Neuer Impuls für LGBTIQ+ Berlin arbeitet an Rettung des queeren Clubs SchwuZ
Am ersten Novemberwochenende verabschiedete sich Berlin mit einer letzten großen Feier vom legendären queeren Club SchwuZ – vorläufig. Im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses gab Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson laut BZ bekannt, dass intensiv an einem Neustart gearbeitet wird. Die Club Commission sucht nach einer Lösung, die das Fortbestehen des SchwuZ sichern könnte. Damit scheint die Geschichte dieses kulturellen LGBTIQ+-Leuchtturms noch nicht abgeschlossen.
Rückblick auf ein queeres Urgestein
Seit 1977 prägte das SchwuZ als einer der bekanntesten Clubs West-Berlins über Generationen hinweg die queere Szene und Subkultur in Deutschland. Sein Umzug von Schöneberg nach Neukölln markierte 2013 einen Neuanfang, doch die traditionsreiche Location in der alten Kindl-Brauerei konnte ökonomisch langfristig nicht mithalten. Nach 48 Jahren musste im Juli 2025 Insolvenz angemeldet werden, auch die Suche nach Investoren verlief erfolglos. Die queere Partyszene verlor damit nicht nur einen Club, sondern eine Institution, die unzähligen Menschen als Schutzraum, Treffpunkt und politische Bühne diente – von Drag-Performances bis hin zu Diskussionen zu queer-politischen Themen.
Die Berliner Clubkultur steht insgesamt unter Druck: Mietsteigerungen, Nachbarschaftskonflikte und die Nachwirkungen der Pandemie machen vielen Einrichtungen zu schaffen. Nach offiziellen Angaben haben allein in Berlin in den letzten zehn Jahren über 100 Musikspielstätten schließen müssen. Vertreterinnen und Vertreter der Club Commission weisen darauf hin, dass Orte wie das SchwuZ nicht nur Freizeitangebote, sondern zentrale Pfeiler urbaner Diversity-Strukturen sind.
Politik und Community: Zeichen für Zusammenhalt
Wedl-Wilson betonte im Ausschuss die historische Rolle des SchwuZ für queeres Leben und stellte klar, dass Konzepte zur Rettung kleinerer, experimenteller Räume favorisiert würden. Auch andere prominente Clubs wie das Watergate stehen vor ähnlichen Herausforderungen, was den Blick auf eine nachhaltigere Förderung von kulturellen Freiräumen lenkt. Laut einer aktuellen Umfrage unter jungen Berlinerinnen und Berlinern wünscht sich die Mehrheit weiterhin sichere Orte für queere Begegnung und Vielfalt.
„Das SchwuZ hat jahrzehntelang Pionierarbeit geleistet. Wir arbeiten daran, dass es als Idee weiterlebt.“ – Sarah Wedl-Wilson, Kultursenatorin von Berlin
Hoffnung auf einen neuen Anfang
Mit der angekündigten Suche nach einem neuen, tragfähigen Standort deutet sich an, dass das Ende des SchwuZ nicht das Ende der Idee ist. Die Räume in der Rollbergstraße sollen anderen Clubs zugänglich gemacht werden, um den kulturellen Verlust möglichst gering zu halten. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die Kräfte der Community, Politik und Wirtschaft zu bündeln und ein neues Modell für die Zukunft queerer Clubkultur in Berlin zu entwickeln. Wird SchwuZ als Symbol für Emanzipation und Vielfalt eine weitere Blüte erleben oder steht die Szene vor einer grundlegenden Transformation? Das bleibt die spannende Frage der kommenden Monate.