutung solcher Orte beschäftigt und seine Einschätzungen in einem Beitrag für Psychology Today veröffentlicht.

Das Wichtigste im Überblick

  • Psychotherapeut Silva Neves sieht in Sexclubs für viele schwule Männer auch psychologische und soziale Vorteile.
  • Nach seinen Erfahrungen berichten zahlreiche Klienten von einem gesteigerten Wohlbefinden nach Besuchen solcher Einrichtungen.
  • Als Gründe nennt er unter anderem weniger Minderheitenstress, einen schamfreien Umgang mit Sexualität und ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl.
  • Seine Einschätzungen veröffentlichte Neves in einem Beitrag für Psychology Today.

Moralische Verurteilungen 

Neves weist darauf hin, dass Diskussionen über die positiven Seiten von Sexclubs oft kritisch betrachtet würden. Wer offen über Besuche in Badehäusern oder Cruising-Clubs spreche, müsse nicht selten mit moralischen Bewertungen rechnen – auch aus der eigenen Community. Nach seinen Erfahrungen bieten diese Orte vielen Männern jedoch mehr als die Möglichkeit zu sexuellen Kontakten. Zahlreiche seiner Klienten hätten nach Besuchen von einem „gesteigerten Wohlbefinden“ berichtet.

Als einen zentralen Aspekt nennt Neves den Ausgleich zu sogenanntem Minderheitenstress. Gemeint ist der psychische Druck, den Angehörige gesellschaftlicher Minderheiten durch Diskriminierung oder Ausgrenzung erleben können. Sexclubs seien für viele schwule Männer „ein Raum, in dem sie einfach sie selbst sein können, ohne sich verstellen zu müssen, damit andere sich wohler fühlen, und ohne Angst vor Diskriminierung“. Zudem könnten sie dort „so viel oder so wenig mit anderen Menschen in Kontakt treten, wie sie möchten“.

Eine Raum frei von Scham

Ein weiterer Vorteil bestehe darin, dass Männer dort ihre sexuellen Wünsche nicht mit Scham verbinden müssten. „Einige schwule Männer erleben dies als eine Form existenzieller Freiheit, bei der sie im Hier und Jetzt ihre Verbindung von Körper und Geist spüren, sich lebendig fühlen und mit anderen sexpositiven schwulen Männern in Kontakt treten. Dadurch werden das Gefühl von Legitimität und Zugehörigkeit gestärkt“, erklärt Neves.

Darüber hinaus sieht der Psychotherapeut Unterschiede zwischen Sexclubs und klassischen Schwulenbars. Während in vielen Bars und Clubs häufig hohe Ansprüche an Aussehen, Körper oder sozialen Status herrschten, seien Sexclubs oft deutlich egalitärer. Bodyshaming komme dort seiner Erfahrung nach seltener vor. „In schwulen Sexclubs akzeptieren sich die meisten Menschen gegenseitig. Es kann ein einladender und sicherer Ort sein, an dem sich alle schwulen Männer unabhängig von Körperform, Alter, Penisgröße, Status oder Fetisch 'gut genug' fühlen.“ Das bedeute allerdings nicht, dass jeder mit jedem Sex haben wolle. Ablehnung gebe es selbstverständlich ebenfalls, sie erfolge nach seiner Beobachtung jedoch häufig respektvoller als in Bars.

Mehr als nur Sex

Neves berichtet außerdem, dass manche Männer gar nicht mit der Erwartung in einen Sexclub gingen, sexuelle Kontakte zu haben. Vielmehr wollten sie Zeit mit anderen Männern verbringen und ein Gefühl der Zugehörigkeit erleben. „Es kann einfach bedeuten, nackt an der Bar etwas zu trinken und sich mit einem anderen nackten Mann zu unterhalten. Für viele schwule Männer sind dies die einzigen Orte, an denen sie keine gesellschaftliche Unterdrückung spüren.“

Schließlich stellt Neves auch die Bedeutung von Liebe innerhalb schwuler Gemeinschaften heraus. Für manche Menschen gehe Liebe über klassische romantische Beziehungen hinaus. „In schwulen Räumen bedeutet Liebe mehr als das. Liebe kann bedeuten, mehrere Menschen gleichzeitig zu lieben. Liebe kann auch durch eine kurze sexuelle Begegnung in einem Sexclub entstehen – als Ausdruck der Liebe zu sich selbst, zur eigenen Community und zur eigenen Sexualität. Für einige schwule Männer bedeutet diese umfassendere Form der Liebe auch eine Verbindung zu ihrer schwulen Spiritualität.“ Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: „Schwule Sexclubs sind nicht die schmuddeligen, zwielichtigen Orte für traurige alte schwule Männer, für die sie manche halten. Sie können Orte sein, an denen Sexualität gefeiert und nicht beschämt wird.“

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