Direkt zum Inhalt
Anschlagsgefahr bleibt hoch
ANZEIGE

Anschlagsgefahr bleibt hoch Verfassungsschutz warnt vor schneller Radikalisierung im Netz

ms - 13.08.2026 - 08:30 Uhr
Loading audio player...

Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) sieht Deutschland mit einer Vielzahl unterschiedlicher Sicherheitsrisiken konfrontiert. Die Spannbreite reicht nach seinen Worten von Extremismus und Terrorismus bis zu Spionage, Sabotage und hybriden Angriffen. Nach dem CSD-Amoklauf beim Berliner CSD betonte er, in der aktuellen Lage sei in Deutschland „jederzeit mit dem Risiko von Anschlägen zu rechnen“.

Das Wichtigste im Überblick

  • Hessens Innenminister Roman Poseck warnt angesichts mehrerer aktueller Entwicklungen vor einer hohen Gefährdungslage in Deutschland.
  • Nach seiner Einschätzung muss „jederzeit mit dem Risiko von Anschlägen zu rechnen“ sein.
  • Der Verfassungsschutz beobachtet eine zunehmende Radikalisierung im Internet, die sich teilweise innerhalb weniger Wochen vollziehen kann.
  • Besonders alarmiert sind die Behörden über immer jüngere Extremisten und Jugendliche, die sich über Chatgruppen vernetzen.

Verschiedene Gefahren 

Poseck verwies bei der Präsentation des hessischen Verfassungsschutzberichts für das Jahr 2025 in Wiesbaden auf die veränderte Einschätzung der Sicherheitslage durch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Dieser habe „die Bedrohungslage im Juli von abstrakt auf hoch hochgestuft“. Welche Dimension die Gefahr inzwischen angenommen habe, sei durch Ereignisse der vergangenen Wochen deutlich geworden, sagte Poseck: „Der islamistische Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin und das hybride Anschlagsszenario mit einer sprengstoffbestückten Drohne am Leipziger Flughafen haben in den vergangenen Wochen auf dramatische Weise gezeigt, wie real diese Gefahr ist.“

Nach Einschätzung des Ministers ist die gegenwärtige Lage vor allem durch das gleichzeitige Auftreten unterschiedlicher Bedrohungen geprägt. Einerseits gehe es um extremistische Straf- und Gewalttaten, andererseits um Aktivitäten anderer Staaten. Dazu zählten Sabotage, Spionage und sogenannte hybride Bedrohungen. Gemeint sind damit häufig verdeckte Maßnahmen, die darauf abzielen, Unsicherheit zu schaffen oder die Gesellschaft zu destabilisieren.

Rechts- und Linksextremismus 

In Hessen ist seit dem tödlichen Anschlag von Hanau im Jahr 2020 kein weiterer Anschlag mit Todesopfern verübt worden. Poseck führt dies unter anderem auf glückliche Umstände und die Arbeit der Sicherheitsbehörden zurück. Zugleich verwies er auf die erweiterten Befugnisse, die Polizei und Verfassungsschutz in Hessen inzwischen erhalten haben. Bei den extremistischen Straf- und Gewalttaten blieb der Rechtsextremismus auch im vergangenen Jahr der mit Abstand wichtigste Gefahrenbereich. Poseck kritisierte die Weltbilder, die von Rechtsextremisten verbreitet würden. Diese stünden für „menschenverachtende, rassistische und völkische Weltbilder“.

Mit Blick auf den Linksextremismus verwies Poseck unter anderem auf Angriffe auf die Stromversorgung in Berlin. Außerdem nannte er die „antimilitaristisch motivierten Brandanschläge auf Fahrzeuge des Regierungspräsidiums Gießen und auf zivile Einsatzfahrzeuge der Bundeswehr in Kassel“. Der Minister sieht darüber hinaus eine Verbindung zwischen Teilen des Linksextremismus und antisemitischen Positionen. Linksextremismus sei „ein gefährlicher Treiber des Antisemitismus; er verbündet sich mit Israel- und Judenhassern“.

Radikalisierung im Internet 

Neben den klassischen Formen extremistischer Gewalt rückten 2025 auch Spionage und hybride Bedrohungen stärker in den Mittelpunkt. Als größte Gefahr gilt nach Angaben des Innenministeriums dabei Russland. Auch China versuche, seinen Einfluss auszuweiten. Nach Angaben der Behörden geschehe dies unter anderem über Cyberangriffe. Bernd Neumann, Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz, forderte angesichts der Aktivitäten russischer Geheimdienste eine erhöhte Aufmerksamkeit. 

Besonders beschäftigt den Verfassungsschutz die Entwicklung im Internet. Nach Einschätzung Neumanns verlagern sich Radikalisierungsprozesse zunehmend in digitale Räume. Gleichzeitig verlaufe die Radikalisierung immer schneller. „Extremisten werden immer jünger“, sagte Neumann. Der hessische Verfassungsschutz habe sich zuletzt mit 12- bis 17-Jährigen „beschäftigt, die sich in Chatgruppen austauschen und Aktionen planen. Die Algorithmen der Plattformen sorgen dafür, dass wenige Klicks ausreichen, und man ist bereits im Spinnennetz des jeweiligen Extremismus gefangen.“ 

Nach Angaben des Verfassungsschutzpräsidenten werden extremistische und verfassungsfeindliche Inhalte dabei nicht immer offen präsentiert. Vielmehr würden entsprechende Botschaften „geschickt in vermeintlich harmlosen Kurzvideos, Liedern oder Challenges“ versteckt. Der Zeitraum bis zu einer möglichen Radikalisierung könne nach Einschätzung der Behörde sehr kurz sein. Teilweise dauere dieser Prozess nur wenige Wochen. Schulen und Medienaufsicht müssten deshalb nach den Worten Neumanns auch im digitalen Raum einen Beitrag zum Schutz der Demokratie leisten.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Abschiebung trotz Foltertrauma

Eilantrag in Bayern eingereicht

Ein schwuler Folterüberlebender soll nach Uganda abgeschoben werden. Eine queere Beratungsstelle versucht im Eilverfahren die Abschiebung zu stoppen.
SBBG in Frankreich

Geschlechtswechsel vereinfachen

Frankreichs Diskriminierungsministerin Aurore Bergé verspricht eine vereinfachte Änderung des Geschlechtseintrags – allerdings erst bis 2029.
CSD-Anschlag in Berlin

Verfahren offiziell eingestellt

Die Bundesanwaltschaft beendet die Ermittlungen gegen den getöteten mutmaßlichen CSD-Attentäter Ballout, untersucht aber weiter mögliche Mitwisser.
Fußballer oben ohne

Trikot aus, Freude an

Englands Ex-Fußballprofi Ian Wright will die Gelbe Karte für das Ausziehen des Trikots nach Toren abschaffen. Schwule Fans würde es sehr freuen.
Überraschung im Badehaus

92-Jähriger unter schwulen Jungs

Eine Story geht viral: Ein US-Badehaus-Mitarbeiter erzählte auf TikTok von einem 92-jährigen Gast, für den junge Twinks in der Sauna Schlange standen.
Streit um Altenarbeit

Mann-O-Meter reicht Klage ein

Der Berliner Schwulen-Verein Mann-O-Meter klagt gegen den Förderstopp für seine Altenarbeit und beantragt zugleich vorläufigen Rechtsschutz.
Hürdenläufer Seamus Derbyshire

Vorbild für junge schwule Sportler

Der schwule Hürdenläufer Seamus Derbyshire verbindet sportlichen Ehrgeiz mit besonderer Sichtbarkeit und gilt als Vorbild für junge schwule Sportler.
Kit Connor in den Bergen

Schwule Liebe im Schnee?

Kultregisseur Andrew Haigh verfilmt eine schwule Geschichte über Verlust und Überleben in den verschneiten Bergen Colorados. Mit dabei: Kit Connor.
Scharfe Kritik an Hegseth

Mitchell betont Männlichkeitsbild

Der schwule Regisseur John Cameron Mitchell attackiert US-Verteidigungsminister Pete Hegseth scharf und kritisiert dessen Verständnis von Männlichkeit