Update erweitert Liebesformen "Die Sims": Seit 2000 Plattform für queere Sichtbarkeit
Das Videospiel „Die Sims“ ist für viele ein Spiegel gesellschaftlicher Vielfalt – und insbesondere für queere Spielerinnen und Spieler weltweit ein digitales Zuhause. Seit der Veröffentlichung im Jahr 2000 hat sich das Lebenssimulationsspiel als ein Kultklassiker der LGBTIQ+-Community etabliert. Doch wie wurde aus diesem Computerspiel eine derart bedeutende Plattform für queere Sichtbarkeit?
Mut zur Offenheit: Simulierte Welten als Experimentierfeld
Bereits bei seiner Vorstellung überraschte „Die Sims“ mit beispielloser Offenheit: Auf der Spielemesse E3 1999 sorgte eine Szene, in der zwei weibliche Sims leidenschaftlich miteinander tanzten und sich küssten, für Furore. Dieses Demo war der zündende Funke, um queere Beziehungen als festen Bestandteil des Spiels zu verankern. Der damalige Spieledesigner und Programmierer Patrick J Barrett III, selbst schwul, bestand darauf, dass Liebe und Partnerschaft unabhängig vom Geschlecht authentisch simuliert werden müssen. Das war ein radikaler Bruch mit der damaligen Spielkultur, in der heteronormative Beziehungen als Norm galten.
Entwicklungen und Debatten: Von lesbischen Küssen zu Genderfreiheit
Nach dem Überraschungserfolg der ersten gleichgeschlechtlichen Beziehungsszene begannen die Entwicklerinnen und Entwickler, Sim-Beziehungen in ihrer Komplexität grundlegend zu überarbeiten. Bis dahin bildeten lediglich Nähe und gemeinsame Haushalte die Grundlage von Partnerschaften – was dazu führte, dass viele Sims ganz einfach durch zufällige Konstellation „queer“ wurden. Barrett erfand daraufhin ein neues System: Erst durch gezielte, aktive Interaktionen sollte sich eine Sim-Sexualität herausbilden, auch Bisexualität wurde als Option eingeführt.
In den Folgejahren entfaltet sich die Diversität weiter: Die Sims 4 führte 2016 genderunabhängige Kleidung ein und ermöglichte ab 2021 frei wählbare Pronomen mit weiteren Anpassungen wie Geschlechtsmerkmalen oder Familienmodellen. 2024 folgten Optionen für polyamore Beziehungen und umfassende Trans*-Repräsentation. All das macht „Die Sims“ heute zu einem der inklusivsten Spiele – laut aktuellen Studien identifizieren sich deutlich mehr queere Nutzerinnen und Nutzer mit der Sim-Community als mit anderen Gaming-Franchises.
„Die Sims bietet unzähligen Menschen, einschließlich mir, einen sicheren Raum, um queere Identitäten und Wünsche auszuprobieren, bevor sie im echten Leben sicher oder möglich sind“, schreibt Journalistin Megan Elliott über ihre Erfahrungen mit dem Spiel (Bricks Magazine, 2020).
Digitale Freiheit als gelebter Utopieentwurf
Doch der Einfluss reicht über individuelle Erlebnisse hinaus: Für viele queere Menschen bietet „Die Sims“ einen seltenen Rückzugsort, um eigene Identität spielerisch zu erforschen – unabhängig von gesellschaftlicher Akzeptanz oder Diskriminierungserfahrungen im realen Leben. Auch in Ländern, in denen Coming-Outs nach wie vor mit realen Gefahren verbunden sein können, eröffnet das Spiel einen geschützten Experimentierraum jenseits des Alltags. Mit fortlaufenden Updates, die etwa Sim-Trans*gesundheit, Pronomen und Familienstrukturen immer realitätsnäher abbilden, unterstreicht das Entwickler-Studio Maxis den Anspruch, eine offene Gesellschaft am Bildschirm zu simulieren.
Die Zukunft bleibt bunt – und offen
Mit der Serienentwicklung von „Die Sims 5“ und wachsenden Forderungen nach noch mehr Diversität ist die Erfolgsgeschichte der queeren Repräsentation in digitalen Lebenswelten längst nicht abgeschlossen. Wird das Spiel dereinst die gesellschaftliche Realität einholen – oder können diese virtuellen Welten gar zum Vorbild für die analoge Welt werden? Das bleibt eine der spannendsten Fragen moderner Popkultur.