Erste deutsche Kandidatin Hitler-Parodie: Naomy provoziert bei „RuPaul’s Drag Race"
The Only Naomy, die erste deutsche Kandidatin bei „RuPaul’s Drag Race UK vs The World“ - zu sehen im Streamingportal WOW Presents Plus, hat mit einer Hitler-Parodie für Aufsehen gesorgt und neue Debatten über politische Satire im Reality-TV ausgelöst. In der aktuellen Staffel zeigt sie sich als vermeintlich schwuler Bruder von Hitler und stößt damit im internationalen TV-Format explizit ein Tabu an. Diese radikale Entscheidung stößt nicht nur auf Irritation, sondern fordert das Spannungsfeld von Unterhaltung, Erinnerungskultur und politischer Dringlichkeit in der deutschen Medienlandschaft heraus.
Unterhaltung trifft gesellschaftliche Verantwortung
Die Wahl von The Only Naomy, im Rahmen des legendären Snatch Game ein Hitler-Double darzustellen, wirkt wie ein gezielter Tabubruch, der weit über die Grenzen klassischer Drag-Performance hinausgeht. Im deutschen Fernsehen sind ironische oder humoristische Auseinandersetzungen mit Nationalsozialismus aufgrund der historischen Verantwortung streng reglementiert, Satire findet meist in wohldosierten Kontexten statt. Naomy betont selbst, dass ihre Aktion in Deutschland „fast illegal“ wäre und die Sinnhaftigkeit einer kollektiven Erinnerungskultur in Zeiten aufsteigender rechter Bewegungen verstärkt werden muss. Die internationale Sichtbarkeit dürfte diesen Diskurs noch verschärfen, zumal Formate wie Drag Race durch Streamingportale global rezipiert werden und die kulturelle Sprengkraft solcher Darstellungen in verschiedene Länder tragen.
Zwischen Tabu, Statement und Medienmechanik
Mit ihrer Figur „Gerrharrt H.“, durch klischeehaftes Auftreten und mit pointierter Ironie, gelingt Naomy eine Parodie, die politisch motiviertes Statement und mediale Strategie verbindet. In der Folge führt sie mit RuPaul einen Flirt, konterkariert so das Grauen mit campiger Überzeichnung, und weicht einer echten historischen Auseinandersetzung aus. Dennoch bleibt ihre Intention, auf den Rechtsruck auch in Deutschland aufmerksam zu machen, präsent: Angesichts jüngster Erhebungen, nach denen über ein Fünftel der jungen Deutschen unzureichendes Wissen über die NS-Zeit zeigen, setzt Naomy gezielt ein Zeichen. Ihre Warnung vor einem erneuten Erstarken nationalistischer Rhetorik in Deutschland dürfte viele Zuschauerinnen und Zuschauer wachrütteln, gerade im Hinblick darauf, wie die AfD und ähnliche Gruppen gesellschaftliche Stimmungen nutzen.
Satire als Impuls oder Provokation?
Die Imitation Hitlers als queere Drag-Performance bleibt heikel. Während Naomy betont, sie wolle damit zur Sensibilisierung gegen Rechtsextremismus beitragen, bewegt sich ihre Darbietung auf einem schmalen Grat zwischen Satire und Geschmacklosigkeit. Entscheidend wird sein, wie Medienmacherinnen und Medienschaffende sowie Publikum mit dieser Provokation umgehen: Wird hier vorrangig ein Grenzübertritt für Reichweite genutzt oder entsteht tatsächlich Raum für gesellschaftliche Reflexion? Die Resonanz auf Naomys Auftritt weist darauf hin, dass gerade queere Medienakteure den Diskurs künftig aktiver mitgestalten könnten. Ob Satire in Zeiten wachsender rechter Propaganda einen gesellschaftlichen Mehrwert schafft oder zur Banalisierung beiträgt, bleibt eine offene Frage – und gewinnt angesichts politischer Entwicklungen in Deutschland neue Brisanz.