Anklage in London Pride-Geschäftsführer soll disziplinarische Untersuchung boykottieren
Der suspendierte Geschäftsführer von Pride in London, Christopher Joell-Deshields (55), wird beschuldigt, eine disziplinarische Untersuchung zu möglichen Diebstahl- und Mobbingvorwürfen zu behindern. Laut Gerichtsdokumenten verweigerte er die Rückgabe der Kontrolle über die Bankkonten und -systeme der Organisation.
Erster Tag vor High Court
Joell-Deshields musste sich deswegen am Dienstag erstmals vor dem High Court in London verantworten, nachdem ihm vorgeworfen wurde, die „Benutzernamen, Passwörter und persönlichen Identifikationsnummern“ der Unternehmenssysteme nicht zurückzugeben. In den vorgelegten Gerichtspapieren werfen die Anwälte von Pride in London dem 55-Jährigen vor, versucht zu haben, „das volle Ausmaß seiner Handlungen zu verschleiern“. Der Angeklagte bestritt einen Vorwurf der Nichtübergabe der Konten, gab jedoch zu, dass er es versäumt habe, eine Erklärung vorzulegen, die bestätigte, dass er die gerichtliche Anordnung zur Rückgabe des Eigentums eingehalten habe.
Im September 2025 hatte die London LGBT Community Pride CIC eine einstweilige Verfügung gegen Joell-Deshields erwirkt. Die Verfügung, die während einer laufenden disziplinarischen Untersuchung gegen ihn erlassen wurde, verlangte von ihm die Rückgabe von Unternehmensgeräten sowie den Zugang zu Bankkonten und sozialen Medienprofilen.
Vorwürfe von Mobbing und Veruntreuung
Richter Tim Maloney KC erklärte, dass die verbleibenden Vorwürfe in einer Anhörung nach dem 10. Februar verhandelt werden sollen. Dabei wird auch geklärt, welche Sanktionen Joell-Deshields drohen, weil er eine Zeugenerklärung nicht abgegeben hat. Eine Kopie der gerichtlichen Anordnung weist darauf hin, dass Zuwiderhandlungen gegen die Verfügung zu Geldstrafen, Freiheitsstrafen oder der Beschlagnahme von Vermögenswerten führen können.
Im September 2025 war Joell-Deshields aufgrund von Vorwürfen suspendiert worden, er habe Gutscheine im Wert von 7.000 Pfund, die von Sponsoren zur Verfügung gestellt wurden, für Luxusparfums und Apple-Produkte verwendet. Darüber hinaus beschuldigten Freiwillige ihn, Mobbing-Nachrichten an eine behinderte Freiwillige gesendet und eine „toxische“ Arbeitsatmosphäre in der Organisation geschaffen zu haben, die mehr als 100 Freiwillige und eine Reihe von bezahlten Mitarbeitern beschäftigten.
Die BBC erfuhr überdies, dass Joell-Deshields während der laufenden Untersuchung nach wie vor ein Jahresgehalt von über 85.000 britischen Pfund von der Organisation erhält. In einer früheren Anhörung betonten die Anwälte von Joell-Deshields, dass die Kooperation mit der gerichtlichen Anordnung keineswegs als Schuldeingeständnis in Bezug auf die Vorwürfe zu werten sei. Der Fall kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt für Pride-Organisationen, die mit einem Rückgang an finanzieller Unterstützung und Freiwilligen konfrontiert sind. Infolgedessen mussten im Jahr 2025 mehrere Veranstaltungen abgesagt oder verkleinert werden.