70 Übergriffe auf LGBTI* monatlich Drastische Zunahme von Hassverbrechen im Nachbarland
Die Zahl der Übergriffe auf LGBTI*-Menschen ist in Österreich im Laufe des Jahres 2021 drastisch angestiegen – das geht aus einer parlamentarischen Anfrage der SPÖ hervor, wie das Protal GGG.at berichtet. Während es in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 zu rund 27 Fällen pro Monat kam (160 Delikte insgesamt), stieg die Anzahl der Übergriffe auf LGBTI*-Personen im dritten Quartal auf 215 Vorfälle an, also rund 72 Fälle monatlich.
Die Verdreifachung der Übergriffe ist für die oppositionelle SPÖ ein starkes Warnsignal, weswegen die Partei erneut einen Aktionsplan gegen queerfeindliche Gewalt in Österreich fordert. Die Regierungsparteien ÖVP und Grüne hatten den Antrag zuletzt im Januar abgelehnt – ein bereits existierender Aktionsplan zur Stärkung der allgemeinen Menschenrechte sei ausreichend.

In den meisten Fällen handelt es sich bei den Delikten gegenüber LGBTI*-Menschen um Körperverletzung, Hotspot mit rund 50 Prozent aller Übergriffe ist dabei die Stadt Wien. Des Weiteren handelt es sich um Fälle von Sachbeschädigung, Anfeindung, Raub, Erpressung und Diebstahl sowie zudem Vergehen im Bereich Cyberbelästigung und sexueller Missbrauch von Minderjährigen. Erst seit November 2020 werden Hassverbrechen gegenüber LGBTI*-Menschen in Österreich überhaupt erfasst, wobei sich bereits beim ersten Bericht vom Juli 2021 zeigte, dass im Großteil aller Fälle Schwule und Lesben Opfer von Übergriffen wurden.
Ein Anstieg der Fallzahlen war damals bereits vom Innenministerium erwartet worden, da vermutet wurde, dass es pandemiebedingt zu weniger Zwischenfällen während dem ersten Erhebungszeitraum gekommen war. Eine Verdreifachung der Delikte dürfte aber trotzdem überraschend sein, noch dazu, wo das Innenministerium bereits schon damals klargemacht hatte, dass die meisten Fälle gar nicht erst angezeigt werden. Bei vergleichbaren Studien in anderen Ländern wurde immer wieder davon ausgegangen, dass die Dunkelziffer der Übergriffe um bis zu 90 Prozent höher liegen könnte.