Künstler mit später Würdigung Bonner Ausstellung zu homosexuellem Fotografen Peter Hujar
Vom Verborgenen ins Rampenlicht: Peter Hujar in Bonn.
„Eyes Open in the Dark“: Ein schwules Zeitfenster
Die Bundeskunsthalle in Bonn widmet vom 27. Februar bis 23. August 2026 dem Fotografen Peter Hujar eine große Ausstellung, die erstmals das umfangreiche Spätwerk eines Künstlers zeigt, dessen Bedeutung lange verkannt wurde. Hujar, der als schwuler Fotograf und prägende Figur der New Yorker Downtown-Kultur der 1970er und 1980er mit Namen wie Paul Thek und David Wojnarowicz verbunden war, schuf Schonungs- und Mitgefühl in seinen Porträts zugleich. Mit „Eyes Open in the Dark“ wird nun ein Kapitel queerer Kunstgeschichte nach Deutschland geholt, das weit über die Szene hinaus strahlt.
Sichtbarmachen von Kollaboration und Intimität
Im Mittelpunkt steht die Bandbreite von Hujars Blick: intime Aufnahmen von Mitmenschen, das pulsierende Leben der queeren Community Manhattans sowie sensible Studien von Orten, Architektur und Natur. Besonders das Jahr 1976 wirkt wie ein Brennglas auf Hujars Erzählstil: Ein Porträtzyklus mit Bruce de Sainte Croix und eine Serie von Wasserstudien für eine Kapelle zeigen nicht nur künstlerische Reife, sondern geben tiefe Einblicke in Momente der Selbstfindung mitten im damaligen gesellschaftlichen Umbruch. Im Dialog mit Zeitgenossen wie Wojnarowicz entstanden Werke, die noch heute als frühe Zeugnisse einer queeren Selbstermächtigung in Zeiten massiver Ausgrenzung gelten.
Stimmen zum Vermächtnis Hujars
„Die Porträts von Peter Hujar geben den Menschen Würde und Wahrheit zurück – selbst in Momenten größter Verletzlichkeit“, betont eine der Kuratorinnen der aktuellen Bonner Ausstellung. Dieses Lob steht exemplarisch für die späte Anerkennung, die der Künstler posthum erhält, und für das kulturhistorische Gewicht seines Gesamtwerks, das mittlerweile in renommierten Sammlungen weltweit vertreten ist.
Renaissance der queeren Bildsprache
Erst Jahrzehnte nach seinem Tod, der 1987 an den Folgen von Aids eintrat, wurde Hujars Werk international sichtbar. Die begleitende Ausstellung im Berliner Gropius Bau unterstreicht mit einer parallelen Werkschau den wachsenden Einfluss auf die Gegenwartskunst. Hujars Fotografie – zwischen dokumentarischem Realismus und zutiefst subjektiver Poesie pendelnd – erinnert an eine Zeit, in der queere Lebensentwürfe mutig, aber oft nur im Schatten existierten. Heute spiegeln sie für viele junge Künstlerinnen und Künstler eine Quelle der Inspiration, Sichtbarkeit und Authentizität.
Ausblick: Queere Erinnerungskultur weiterdenken
Mit der umfassenden Präsentation in Bonn eröffnet sich für die deutsche Kulturlandschaft ein neues Bewusstsein für die queere Geschichte und deren Bildtraditionen. Der Blick auf Peter Hujar wirft grundlegende Fragen nach Aneignung, Mitgefühl und Identität auf – und lädt dazu ein, queere Zeugnisse endlich als festen Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses zu begreifen. Wie lässt sich die Kraft dieser künstlerischen Stimmen auch in Zukunft wachrufen?