Bald Gesicht- und Ausweis-Scan Discord führt Altersüberprüfung ab März 2026 ein
Die Kommunikationsplattform Discord verlangt künftig Gesicht- oder Ausweis-Scan von seinen Nutzerinnen sowie Nutzern und verärgert viele damit.
Strenge Altersprüfung für Milliarden-Nutzer
Nutzerinnen und Nutzer der beliebten Plattform Discord müssen sich ab Anfang März 2026 auf eine gravierende Änderung einstellen: Um den Zugang zu bestimmten Inhalten wie erwachsenenorientierten Servern oder sensiblen Kanälen zu behalten, verlangt der Dienst eine verpflichtende Altersprüfung. Dazu müssen Betroffene ein Video ihres Gesichts anfertigen oder einen behördlichen Lichtbildausweis samt passendem Selfie übermitteln. Die Prüfung erfolgt also über eine KI-gestützte Altersschätzung oder alternativ, indem man eben seinen Ausweis hochlädt.
Neuer Identitäts-Check betrifft Millionen
Hintergrund der neuen Regelung ist eine weltweite Anpassung der Plattform an verschärfte Jugendschutzgesetze, insbesondere am Vorbild Großbritanniens. Der Online Safety Act schreibt Anbietern wie Discord vor, zuverlässige Alterskontrollen einzuführen, sobald Nutzende Inhalte erstellen oder konsumieren können. Bereits 2025 begann Discord mit ersten Tests, nun folgt der weltweite Rollout dieser Maßnahmen zum Monatswechsel. Betroffen sind Schätzungen zufolge viele Millionen Konten. Laut Unternehmensangaben soll dieser Schritt in erster Linie Jugendliche schützen: Ohne Altersverifikation wird das Konto auf „teen-appropriate“ gesetzt, der Zugang zu als sensibel eingestuften Inhalten beschränkt und die Teilnahme an Sprachbühnen („stage channels“) unterbunden.
Für den Altersnachweis setzt Discord auf externe Partner, die mittels Videoanalyse und Ausweisdokumenten das Alter schätzen oder bestätigen. Erwachsene, deren Aktivitätsmuster und Geräteprofil eindeutig erscheinen, sollen jedoch bevorzugt behandelt werden – ihr Account wird über bisherige Daten geprüft und vielfach freigegeben.
Zwiespalt bei Datenschutz und Sicherheit
Die Reaktionen in der Community fallen gemischt aus. Während sich Befürworterinnen und Befürworter einen besseren Schutz junger Menschen erhoffen, warnen viele vor den Risiken des Datenmissbrauchs. Besonders umstritten: Die Verarbeitung biometrischer Merkmale und von Ausweisdaten durch Drittanbieter. Datenschutzexperten weisen darauf hin, dass gerade bei globalen Plattformen mit Milliardenregistrierungen hohe Anforderungen an Sicherheit, Transparenz und Löschkonzepte gestellt werden müssen.
US-Techfirmen und europäische Regulierung
Hintergrund dieser Entwicklung sind nicht nur britische Regulierungen, sondern auch vergleichbare Vorhaben in der EU und den USA, die Alters- und Identitätskontrollen zur Pflicht machen wollen. Discord schließt sich damit anderen Techkonzernen an, die ähnliche Mechanismen prüfen oder bereits eingeführt haben, um Bußgelder zu vermeiden und Jugendliche besser zu schützen. Große Plattformen stehen unter verstärktem Druck, Missbrauch, Mobbing und radikale Inhalte einzudämmen.
Kontroversen um Privatsphäre bleiben
Welche Folgen diese Maßnahmen für Datenschutz und Zugangskultur langfristig haben, ist offen. Sicher ist: Discord-Mitglieder, die keinen Altersnachweis erbringen möchten, verlieren künftig viele zentrale Funktionen. Die Bedenken hinsichtlich Datensicherheit dürften die Debatte weiter anheizen. Die nächsten Wochen zeigen, ob die Nutzerinnen und Nutzer die neuen Bedingungen akzeptieren – oder Alternativen suchen.